Die Ensembles der Gaechinger Cantorey eröffnen die Saison der ersten Abonnementkonzerte der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Am 6. Oktober wird die Musik von Johann Sebastian Bach und Jan Dismas Zelenka in der Liederhalle gespielt. Foto: Martin Förster

Im ersten Abonnementkonzert der Internationalen Bachakademie Stuttgart in der Liederhalle eröffnen am 6. Oktober Hans-Christoph Rademann und die Ensembles der Gaechinger Cantorey die Saison mit Musik von Johann Sebastian Bach und Jan Dismas Zelenka. Da ist politisch wie historisch "Musik drin".

Ein sächsisches Kurfürstenpaar, die polnische Königswürde und zwei Konfessionen: Im Spannungsfeld von Religion, Macht und Politik entstanden Bachs Trauerode für die protestantische Kurfürstin Christiane Eberhardine und das Requiem des katholischen Dresdner Hofkomponisten Jan Dismas Zelenka für ihren Mann: Der sächsische Kurfürst August „der Starke“ wurde 1697 katholisch, um sich die polnische Krone zu sichern, obwohl sein Stammland Sachsen protestantisch war.

Seine beliebte Kurfürstin Christiane Eberhardine blieb jedoch treu lutherisch und hat zeitlebens polnischen Boden nicht betreten. So erlebte Sachsen damals eine Glaubensspaltung, die viele Menschen von ihren Fürsten entfremdete und Dresden zwei verschiedene Musikkulturen brachte: eine protestantische und eine katholische.

Bachs Trauerode

Bach komponierte 1727 für den Leipziger Trauerfestakt zum Tode der Kurfürstin die Trauerode "Lass Fürstin, lass noch einen Strahl" (BWV 198). Im Eröffnungschor drückt Bach die Hemmung aus, sie endgültig zu verabschieden, indem er auf ungewöhnliche Weise die Harmonien verzögert. Zehn Takte lang vermeidet er zum Beispiel die Rückkehr zur Tonika durch Verzögerungstechniken wie den "neapolitanischen Sextakkord", der als Ausdruck von Schmerz gilt. Das Wort „Strahl“ wird in aufsteigenden Tönen gesungen, "Tränen" dagegen in fallenden Tonkaskaden.

Zelenka: Komponist für Kirchenmusik

Als August sechs Jahre später in Warschau starb, schrieb der Böhme Jan Dismas Zelenka, der seit zwölf Jahren katholische Kirchenmusik am Dresdner Hof komponierte, das Requiem D-Dur (ZWV 46) für ihn. Auffälligster Gegensatz zu Bachs Trauerode mit einem rein weltlichen Text: Die Bezüge zu Erlösung und Auferstehung und die fast fröhliche Grundstimmung der Dur-Tonart sogar beim "Dies irae", das sonst meist eher düster-bedrohlich klingt.

In diesem Konzert gehen Werke zweier Musiker dramaturgisch "Hand in Hand", die sich kannten und schätzten. Darüber und über die kulturhistorischen Hintergründe sprechen Prof. Dr. Meinrad Walter und Dr. Henning Bey begleitend zum Konzert am 3. Oktober um 19 Uhr beim Musikalischen Salon im Hospitalhof.

Trauermusiken: 6. Oktober, 19 Uhr, Liederhalle, 07 11 / 6 19 21 61 und online

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