Der Liederkranz Glashütte feiert sein 125-Jahr-Jubiläum. Wie so viele Männerchöre leidet das Ensemble unter Sängermangel. Für die wenigen, die verblieben sind, ist der Liederkranz ein nicht wegzudenkender Teil ihres Lebens.
„Am schönsten klingt ein frohes Lied“ – so hieß das Stück, das die Sänger des Glashütter Liederkranzes bei ihrer ersten Aufführung zum Besten gaben. Die fand im Jahr 1900, ein Jahr nach ihrer Gründung, bei der Fahnenweihe in Kemnat statt. Sicherlich bringt dieses Lied auf den Punkt, was den Männerchor damals wie heute vereint: die Freude am gemeinsamen Musizieren. „Im Vordergrund war das Singen“, bestätigt Ulrich Bühl, der Vorsitzende des Vereins, und fügt an, dass die Männer sicherlich die Geselligkeit schätzten – auch mangels Alternativen. „Der Liederkranz war damals in Glashütte der einzige Verein“, weiß Bühl. Nach den Proben seien die Herrschaften immer in den „Grünen Baum“ gewechselt, eine Dorfkneipe, die es heute nicht mehr gibt.
Etwas mehr als 30 Männer waren es, die 1899 dem Liederkranz beitraten. Möglich war die Gründung geworden, weil die Glashütter ein Jahr zuvor die Dorfschule gebaut und somit nun eine Stätte für ihre wöchentlichen Proben hatten. Der Chorleiter, der die Sänger dirigierte, war viele Jahrzehnte lang stets der jeweilige Lehrer, der im Schulhaus wohnte.
Was sich seit der Gründung vor 125 Jahren nie verändert hat: In dem Glashütter Ensemble singen ausschließlich Männer. „2025 nehmen wir vielleicht Frauen auf“, sagt der Ehrenvorsitzende August Reebmann und lacht. Ernst meint er das nicht, der Männerchor ist halt ein Männerchor. Immerhin, sagt er und zeigt ein altes Foto, seien 1924 beim 25-Jahr-Jubiläum die Frauen und Töchter der Sänger voranmarschiert und hätten die Vereinsfahne hochgehalten. Aus dem Archiv holt Reebmann eine Schmuckschleife hervor, auf der gestickt steht: „Zum 25-jährigen Jubiläum gestiftet von den Frauen und Jungfrauen“. Offenbar goutierten die Damen das musikalische Hobby ihrer Männer – anderes ist zumindest nicht überliefert.
Reebmann ist 1960 in den Liederkranz eingetreten. „Zwei Tage, nachdem ich meinen Führerschein gemacht habe, musste ich.“ Musste? Der 82-Jährige überlegt: War es „dürfen“ oder „müssen“? Doch, er bleibt dabei, freiwillig war es nicht. „Es war üblich. Die Väter haben ihre Söhne mitgebracht.“ Der Musikalischste sei er nicht – „ich lerne das Singen“ –, aber er schätze die Gemeinschaft. „Du und ich, wir sind immer die Letzten, die gehen“, sagt er an Bühl gewandt.
Bei Bühl, einem „zugezogenen Waldenbucher“, war das freilich anders, als er 2002 dem Verein beitrat. Doch wenn es auch nicht sein Vater war, der ihn zum Singen zwang, so war doch auch sein Start nicht ganz freiwillig, erzählt der 77-Jährige. Er sei von der Leiterin der Theatergruppe, die einige Jahrzehnte lang zum Liederkranz gehörte, eingeladen worden. „Sie hat mich persönlich daheim abgeholt, damit ich auch wirklich komme“, sagt er und ist sehr glücklich über die damalige Nötigung. „Der Chor ist Teil des Lebens geworden“, sagt Bühl.
Männerchöre ringen um Mitglieder
Dass heute nur noch sieben Männer im Liederkranz singen, bedauern beide Vorsitzende. Seit 2010 seien es sukzessive weniger geworden. In der Jubiläumswoche wollen sie auf den Friedhof gehen und die Gräber jener Mitglieder schmücken, die in den vergangenen 25 Jahren verstorben sind. „Das sind 20 Sänger“, sagt Reebmann. Warum schrumpfen Chöre landauf, landab und insbesondere Männerchöre? Vergangenes Jahr haben sich die Liederkränze Schönaich und Sindelfingen aufgelöst, Traditionsensembles mit teils mehr als 170-jähriger Geschichte. „Wir haben es nicht hinbekommen, unsere eigenen Söhne mitzubringen“, sagt Bühl. Sicher sei es auch dem Zeitgeist geschuldet, dass junge Menschen sich weniger in Vereinen binden. Aber es liege auch an dem, was gesungen wird. „Die Literatur für Männerchöre ist sehr traditionell. Unsere Söhne würden das nicht singen“, sagt Reebmann. „Und was die singen würden, wollen wir nicht. Da kommen wir nicht zusammen, da gibt’s kein Weiter.“
Gleichwohl wollen beide Männer den Liederkranz so lange wie möglich weiterführen. Große Auftritte planen sie nicht mehr, aber zur Jubiläumsfeier am Wochenende werden sie auftreten und einige Lieder schmettern, aus ganzem Herzen.
Programm am Wochenende
Samstag
Los geht es um 15 Uhr mit einem Festakt und anschließender Hocketse mit Fassanstich auf dem Forum Sängertreppe am Schulhaus Glashütte, Hauptstraße 18. Zwischen den Reden wird der Liederkranz fünf verschiedene Lieder aufführen. Es gibt Essen vom Grill und Getränke.
Sonntag
Beginn ist um 11 Uhr am Schulhaus Glashütte mit einem Weißwurstfrühstück. Die Stadtkapelle Waldenbuch spielt auf. Gegen 15 Uhr tritt der Liederkranz auf.
Montag
Von 18 Uhr an wird im Schulhaussaal eine Bildergalerie aus 125 Jahren Liederkranz Glashütte gezeigt sowie Bilder und Videos aus 40 Jahren Theatergruppe.