Nach den Lockdownphasen erschweren Lieferengpässe den Kfz-Betrieben im Kreis Esslingen das Geschäft. Auch Gebrauchtwagen sind kaum mehr verfügbar.
Kreis Esslingen - Der Chip- und Bauteilemangel vermiest den Autohäusern im Kreis Esslingen das nach den Corona-Lockdowns wieder angelaufene Geschäft. Nach Angaben der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart wurden in diesem Juli 1767 Autos im Landkreis neuzugelassen, ein Jahr zuvor waren es 2081 – das entspricht einem Rückgang von 15 Prozent. „Eine Hauptursache ist der Chipmangel, sprich das Fehlen elektronischer Bauteile“, sagt Christian Reher, Geschäftsführer der Innung.
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Die Lieferschwierigkeiten gebe es bei allen Fahrzeugtypen und Herstellern, erklärt Jens Voit. Er ist Gesamtverkaufsleiter beim Autohaus Fischer, ein Renault- und Dacia-Vertragshändler mit Filialen in Esslingen, Nürtingen und Süßen (Kreis Göppingen). „Es ist nicht so, dass gar nichts verfügbar ist, aber nur sehr wenig“, berichtet Voit. Am extremsten sei die Lieferfähigkeit derzeit aber bei Transportern strapaziert. „Die Handwerker haben volle Auftragsbücher“, erklärt der Gesamtverkaufsleiter diesen Umstand. Die Kunden nehmen es sportlich. „Ich hätte mehr negative Reaktionen erwartet“, gibt Voit zu. Vielen seien die Ursachen für das lange Warten bekannt – und der Konkurrenz im Autohandel gehe es auch nicht anders.
Dem Gebrauchtwagenmarkt fehlt Nachschub
Wer heute einen Neuwagen kauft, müsse je nach Modell bis ins zweite Quartal 2022 warten, sagt Friedrich Maier, Geschäftsführer bei Russ Jesinger, Mercedes-Händler mit Standorten in Nürtingen, Esslingen und Dettingen. „Wir haben einen riesigen Auftragsbestand, aber können nicht liefern“, konstatiert er. „Also fehlt Geld in der Kasse.“ Nachdem das Geschäft im ersten Halbjahr 2021 gut gelaufen war, geht Maier derzeit von einem Umsatzrückgang im Gesamtjahr von 20 Prozent aus – aufgrund der unsicheren Entwicklung der weltweiten Lieferketten allerdings eine Prognose mit großem Vorbehalt, wie Maier deutlich macht. Er fürchtet, dass die Lieferschwierigkeiten bis Mitte nächsten Jahres andauern.
Die Lieferengpässe von Neuwagen wirken sich auch auf das Geschäft mit Gebrauchtwagen aus, dem der Nachschub fehlt. Im Kreis Esslingen wurden im Juli 4189 gebrauchte Autos bei den Zulassungsstellen umgeschrieben – der Innung zufolge 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dabei sei die Nachfrage nach Gebrauchtwagen in der gesamten Pandemie gestiegen, erklärt Frank Schnierle, der Kreisvorsitzende der Innung. „Die Höfe der Gebrauchtwagenhändler sind weitgehend leer, beziehungsweise werden derzeit leer gekauft“, so Schnierle, der auch Geschäftsführer des Autohauses Jesinger ist.
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KfZ-Betriebe fürchten massive Einbußen
In den Kfz-Werkstätten bemerkt der Kreisvorsitzende dagegen eine Erholung, nachdem in den Lockdownphasen die Aufträge zurückgegangen waren. Und trotz Pandemie und Lieferengpässen musste seines Wissens bislang kein Innungsbetrieb im Kreis Esslingen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgeben. Existenzbedrohend seien die Lieferengpässe derzeit nicht – wobei das von der jeweiligen Aufstellung des Unternehmens abhängig sei. „Aber die Betriebe werden es am Ende des Jahres spüren und massive Einbußen verzeichnen“, so Schnierle.