Die Linke setzt im Bundestagswahlkampf auf ihre alten Kämpfer. Foto: dpa/Oliver Berg

Die Mission Silberlocke der Linkspartei erzählt eine spannende Geschichte, ist aber auch das Eingeständnis eines gescheiterten Generationswechsels, meint unser Berlin-Korrespondent Norbert Wallet.

Die Linke hat einen pragmatischen Weg gefunden, ihre Chancen auf einen Wiedereinzug in den nächsten Deutschen Bundestag zu verbessern. Angesichts konstanter Umfragewerte unterhalb der 5-Prozent-Marke setzt sie nun ganz darauf, mindestens drei Direktmandate zu gewinnen. Das allein würde nämlich bereits die parlamentarische Präsenz garantieren. Dazu bedient sie sich der Hilfe der alten Parteigranden Gysi, Ramelow und Bartsch.

 

Ein Weg, um Aufmerksamkeit zu erzeugen

Das ist eine vernünftige Überlegung. Die Linke hat als kleine Partei nicht die Kraft, ohne weiteres eigene Themen in einem von den politischen Schwergewichten bestimmten Bundestagswahlkampf zu platzieren. Die Geschichte von den drei Silberlocken, die die multimalade Partei noch einmal über die Ziellinie schleppen wollen, ist interessant genug, um der Linken Aufmerksamkeit zu sichern – und damit ein Forum, auch eigene inhaltliche Botschaften zu transportieren.

Die Partei bezahlt einen Preis

Dafür ist die Parteiführung – wohl zurecht – bereit, einen Preis zu zahlen. Denn natürlich schwingt in diesem Projekt auch eine gewisse Peinlichkeit mit, zumindest aber ein doppeltes Eingeständnis. Wenn Köpfe den Wahlkampf bestimmen, die nun schon seit Jahrzehnten das Bild der Linken prägen, dann heißt das im Umkehrschluss ja auch, dass der linke Generationswechsel gründlich misslungen ist. Und es heißt auch, dass die linken Inhalte alleine nicht mehr zugkräftig genug sind.

Das Stellen von Gerechtigkeitsfragen ist unverzichtbar

Immerhin hat die Partei nun einen Weg gefunden, sich eine Plattform zu schaffen, um eine wichtige Frage zu stellen: Kann es gut sein, wenn künftig der parlamentarische Dialog ohne eine originär linke Stimme auskommen müsste? Das beharrliche Stellen von Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen ist für den politischen Prozess schwer verzichtbar. Es wäre bedenklich, wenn diese Funktion nur noch von Links- und Rechtspopulisten übernommen würde.