Ein besonderes Kleinod ist die Maske aus einer Walnuss-Schale. Foto: Lg/Leif Piechowski

Für Johanna Eder verbirgt sich hinter der Miniaturfratze eine ganz besondere Geschichte über ihre Mutter. Diese hat die Walnuss-Maske einst als Geschenk erhalten, nachdem sie ein dramatisches Ereignis überlebt hatte.

Stuttgart - Die Maske aus einer halben Walnussschale und Haaren aus Fell wird gut verwahrt in der Kiste mit dem Weihnachtsschmuck von Johanna Eders Familie in Österreich. „Sie hat bei uns eine große Bedeutung“, sagt die Direktorin des Naturkundemuseums. Die kleine Maske hat das stolze Alter von 75 Jahren und gehörte Johanna Eders Mutter. Die studierte während des Zweiten Weltkriegs Medizin in Innsbruck und dort gab es zwar immer wieder Fliegeralarm, aber glücklicherweise fielen nie Bomben auf die Stadt. Deshalb nahmen die Leute den Alarm mit der Zeit nicht mehr so richtig ernst.

Die erste Bombe auf Innsbruck

So war es auch am 10. Dezember 1943 als die Studentin wieder einmal mit ihrem Fahrrad unterwegs war. Der Bombenalarm dröhnte und sie fuhr deshalb zur Wohnung einer Freundin, lehnte das Rad an die Hauswand und stand im Treppenhaus vor verschlossener Tür, denn die Freundin war nicht zu Hause. Just in diesem Moment fielen tatsächlich die ersten Bomben auf die Stadt – und eine auf das Haus, in dem die Mutter stand. „Das Treppenhaus gab es danach nicht mehr. Meine Mutter wurde verschüttet“, weiß Johanna Eder aus Erzählungen. Zufällig geriet die Mutter in einen Hohlraum und hatte so Luft zum Atmen. Als die Freundin zurückkehrte, sah sie das Fahrrad und kämpfte vehement darum, dass nach der jungen Frau in den Trümmern gesucht wurde. Schwer verletzt wurde sie geborgen und die Freundin hatte ihr später bei einem Besuch im Krankenhaus die selbst gebastelte Maske aus der Nussschale mitgebracht. Seither ist sie für die Familie ein Symbol für das zweite Leben von Johanna Eders Mutters.

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