Das alte Firmengelände liegt brach – zum Ärger der Nachbarschaft. Foto: factum/Granville

Der Weg für den Neubau einer Lidl-Filiale an der Mahdentalstraße scheint frei. Trotz kontroverser Debatte befürwortet der Gemeinderat das Projekt.

Sindelfingen - Trotz dreier Gutachten ließ sich nicht jeder überzeugen. Die Einschätzung, dass es zu keinen Staus kommen werde, sei „nicht realistisch“, sagte Ingrid Balzer für die Freien Wähler. Den Christdemokraten Walter Arnold treibt die Sorge um, dass „Lidl sein Sortiment erweitert“. Der Linke Richard Pitterle zweifelte grundsätzlich, „dass das alles nicht funktioniert“. Dennoch befand die Mehrheit im Technischen Ausschuss des Gemeinderats die erneut überarbeiteten Pläne des Discounters für gut.

Schon seit dem Jahr 2011 will Lidl an der Mahdentalstraße bauen. Die alten Bauten der dort einst ansässigen Firma Richard Mayer liegen längst in Schutt – und zwar auf dem Grundstück, bedeckt mit Plane. Dies zum Ärger der Bewohner in der Nachbarschaft. Ursprünglich sollte an dieser Stelle der klassische Lidl-Markt entstehen: quadratisch, praktisch, unansehnlich, 800 Quadratmeter Einkaufsfläche mit ebenerdigen Parkplätzen vor der Tür. Die Baugenehmigung dafür hat das Unternehmen.

In den neuen Plänen wuchs die Verkaufsfläche auf 1700 Quadratmeter

Nur baute es nie, sondern reichte 2016 grundlegend geänderte Pläne nach. In denen ist die Verkaufsfläche auf 1700 Quadratmeter gewachsen. Über dem Markt sind in der neusten Version Kleinappartements vorgesehen, neben ihm Wohnhäuser. Grundlage dieses Konzepts ist eine neue Unternehmensstrategie. Der Discounter will weg vom Grabbelkarton-Image. „Metropolmarkt“ nennt Lidl sein neues Standard-Baukonzept mit lichten Glasfronten, großzügigen Wegflächen und attraktiverer Warenpräsentation. Gemäß dem Konzept wuchs ein erster Markt in Barcelona, gleichsam zur Probe. In Deutschland wäre Sindelfingen der dritte Standort für einen solchen Markt. In Berlin ist eine Filiale gemäß dem Konzept in Betrieb, in Essen ist eine weitere in Bau.

Bereits im vergangenen Mai hatte der Gemeinderat das Vorhaben im Grundsatz befürwortet. Allerdings war eine heftige Debatte vorausgegangen und ein verwaltungsrechtlicher Kniff nötig, um eine Vertagung abzuwenden. Die Kritikpunkte sind die gleichen geblieben: Stau, Lärm für die Anwohner, ein Sterben anderer Geschäfte wegen der neuen Konkurrenz. Jene Gutachten ergaben, dass die Furcht in allen drei Punkten grundlos sei.

Der zusätzliche Platz soll der Bequemlichkeit der Kunden dienen

„Wir haben auf den 1700 Quadratmetern keinen einzigen Artikel mehr als auf 800“, versicherte der Lidl-Planer Florian Zille. Der zusätzliche Platz diene der Optik und der Bequemlichkeit der Kunden. Anliefernde Lastwagen sollen hinter verschlossenen Toren im Neubau entladen werden, die Parkplätze sind in einer Garage vorgesehen. Eine Lärmschutzwand soll die Anwohner zusätzlich schützen.

Zur Erschließung sind laut dem Stadtplaner Michael Paak verschiedene Varianten geprüft worden. „Natürlich wird es an manchen Tagen Stau geben“, sagte Paak. Grundsätzlich werde das Straßennetz die autofahrende Kundschaft aber problemlos verkraften. Die Sorge der Anwohner um ihre Aussicht scheint ebenfalls zerstreut. Die alten Unternehmensgebäude waren 18 Meter hoch. Lidl plant mit knapp 13 Meter.

Die Appartements über dem Markt sollen im Sinne eines Boarding-Hauses an Mitarbeiter von Firmen vermietet werden, die zeitweise in Sindelfingen beschäftigt sind. Die Nachfrage sei groß, sagte Paak. Für die zusätzlichen Wohnhäuser prüft Lidl laut Zille, ob speziell für Senioren oder auch für Sozialhilfeempfänger gebaut werden könne. Wenn die Pläne entsprechend gereift sind, sollen die Bedingungen für Lidl in einem Vertrag mit der Stadt festgeschrieben werden. Auch welches Sortiment in dem neuen Markt angeboten werden darf, wird vertraglich bestimmt. Ende des Jahres könnte der Gemeinderat den letzten Beschluss zum Vorhaben fällen, den Satzungsbeschluss. Frühestens 2019 könnte der Bau beginnen.

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