Borna Sosa kam im Sommer 2018 von Dinamo Zagreb zum VfB Stuttgart. Foto: Baumann

Der kroatische U-21-Nationalspieler Borna Sosa versteht nicht, warum er beim VfB Stuttgart nicht zum Zug kommt und übt teils scharfe Kritik. Doch es gibt Erklärungen dafür, dass er sich hinten anstellen muss.

Stuttgart - Nach seiner Länderspielreise mit der kroatischen U-21-Nationalmannschaft wird Borna Sosa an diesem Dienstagnachmittag in Stuttgart zurückerwartet. Dort wird er sich erst einmal erklären müssen – im persönlichen Gespräch mit Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und Coach Markus Weinzierl. Denn gegenüber der größten kroatischen Sportzeitung „Sportske Novosti“ übte er während seiner Abwesenheit teils drastische Kritik am Trainerteam und den Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten.

Sosa wechselte im Sommer 2018 für eine Ablösesumme von sechs Millionen Euro von Dinamo Zagreb zum VfB, der am Sonntag (18 Uhr) bei Eintracht Frankfurt antritt. Bis jetzt stehen für ihn aber lediglich acht Einsätze mit 331 Spielminuten in der Bundesliga zu Buche. Sosa versteht nicht, warum er trotz des hohen Investments seitens des Vereins nicht zum Zug kommt – und zuletzt sogar nur auf der Tribüne saß. „Unbegreiflich“ ist das ist für den dreimaligen kroatischen Meister: „Derzeit scheint es so, als habe ich keinen Einfluss darauf, ob ich spiele oder nicht. Aus meiner Perspektive gebe ich alles, biete mich im Training immer an. Der Trainer hat keinerlei Einwände – da heißt es immer ‚Bravo Borna, super Borna, ausgezeichnet’. Aber wenn es zum Spiel kommt, ist Borna nicht da.“ Doch es gibt Erklärungen.

Böse Ausrutscher zum Rückrundenauftakt

Unter Weinzierls Vorgänger Tayfun Korkut spielte der Linksverteidiger Ende September und Anfang Oktober nach Anlaufschwierigkeiten dreimal nacheinander 90 Minuten durch, fiel dann aber wegen eines beginnenden Ermüdungsbruchs am Schambein aus. Die Verletzung, mit der er von der kroatischen U 21 zurückkam, bremste ihn wochenlang aus. Für den 21-Jährigen kam deshalb in der Hinrunde lediglich noch ein Kurzeinsatz hinzu.

Weinzierl schätzt die Qualitäten von Sosa zwar grundsätzlich, etwa seine Bälle bei Standardsituationen. Deshalb entschied der VfB-Trainer sich nach einem engen Zweikampf um die linke Verteidigerposition mit Emiliano Insua im Wintertrainingslager im spanischen La Manga letztlich auch für den Kroaten. Zum Rückrundenauftakt gegen den FSV Mainz 05 (2:3) durfte Sosa also von Beginn an spielen.

Das war seine große Chance – doch der Kroate leistete sich mehrere böse Ausrutscher. Buchstäblich. Er wählte die falschen Schuhe, fand bei schwierigen Platzbedingungen keinen Halt. Nach gutem Beginn gelang ihm kaum mehr etwas, er schlug wilde Pässe ins Nirgendwo und saß regelmäßig auf dem Hosenboden. Weinzierl wechselte Sosa deshalb zur Halbzeit aus. Chance vertan. Insua kam in die Partie – und spielte sich danach fest, beispielsweise auch dank seines Treffers Anfang Februar gegen den SC Freiburg (2:2).

Der Trainer bevorzugt verlässlichere Alternativen

Seit Mitte Februar baut Weinzierl nun auf eine immer gleiche Grundordnung mit dem immer gleichen Personal. Lediglich im Sturm hat er mal einen Wechsel vorgenommen. Insua zählt zur ersten Elf, Sosa nicht. Verlässlichkeit ist für Weinzierl im Kampf um den Klassenverbleib die oberste Maxime, was auch die Nichtberücksichtigung von Anastasios Donis zuletzt gegen die TSG 1899 Hoffenheim (1:1) bedingte. Bei dem Griechen gilt das Gleiche wie bei Sosa: Weinzierl sieht das Potenzial, aber er zieht andere Alternativen vor, bei denen er genau weiß, was er bekommt – Alternativen, von denen keine Ausrutscher zu erwarten sind. Deshalb setzt der Trainer lieber den wiedergenesenen Routinier Dennis Aogo, der auch im zentralen Mittelfeld spielen kann, als Einwechseloption für Insua anstelle von Sosa auf die Bank.

Der Kroate verfügt zweifelsohne über Talent und einen schönen Flankenball von der linken Seite. Genau wie der im Sommer ebenfalls für viel Geld verpflichtete Rechtsverteidiger Pablo Maffeo hat er nach seinem Wechsel zum VfB aber nicht immer die nötige Professionalität und den richtigen Biss an den Tag gelegt, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Der neue Sportvorstand Thomas Hitzlsperger hat inzwischen das Defizit erkannt, was die (Sonder-)Förderung von begabten Zugängen angeht – und will bald Verbesserungen schaffen, um die Neulinge sportlich besser zu integrieren und schneller an das Leistungsklima in der Bundesliga zu gewöhnen.

Auch darum wird es im anstehenden Gespräch mit Sosa sicher gehen.

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