Die Ankunft der Stadtbahn brachte tausende Menschen auf die Straßen. Foto: privat

Vor dreißig Jahren ersetzten in Fellbach moderne Wagen die alte Straßenbahn. Die erste Stadtbahn wurde am 19. April 1986 mit viel Jubel von den Menschen begrüßt.

Fellbach - Der 19. April 1986 war ein Jubeltag: Wahre Menschenmassen begrüßten die neue Stadtbahn auf der Linie 1, die Chronisten sprechen von rund 130 000 jubelnden Bürgern entlang der 17 Kilometer langen Strecke zwischen Fellbach und Stuttgart-Vaihingen. Und schon das Foto vom Gedränge vor der Luther-kirche lässt erahnen, dass bei der als „Aufbruch in ein neues Zeitalter“ groß gefeierten Premiere an einen Fahrplan mit der regulären Abfahrtszeit nicht zu denken war.

Die Eröffnungstour dauert fast zwei Stunden

Im Gegenteil: Die Eröffnungstour dauerte fast zwei Stunden – Grußworte und Reden hielten ebenso den Betrieb auf wie die feierliche Taufe der neuen Fahrzeuge und der Andrang der Fahrgäste, die sich zum symbolischen Preis von einer Mark ein Ticket sichern konnten.

Die Stadtbahn löste die seit dem 4. Mai 1929 nach Fellbach rollende Straßenbahn ab. Diese Linie hatte zum Aufschwung der kleinen Weinbaukommune, mit gerade mal 9500 Einwohnern als „größter Markt-flecken in Württemberg“ bekannt, entscheidend beigetragen. Auch vor diesem Hintergrund war der damalige Fellbacher Rathauschef Friedrich-Wilhelm Kiel spürbar stolz, dass Fellbach als erste Kommune außerhalb von Stuttgart ans Stadtbahnnetz angeschlossen wurde.

In 23 Minuten zum Stuttgarter Charlottenplatz

Vorbei die Zeiten, in denen sich die „gute alte Straßenbahn“ die Verkehrsfläche mit Autos und Lastwagen teilen musste – und wegen der wachsenden Behinderung durch den motorisierten Verkehr immer öfter Probleme mit der Pünktlichkeit erhielt. Mit dem Bau der Stadtbahn ging’s auf eigenen Gleisen in die Landeshauptstadt, die Fahrzeit von nur 23 Minuten zum Stuttgarter Charlottenplatz und das moderne Wagenmaterial wirkten für die Bürger so attraktiv, dass sich die Fellbacher Einzelhändler wegen der leichten Erreichbarkeit der Konkurrenz zum Stuttgarter Ortstarif um die Treue ihrer Kundschaft sorgten.

Fellbach hatte mit der Linie 1 – das „U“ vor der Liniennummer kam erst im Jahr 1989 hinzu – eine neue Haltestelle an der Schwabenlandhalle bekommen und die Esslinger Straße verlegt. Eine Tunnel-lösung für die Trasse war überlegt, aber aus Kostengründen verworfen worden. Die heutige Endhaltestelle an der Lutherkirche war bei der Eröffnung der Linie noch nicht gebaut. Die Stadtbahn hatte noch so genannte Klapptrittstufen, da nicht alle Haltestellen mit auch in der Höhe angepassten Bahnsteigen ausgestattet waren.

Täglich 8000 Passagiere auf Fellbacher Markung unterwegs

Die oft als Stuttgarter „Urlinie“ bezeichnete Linie 1 – mit einer Pferdebahn auf dem Abschnitt zwischen dem Charlottenplatz und dem Mineralbäder-Halt Berg startete im Jahr 1868 die Geschichte des Stuttgarter Nahverkehrs – ist nach der U6 und der U7 inzwischen die am drittstärksten genutzte Stadtbahnlinie. Etwa 55 000 Fahrgäste nutzen die Strecke täglich. Allein auf dem 1,5 Kilometer langen Abschnitt auf Fell-bacher Markung sind laut Susanne Schupp, Sprecherin der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), mittlerweile täglich annähernd 8000 Passagiere mit der U1 unterwegs.

Drei Jahrzehnte nach der Eröffnung müssen übrigens die Stadtbahngleise im Kreuzungsbereich der Stuttgarter Straße mit der Esslinger Straße erneuert werden. An den Wochenenden 30. April/1.Mai und 7. Mai/8. Mai verkehrt deshalb keine Stadtbahn, ein Ersatzverkehr mit Bussen wird eingerichtet. Mit dem Auto ist auch keine Überfahrt über die Gleise beim Pflanzencenter möglich, der Verkehr von Stuttgart beziehungsweise der Höhenstraße wird über den Stadttunnel geführt. Eine Umleitung erfolgt über die Ausfahrt Waiblinger Straße, den Kreisel Waiblinger Straße/ Bruckstraße und zur Stuttgarter Straße.

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