Essen in Japan ist Thema im Lindenmuseum Foto: Lindenmuseum

Dem mageren Jahr soll wieder ein fettes folgen. Mangels einer Schau mit einem populären Thema sanken 2015 die Besucherzahlen im Lindenmuseum. Dieses Jahr wird das anders werden: Von Oktober an beschäftigt man sich im Völkerkundemuseum mit Essen in Japan.

Stuttgart - Townsend Harris war frustriert. Der erste US-Generalkonsul in Japan hatte die Nase voll von Reis und Fisch. Er wollte ein Steak essen, gerne blutig. Er brachte seine Bitte mit solchem Nachdruck vor, dass man ein Rind für ihn schlachtete. Das war anno 1856. Die Bauern waren geschockt, sie versteckten ihre Tiere vor dem Barbaren. Denn es war das erste Rind, dass in Japan „für den menschlichen Verzehr getötet“ wurde. So steht es auf einem Denkmal, das 1931 in Tokyo die Metzger haben errichten lassen. Es heißt im Volksmund: „Der Tempel der geschlachteten Kuh.“

Das Denkmal konnte man nicht nach Stuttgart verfrachten, doch wacht dort immerhin ein leibhaftiger Reisgott aus Stein. Inari heißt er und wohnt schon lange am Hegelplatz im Stuttgarter Westen. Jetzt bekommt er eine prominente Rolle, wie auch andere Stücke aus der Sammlung des Museums bei der Sonderausstellung „Oishii! Essen in Japan“ vom 15. Oktober bis zum 23. April 2017. Oishi? heißt als Frage: „Schmeckt es?“, und wenn man antwortet „Oishi!“, dann sagt man: „Es schmeckt!“

Wie schmeckt Japan? Das will das Lindenmuseum erkunden. Und dabei natürlich nicht den japanischen Restaurants der Stadt Konkurrenz machen, sondern ergründen, wie das Land und die Kultur das Essen prägen, aber auch wie das Essen die Kultur und das Land prägen. Natürlich fällt einem bei Japan sofort Sushi und grüner Tee ein. Die Globalisierung hat diese traditionellen Lebensmittel zum Allgemeingut in der ganzen Welt gemacht – und zum Kosmetikprodukt: Mit grünem Tee kann man sich das Gesicht eincremen und die Haare waschen.

Sushi: Früher warf man den Reis weg

Das Sushi, das wir heute kennen, Reis mit Essig gesäuert und Fisch und Algen umwickelt, hat mit dem Sushi der Vergangenheit wenig zu tun. Früher nutzten die Japaner den Reis, um den Fisch haltbar zu machen. Sie salzten den Fisch, umhüllten ihn luftdicht mit Reis, so blieb der Fisch haltbar. Den Reis warf man weg, er war sauer geworden. Später aß man den Fisch schneller, der Reis war zwar säuerlich, aber genießbar. Nach und nach entwickelte sich so das Sushi, das man heute im Supermarkt auf der Alb kauft.

Natürlich wird auch der Walfang ein Thema sein, ebenso die Bentoboxen, die Vesperboxen, mit ihren kunstvoll verzierten Speisen. Und die Ama, jene Frauen, die nach Meeresfrüchten tauchen. Meerestiere durfte man schon immer essen. Die buddhistischen Mönche hatten im siebten Jahrhundert zwar ein Tötungsverbot für Vierbeiner erlassen. Was mehr oder weniger Beine hatte, wurde aber verspeist. Und 1873 erlaubte man den Verzehr von Fleisch.

Die Welt es Schattentheaters

Derzeit läuft im Lindenmuseum noch die Ausstellung „Die Welt des Schattentheaters“. Ein sperriges Thema. Was sich auch an der Besucherzahl ablesen lässt. 2014 waren 115250 Besucher gekommen, 2015 nur noch knapp 83 000. Was vor allem daran lag, dass 2014 die Inkaschau die Gäste anlockte. Direktorin Inés de Castro: „Wir können nicht nur Themen ausstellen, die Blockbuster sind.“ Man wolle auch die eigene Sammlung in den Mittelpunkt stellen, von der man ohnehin nur drei bis fünf Prozent zeigen könne. Auch wenn das bedeutet, dass nicht immer die Massen strömen. Mit der Japan-Ausstellung hat man nun wieder eine Schau, von der man ausgehen kann, dass sie dem Publikum mundet. Oishi? Oishi!

Am Sonntag, 14. Februar, zeigt am Sonntag der Istanbuler Karagöz-Spieler Cengiz Özek sein Schattentheater mit Aufführungen um 14 Uhr und 17 Uhr. Eintritt: 7 Euro, 4 Euro für Kinder. reservierungen unter 07 11 / 20 22 - 444, E-Mail: anmeldung@lindenmuseum.de

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