Pianist Dejan Lazic sollte eigentlich im Dezember mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Liederhalle spielen. Foto: Susie Knoll

Dejan Lazic wurde in Zagreb in eine Musiker-Familie geboren. Aufgewachsen ist er in Salzburg, wo er am Mozarteum Klarinette, Klavier und Komposition studierte. Im Dezember wäre der Pianist und Mozart-Kenner eigentlich in der Stuttgarter Liederhalle zu Gast gewesen.

Zum Glück hat Wolfgang Amadeus Mozart sein Klavierkonzert A-Dur (KV 414) so geschrieben, dass es in unterschiedlichen Besetzungen aufgeführt werden kann: mit Streichorchester, Oboen, Hörnern und Fagott, nur mit Streichorchester – oder auch nur mit vier Streichern. Und ein Solopianist muss natürlich immer mit dabei sein. Natürlich hatte Mozart nicht an die Ansteckungsrisiken während einer Pandemie gedacht, als er 1782 dieses Klavierkonzert schrieb. Vielmehr passte er sich an die damaligen Bedingungen an: Er komponierte nicht in erster Linie für Orchester mit fest angestellten Musikern, sondern oft auch für Adlige, die Musikliebhaber waren und gerne mit anderen musizierten, die ad hoc greifbar waren.

Die Konzerte fanden entsprechend in den Salons in einem eher privaten Rahmen statt. Daher konnte es sehr nützlich sein, eine Komposition auf unkomplizierte Weise den aktuellen Gegebenheiten anpassen zu können.

Mozart belgleitet Dejan Lazic seit seiner Kindheit

All das und viel mehr noch erzählt Dejan Lazic. Mozart begleitet ihn, wie so viele Musiker, bereits seit seiner Kindheit. Was seiner Begeisterung für diesen Komponisten keinen Abbruch tut – im Gegenteil. „Mit Mozart kann man sich ein Leben lang beschäftigen“, sagt er.

Denn Mozart hat zeitlebens das Kunststück beherrscht, seine Musik scheinbar so einfach zu gestalten, dass selbst Kinderhände sie leicht auf Instrumenten spielen können und das Zuhören auch ohne musikalische Vorkenntnisse leicht ist. Zugleich ist sie so komplex und besitzt so viel Tiefe, dass auch Kenner große Freude daran haben. Darin liegt sein Genie. „Das konnte er tatsächlich vereinen“, sagt der 43-jährige Pianist.

Wie kompliziert diese scheinbare Einfachheit herzustellen ist, hat Lazic selbst erfahren, als er im Rahmen seines Kompositionsstudiums einmal acht Takte „im Stile Mozarts“ schreiben sollte. „Das war viel schwieriger, als zum Beispiel acht Takte im Stile von Richard Strauss oder Igor Strawinsky“, sagt er. Er weiß: Wenn man in einer Mozart-Komposition eine Phrase verändert, dann fällt alles auseinander.

Lazic komponierte sogar eine sinfonische Dichtung über Mozart und Salieri

Viel hat sich Lazic mit dem illustren Maestro beschäftigt, auch als Klarinettist, denn auch auf diesem Instrument ist Lazic ein Meister. Er hat seine Briefe gelesen und sich in dessen Lebenszeit vertieft. Lazic hat sogar eine sinfonische Dichtung über Mozart und Salieri nach dem gleichnamigen Versdrama von Alexander Puschkin komponiert.

Das kommt nicht von ungefähr: Miloš Formans Film „Amadeus“ war seinerzeit mit ausschlaggebend, dass der junge Lazic sich dazu entschied, Pianist zu werden. Mozarts Lebenswelt ist ihm, soweit das eben über 200 Jahre später möglich ist, vertraut. Deswegen spielt er auch eigene Kadenzen, eine interpretatorische Freiheit, zu der Mozart ausdrücklich ermunterte.

Gerade zum Klavierkonzert A-Dur weiß der in Kroatien geborene und aktuell in Amsterdam lebende Künstler noch so manches zu erzählen: zum Beispiel, dass A-Dur die Tonart ist, in der Mozart seine Liebesarien schrieb. Oder dass sich in den Werken für Klavier oft die dramatischen Charaktere wiederfinden, die seine Opern bevölkern. Auch darin liegt übrigens ein gutes Stück der Faszination, die Mozart ungebrochen auf den heutigen Berufsmusiker ausübt: „Er hat in seinem kurzen Leben so viel geschaffen. Und er war einer der wenigen Komponisten, die wirklich in jedem Genre genial waren, egal ob Oper, Konzert, Sinfonie, Kirchen- oder Kammermusik.“

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