Harald Schmidt auf der Bühne in Köln Foto: dpa

Harald Schmidt über sein weiteres Engagement im Schauspiel Stuttgart und Stuttgart 21.

Stuttgart - Harald Schmidt bleibt Stuttgart als Schauspieler erhalten: An diesem Samstag ist er im Beethovensaal der Liederhalle als Schauspieldirektor in Wolfgang Amadeus Mozarts gleichnamigem Singspiel mit dem Ensemble Concerto Köln zu erleben.


Herr Schmidt, der Auftakt dieser Tournee verlief ziemlich holprig, die ersten Stationen wurden abgesagt. Wie hat sich denn die Tournee inzwischen entwickelt?

Sehr gut, wir hatten tolle Vorstellungen in Düsseldorf und Frankfurt, es kamen so viele Zuschauer, wie wir kalkuliert haben, also zwischen 800 und 1000 Zuschauern. Der Auftakt war ja ein Auftritt vor etwa einem Jahr zum 25-Jahr-Jubiläum des Orchesters. Das war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung in der Kölner Philharmonie, da entstand die Idee für diese Tournee. Inzwischen habe ich meinen Text natürlich aktualisiert.

Was lief dann schief am Anfang?
Das war absolut dilettantisch vom Veranstalter organisiert: Die Hallen waren viel zu groß, die Eintrittspreise astronomisch hoch. Das war klar, dass das nicht funktionieren konnte. Als ich später gesehen habe, was da verlangt wurde, bin ich erst mal beinahe vom Stuhl gefallen.

Sie spielen hier ja nicht die historische Fassung, sondern haben den Text aktualisiert. Haben Sie viel Raum für Spontanes gelassen?
Nein, der Text ist festgelegt. Ich orientiere mich schon an der Vorlage, indem ich deren Geist in die heutige Zeit transportiere. Der Theaterbetrieb, wie er zu Mozarts Zeiten lief, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Aber es gibt schon einige Variationen von Stadt zu Stadt, ich will auch offen bleiben, um auf Aktuelles eingehen zu können.

Aber wirkt dieser Geist nicht auch schon ziemlich verstaubt?
Der Geist ist überhaupt nicht verstaubt, im Gegenteil, er ist noch ganz frisch und eigentlich identisch. Lediglich die Art, wie es damals textlich umgesetzt wurde, trägt heute nicht mehr.

Was stellen Sie sich unter Aktualisierungen vor?
Da fällt einem zu Stuttgart natürlich einiges ein. Denken Sie nur an die verzögerte Wiederaufnahme des Spielbetriebs des Staatsschauspiels in dem renovierten Schauspielhaus. Ich werde da jetzt nichts vorwegnehmen, aber mein Auftritt fällt ja in das Eröffnungswochenende des Staatsschauspiels. Da mache ich ja auch mit in Form von Gesprächen mit Intendant Hasko Weber und dem geschäftsführenden Intendanten Mark-Oliver Hendriks. Da hat uns die Theater­geschichte einen schönen Zufall beschert.

Wie gehen Sie mit diesen Verzögerungen um?
Ich bin da ja nur Gast, habe nichts direkt ­damit zu tun. Aber ich bin davon überzeugt, dass sie die Eröffnung bravourös hinbekommen. Sie haben schon in der Türlenstraße ­bewiesen, dass sie glänzen, wenn sie improvisieren müssen. Insofern mache ich mir da ­keine Sorgen.