Muss man jeden alten Fußballkumpel seines Partners mögen? Die Münchner Paartherapeutin Mashaal Omary beantwortet diese Frage. Bisweilen sind die Freunde des Partners sonderbar. Beruhigend: Ob man sich mit ihnen versteht, sagt nichts über die Qualität der eigenen Beziehung aus, meint die Therapeutin Mashaal Omary. Foto: privat/Jenson Koschak

In einer Beziehung ist man in der Regel nicht nur zu zweit. Jeder hat auch seinen eigenen Freundeskreis. Für Paare ist es aber auch wichtig, gemeinsame Freunde zu haben. Aber was, wenn man die alle nicht leiden kann?

Der Partner spielt leidenschaftlich gerne Fußball und möchte nach seinen Spielen noch mit den Fußballkumpels durch die Kneipen ziehen. Das ist schwierig für eine Partnerin, die sich in ihrer Freizeit Schöneres vorstellen kann, als an kühlen, regnerischen Samstagen bei einem Kreisliga-A-Spiel mitzufiebern.

 

Paare haben oft unterschiedliche Freundeskreise – die Pflege dieser geht dann oft von der gemeinsamen Zeit weg. Im Optimalfall haben Paare daher auch viele gemeinsame Freunde. Aber muss man jeden alten Fußballkumpel seines Partners mögen? Oder noch schlimmer, mit diesem Zeit verbringen? „Nein, man muss und kann die Freunde des Partners nicht immer mögen“, sagt die Münchner Paartherapeutin Mashaal Omary. „Sympathie ist ja ein Gefühl, dass man nicht erzwingen kann.“ Allerdings könne man durch das Bewusstwerden, dass der Kumpel dem Partner guttut und für ihn von Bedeutung ist, Wohlwollen und Akzeptanz für die jeweiligen Freunde aufbringen.

Eigene Freunde sollte man auch behalten – trotz Beziehung

Grundsätzlich ist es gut, wenn Paare sich ihre eigenen Freunde bewahren und so ihren Bereich innerhalb der Beziehung behalten. Die Psychologen Franz Neyer und Christine Finn haben an der Universität Jena über sieben Jahre hinweg rund 2000 Paare regelmäßig zur Qualität ihrer Beziehung befragt. Die besten Prognosen hatten Paare, die einander gleichermaßen Freiheiten zugestanden und ihre eigenen Interessen und Freunde nicht aus den Augen verloren haben.

Wer also ab und zu seine Freundinnen alleine trifft oder seine Frau beim Männerabend nicht mitnimmt, tut seiner Beziehung durchaus etwas Gutes.

Laut der Partnervermittlungsbörse Parship fällt dies besonders den Paaren schwer, in denen beide ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis nach Nähe haben und jede freie Minute mit dem Partner verbringen möchten. Für diese Paare kann es belastend sein, wenn der Partner die Freunde nicht mag.

Viele Paare mögen es aber, sich mit anderen Paaren zusammen zu treffen. „Gemeinsame Pärchen-Freunde können die eigene Beziehung wieder beleben“, sagt Mashaal Omary und ergänzt: „Gemeinschaftliche Aktivitäten stärken das Wir-Gefühl.“

Blöd ist nur: Viele fühlen sich als Anhängsel in eine Konstellation gezwungen, die sie sich selbst nicht ausgesucht haben. Sie fürchten dann, einen Abend – oder womöglich gar einen ganzen Urlaub lang – mit Menschen zusammen sein zu müssen, mit denen sie absolut nichts anfangen können.

Von Pärchenabenden können wir durchaus auch etwas lernen

Sagt man da aus Liebe nun zu? Oder erspart man sich Konflikte in der Partnerschaft, wenn man an solchen Freundeszusammenführungen erst gar nicht teilnimmt? „Wichtig ist, sich mit dem Partner auszutauschen und ihm mitzuteilen, was die Treffen bei einem auslösen“, sagt Omary.

