Das Adam Baldych Quartett Foto: Kasia Stanczyk

"Zweifellos der größte lebende Geigentechniker des Jazz.“ Das schreibt der Musikwissenschaftler Ulrich Olshausen über den polnischen Jazz-Geiger Adam Baldych. Ob Olshausen Ahnung hat, lässt sich bald überprüfen: Am 29. Juni tritt Baldych gemeinsam mit dem Stuttgarter Kammerorchester in der Liederhalle auf.

Im Grunde kann man’s aber schon verraten: Olshausen weiß schon, was er schreibt! Der Abend im Mozart-Saal dreht sich um Baldychs Werk „Mosaic“. Auf der Suche nach der musikalischen Essenz diverser Kulturen schrieb er dieses imaginäre Gespräch zwischen Kulturen, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch jüdische, lemkische, polesische und deutsche Zuwanderer in die Region Westpommern kamen. Komponiert wurde „Mosaic“ für Streichorchester, Klavier, Kontrabass, Percussion und natürlich für die von Baldych selbst gespielte Solovioline. Klassische Musik, Volksmusik, Jazz – ein Mosaik der Kulturen.

Wunderkind der Violine

Der 33-Jährige galt in der Heimat als Wunderkind an der Violine. Seit dem neunten Lebensjahr ging er zur Musikschule. Ihn begeisterten Rachmaninow, Tschaikowsky und Chopin. Vergessen wird meist, dass die Geige stets auch in der Unterhaltungsmusik zum Einsatz kam, ob nun beim Walzer in Wien oder als Fiedel in der irischen Folkmusik. Obwohl Baldych also zur großen Klassikhoffnung avancierte, wechselte er als 13-Jähriger zum Jazz. Pubertärer Trotz womöglich? Egal! Es war die richtige Entscheidung. Mit 16 Jahren führten seine Konzerte ihn durch Europa und Asien. Das Jazz-Studium an der Musikakademie Kattowitz schloss er schließlich mit Auszeichnung ab, woraufhin er ein Stipendium fürs Berklee College of Music in Boston erhielt. Wer weiß, wohin ihn sein Weg geführt hätte, hätte er sich nur der Klassik gewidmet.

Nachdem er als Jugendlicher also gegen die Klassik rebellierte, scheint er nun als Erwachsener wieder zu ihr zurückzufinden. Die Heldenreise führt den Helden ja auch stets zurück in die alte Heimat. Doch Baldychs Reise ist noch lange nicht zu Ende. Famos, dass sie ihn nun nach Stuttgart führt.

Adam Baldych und das SKO: 29. Juni, 19 Uhr, Liederhalle, Tickets 0 18 06 / 70 07 33 oder online

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