Lisa Fitz überzeugt als Kabarettistin und mit musikalischen Einlagen. Foto: Michael Käfer

Gleich in sechs verschiedenen Rollen begeisterte das zumeist hochhackig auftretende Vollweib die rund 450 Besucher im Bürgerhaus in Rommelshausen.

Rommelshausen - Nein, nachrechnen möge man ihr Alter doch lieber nicht, bittet Lisa Fitz, als sie ganz am Ende ihres Auftritts die eigene CD mit Liedern aus 40 Jahren bewirbt. Wie bereits 1999, als das oberbayrische Kabarett-Urgestein schon einmal in Rommelshausen aufgetreten war, ist der Saal schon seit Wochen ausverkauft. An Dynamik hat die 65-Jährige seither jedoch kaum eingebüßt. Gleich in sechs verschiedenen Rollen begeisterte das zumeist hochhackig auftretende Vollweib die rund 450 Besucher im Bürgerhaus.

Als emsig kehrende Putzfrau sorgt Lisa Fitz für Ordnung auf der Bühne

Sozusagen für Ordnung auf der Bühne sorgt sie zunächst als emsig kehrende Putzfrau Hilde Eberl, die sich gleichzeitig aber über den Ordnungswahn in deutschen Landen echauffiert. 20 Millionen Verkehrsschilder regelten jede Kleinigkeit. Was aber passiert, wenn man versuchsweise in einer Gemeinde alle Schilder abbaut: „Nichts – nur 60 Prozent weniger Unfälle.“ Dennoch sollte das Volk besser keine wichtigen Entscheidungen treffen. „So blöd wie die Menschen sind, ist es besser, sie entscheiden nix“, verkündet Hilde Eberl im oberbairischen Dialekt.

Schließlich sind ja im Volk auch Männer wie Hildes fernsehsüchtiger, kahlköpfiger und allzu korpulenter Göttergatte Leo vertreten. Dessen Geschlechtsgenossen bekommen bei der Reinigungsfachkraft ohnehin ihr Fett ab. Zumindest soweit sie deren Ausführungen intellektuell überhaupt folgen können, denn bei so manchem männlichen Zeitgenossen sei das Hirn durch einen Bierkasten ersetzt. Frauen stellen dagegen die Krone der Schöpfung dar: „Wir sind Engel, und wenn man uns die Flügel bricht, dann fliegen wir weiter – auf einem Besen.“ Kritisch betrachtet auch die rothaarige Journalistin Inge von Stein das männliche Geschlecht. Zum Glück werde der weibliche Orgasmus ohnehin stark überschätzt, denn „bis der Olle den Punkt findet, bin ich im betreuten Wohnen.“

Die Paraderolle von Lisa Fitz ist indes die russische Spionin Olga Geheimnikowa

Die Paraderolle von Lisa Fitz ist indes die russische Spionin Olga Geheimnikowa, die mit Netzstrümpfen und Pelzmütze alle Geheimnisse der Geostrategie aufdeckt, also der Kunst, den Nachbar zu veranlassen, seine Gartenzwerge so aufzustellen, dass der zweite Nachbar sich ärgert. Keinen Zweifel lässt Olga daran, dass im Machtspiel ums Öl zwischen den Nachbarn USA und Russland den Europäern oft nur die Rolle des Gartenzwergs bleibt. Mit dramatischen Folgen. „Wo Öl fließt, haben Mensch und Natur ihr Recht verloren. Jetzt du klatschen, is wahr“, radebrecht Olga an ihr Publikum gewandt.

Sprachlich wie äußerlich könnte der Kontrast von Olga zur CSU-Abgeordneten Gerda Wimmer kaum größer sein. Vom Treffen der Frauenunion herbeieilend, beschreibt sie das Weltbild ihrer Lieblingspartei: „Wir bei der CSU sind wie unsere Kopfbedeckungen – aus festem Filz.“

Erst zum Schluss schafft es die echte Lisa Fitz auf die Bühne. Mit blonder Mähne und weißem Jäckchen zur modisch zerschlissenen Jeans plaudert sie über vergangene Jugendlieben. Zu Fidel Castro etwa, aber ob der den Namen Fidel Fitz akzeptiert hätte, erscheint ihr doch zweifelhaft.

Zwischen ihren Rollen gibt es musikalische Einlagen

Zwischen ihren Rollen gibt es musikalische Einlagen, die von Gemeinschaftsproduktionen mit Konstantin Wecker bis zu einem Lied auf Polizisten reichen. Folglich ist auch die Zugabe musikalischer Art: das Lied vom Kamel in der Wüste, womit wir indirekt wieder bei den Männern wären.

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