Sie rät, ehrlich darüber zu reden, ob gemeinsame Treffen überhaupt notwendig sind und man die Kontakte nicht eher auf wichtige Ereignisse wie Geburtstag oder Hochzeiten beschränkt. „Bei einem Gläschen Wein und Antipasti findet vielleicht das ein oder andere nette Gespräch statt“, sagt die Therapeutin.

Auch müsse man sich immer klarmachen: Ob man sich mit den Freunden des Partners gut versteht, sagt nichts über die Qualität der eigenen Liebesbeziehung aus. „Unser Partner ist ja nicht für die Persönlichkeit seines Kumpels verantwortlich“, sagt Omary. „Und auch die Partnerin hat sich die beste Freundin selbst ausgesucht.“

Große Befürworter von Paarfreundschaften sind die US-Forscher Geoffrey Greif und Kathleen Holtz, wie sie in ihrem Buch „Two Plus Two. Couples and Their Couple Friendships“ (Zwei plus zwei: Paare und ihre Paarfreundschaften) bekennen: „Wir schätzen Pärchenfreundschaften sehr.“ Sie seien mit anderen Paaren gereist, zu viert oder in größeren Gruppen, sie hätten mit ihnen fröhliche Abende verbracht, aber auch dunkle Stunden gemeinsam geteilt – das verbinde.

Greif, Professor für Soziale Arbeit an der University of Maryland, sagt: „Freundschaften mit anderen Paaren ermöglichen es uns, mit dem eigenen Partner Zeit zu verbringen, aber auch Zeit mit anderen Freunden.“

Aber das allein ist natürlich zu wenig. Seiner Meinung nach hätten die rund 400 befragten Paare größtenteils einen Vorteil aus Pärchenfreundschaften gezogen. „Wir lernen von unseren Freunden, wie sie mit ihren Kindern umgehen, mit älter werdenden Eltern oder mit Konflikten innerhalb ihrer Beziehung“, schreibt Greif. „Wir werden Zeuge, wie sie ihr Leben und ihre Beziehung leben, wie sie sich gegenseitig tragen und nähren.“

Drei Typen an Paarfreundschaften machen Greif und Holtz aus: Nesters, Seekers und Keepers. Nesters sind introvertierte Paare, die sich auf sich konzentrieren, wenige Freunde haben und andere wenig brauchen. Seekers haben viele Freunde, wollen mit diesen aber in erster Linie Spaß haben. Der Großteil der befragten Paare zählte nach Darstellung der beiden Sozialforscher zu den Keepers: Sie haben eine kleine Anzahl an sehr engen Freunden, aber ein sehr erfülltes Sozial- und Familienleben. Insgesamt waren 78 Prozent der befragten Paare Freundschaften mit anderen Paaren sehr wichtig.

Mit guten Freunden leben wir glücklicher und gesünder

Greif hat aber noch einen Vorteil an Paarfreundschaften entdeckt: „Nichts ist attraktiver, als zu sehen, wenn unser Partner eine ganze Runde unterhalten kann, empathisch ist, andere zum Lachen bringt.“ Oft lernen wir im Zusammensein mit anderen Seiten an unserem Partner kennen, die uns zu zweit vielleicht verborgen geblieben wären.

„Wir wissen auch aus der Forschung, dass Menschen mit guten Freunden länger, gesünder und besser leben“, schreibt Greif. Dasselbe treffe auf Paare zu: „Paare, die ihre Freunde teilen, sind auf Dauer glücklicher – oft auch weil sie unterhaltsameren und sinnvolleren Aktivitäten nachgehen.“

Schwierig werde es, wenn Menschen nur ihren Partner als wirklichen Freund hätten. Vor allem Männer sagen, so Greif, häufig, dass ihre Frau „ihr bester Freund“ ist. Oft müsse die Frau alle sozialen Kontakte für den Mann pflegen. „Sie ist quasi seine Sekretärin für soziale Beziehungen“, sagt er. Dies gehe auf Dauer selten gut. Da lohnt es vielleicht doch, sich mal allein zum Männerabend oder zum Fußballspiel aufzuraffen.