Jan Vogel in seiner Keltenkluft, der Vereinsvorsitzende nennt sich Ratos Uros, „der sanfte Auerochse“. Foto: Gottfried Stoppel

Mehrere hundert Gewandete kommen am langen Pfingstwochenende nach Großerlach zum Limesmarkt. Jan Vogel und sein Verein für historisches Handwerk und lebendige Geschichte erwarten 7500 Besucher.

Großerlach - Jan Vogel hatte schon als kleiner Bub ein Faible für die Antike und die Frühgeschichte. Mit drei Jahren habe er sich mit Begeisterung über die Ritter- und Wikinger-Ausmalbilder hergemacht, die ihm die Mutter gekauft hatte. „Verkleidet habe ich ich aber fast nie, auch kaum an Fasching“, erzählt der 36-jährige Maurermeister auf Nachfrage. An diesem Tag kurz vor Pfingsten aber trägt Vogel Keltenkluft.

Der Vorsitzende des Vereins für historisches Handwerk und lebendige Geschichte ist ein gefragter Mann, denn am Freitag (7. Juni) um 18 Uhr beginnt am Ortsrand von Großerlach-Grab auf einer großen Wiese der Limesmarkt, den der Klub veranstaltet. Erwartet würden 600 Teilnehmer und 7500 Besucher, mindestens. Viele Aussteller sind schon seit Mittwoch vor Ort und stellen ihre Zelte auf.

Lernen Schüler genug über diesen Abschnitt der Geschichte?

Jan Vogel nennt sich Ratos Uros, „der sanfte Auerochse“, und sagt, anno dazumal sei das Leben der Menschen „ganz anders getaktet gewesen“. Die Leute hätten sich nach dem Tageslicht gerichtet, nicht nach der Uhr am Armband. Würde Vogel denn gerne in der Zeit der alten Kelten leben, also mehrere Jahrhunderte vor Christus? „Für einen kurzen Besuch schon“, sagt Vogel, denn „ich würde gerne sehen wie es damals war“. Heute indes sei das Leben definitiv besser. Manch ein Altertumsfreund hingegen glorifiziert die Vergangenheit – das kann Vogel nicht nachvollziehen. Er nennt nur zwei Stichworte: Gesundheitssystem, Bildung.

Ratos Uros kritisiert aber, dass die Schüler im Unterricht kaum etwas lernten über diese „interessanten Epochen“ der eigenen Geschichte. Klar, von den Römern habe wohl jedes Schulkind etwas mitbekommen, aber von den Kelten? Er selbst sei erst von ein paar Jahren über eine Fernsehdokumentation auf die Kelten gestoßen – und war ganz begeistert. So wie damals, als er die Ritterbilder ausgemalt hat. Anschließend hat sich der Maurermeister, der in Großerlach-Neufürstenhütte wohnt, auf die Suche gemacht. Das Keltenmuseum in Hochdorf zigmal besucht.

Später hat sich Vogel dann mit ein paar Gleichgesinnten zusammengetan, die Truppe hat 2017 erstmals den Limesmarkt in Grab auf die Beine gestellt. Der Verein mit Sitz in Neufürstenhütte ist erst vor rund einem Jahr gegründet worden. Mit von der Partie ist auch der Schwäbische Waldschrat Sven Vollbrecht, er wird beim Limesmarks als altertümlicher Steinmetz auftreten.

Viele Aussteller sind laut Vogel Profis, man könnte also sagen: sie haben die Berufung zum Beruf gemacht. Die Veranstalter versprechen den Gästen mittelalterliche Mahlzeiten und Vorführungen der Handwerker, etwa Bronzegießen und Weben, Schmieden und Spinnen. Gezeigt würden auch Übungs- und Schaukämpfe der verschiedensten Epochen, der Römer, Kelten, Ritter und Wikinger. Die Teilnehmer kämen aus vielen Ecken Europas, sagt Jan Vogel, etwa auch Frankreich und der Schweiz. Die weiteste Anreise dürfte ein Mittelalterfreund aus Sizilien haben, der mit dem Auto anreise.

Ein bisschen Komfort für die Gewandeten darf sein

Die Besucher und die Aussteller sollen sich zwar zurückversetzt fühlen in alte Zeiten. Auf einigen neuzeitlichen Komfort indes müssen sie nicht verzichten. Mitten in der Zeltstadt stehen ein paar Dutzend Dixi-Toilettenhäuschen. Und wer mag, der könne zum Duschen in die Schwalbenflughalle gehen. Der Vereinsvorsitzende sagt, er werfe sich geschätzt 20-mal im Jahr in seine Keltenkluft – und er arbeitet übriges nicht mehr als Mauermeister, was auch einem Bandscheibenvorfall geschuldet sei. Jan Vogel ist up to date: Er ist bei einer Firma beschäftigt, die landesweit Verteilerkästen für schnelles Internet aufstellt.

Der historische Limesmarkt in Großerlach

Der Limesmarkt am Ortsrand von Großerlach-Grab beginnt am Freitag, 7. Juni, um 18 Uhr. Am langen Pfingstsamstag, – sonntag und -montag beginnt das Markt-treiben schon um 11 Uhr.

Der Eintritt kostet fünf Euro. Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre kommen ohne zu bezahlen auf das Gelände.

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