60 Waiblinger geben ihre Lieblingsplatte preis. Foto: Gottfried / Stoppel

In der Kunstschule Unteres Remstal sind die Lieblingsplatten von 60 Waiblingern zu sehen – als Ergänzung zur Ausstellung Cover Art.

Es gibt wahrscheinlich nur wenig Ausstellungen, die schon im voraus auf so viel Begeisterung gestoßen sind wie diese: Die Frage nach der Lieblingsplatte, sagt Hansjörg Thomae, habe durchweg höchst emotionale Reaktionen ausgelöst. Und auch das Interesse bei der Vernissage am Freitagabend war groß. Etwa 60 Zuhörer waren in die Kunstschule gekommen, um sich die Ausstellung samt Filmpremiere anzuschauen.

 

Die Reaktion war immer die gleiche: Große Begeisterung

Als die Pläne für die Schau mit den Werken berühmter Cover-Künstler in der Galerie Stihl reiften, da stand für den Förderverein sofort fest: er würde parallel in einer kleinen Begleitausstellung die Lieblingsplatten von Waiblingern zeigen. Die Mitglieder begannen herumzufragen, und stießen überall auf Begeisterung. Keiner der Angesprochenen sagte ab, auch wenn dem einen oder anderen die Entscheidung zwischen mehreren Lieblingsplatten schwer fiel. Alle stiegen in den Keller oder auf den Dachboden, ins alte Jugendzimmer bei den Eltern oder ins eigene Archiv – und gingen dort auf musikalische Entdeckungsreise in der eigenen Vergangenheit. Und das erstaunlichste dabei ist: Keine einzige Platte wurde im Lauf der Recherche doppelt genannt. In der Hauptschau der Galerie gehe es um die Record Artists, sagt Juliane Sonntag vom Vorstand des Fördervereins. „Bei uns dagegen geht es um die Musik, die im Cover steckt.“ Die zufällige Auswahl habe einige wunderbare Geschichten zutage gefördert, schwärmt sie. Und die Bandbreite der Musikstile ist groß – sie reicht von Heintje bis Alice Cooper, von den Fantastischen Vier bis zu Joan Baez.

Ex-Oberbürgermeister Andreas Hesky verrät eine schöne Geschichte

Mitgemacht haben nicht nur der frühere Oberbürgermeister Andreas Hesky, der eine der romantischsten Anekdoten der Ausstellung liefert, und sein Nachfolger, der aktuelle Amtsinhaber Sebastian Wolf. Auch die SPD-Politikerin und frühere Landesministerin Katrin Altpeter hat in ihrer Plattensammlung gekramt, genau wie die Opernsängerin Melanie Diener und der Olympiasieger Dieter Baumann, der von 1987 an drei Jahre beim VfL Waiblingen trainierte. Seltene Cover aus den Sammlungen von Saxofonist Peter Bühr und Hans-Jörg Maier vom Jazzclub Armer Konrad in Weinstadt ergänzen die Schau.

Müsste Hansjörg Thomae seine Arbeit an der Ausstellung mit einem Plattentitel zusammenfassen, dann wäre es wohl „Blood, Sweat and Tears“. Er habe einige Schweißtropfen vergossen, denn das letzte Cover traf am Morgen der Eröffnung ein. Spaß gemacht habe ihm das Projekt aber trotzdem, sagte er. Was auch daran liegt, dass Thomae mit seinen Mitstreitern einen kleinen Dokumentarfilm darüber gedreht hat, wie eine Schallplatte entsteht. Dreieinhalb Jahre dauerte es von der Idee bis zur Premiere. Hätte er zu Beginn gewusst, wie viel Arbeit ihn das Projekt kosten würde, gestand er am Freitagabend, dann hätte es wohl keinen Film gegeben.

Einblicke in das Schallplattenpresswerk My45

Was schade gewesen wäre – denn auch wenn die Tonqualität manchmal zu wünschen übrig lässt, ist ein sehenswerter Streifen von 26 Minuten Länge herausgekommen. Die Filmemacher konnten den Jazzpreisträger Christoph Niehaus für das Projekt gewinnen. So folgt die Kamera dem Gitarristen und seiner Band erst in den Proberaum, dann ins Stuttgarter Tonstudio Rossini – und von dort geht es nach Bayern zur Firma „My45“ in Tiefenbach bei Landshut.

Bis zu 800 000 Platten pro Jahr liefert das Schallplattenpresswerk aus, das es erst seit 2006 gibt. Kameramann Leo Hippold vom Filmclub Waiblingen hat festgehalten, wie viele verschiedene Arbeitsschritte notwendig sind. Die 25 Sekunden, in denen aus einem Vinyl-Klotz eine Platte gepresst wird, schließen einen langen Prozess ab, in der auch Silber und Nickel zum Einsatz kommen.

Die Ausstellung mit Waiblinger Lieblingscovern ist noch eine Woche lang zu den Öffnungszeiten der Kunstschule sowie am Samstag, 23. Juli, und Sonntag, 24. Juli, jeweils von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Der Film „Wie kommt die Musik ins Cover?“ ist auch auf CD erhältlich.