Erst wollte der Discounter an der Hindenburgstraße groß bauen, aber Anwohner und Gemeinderat stritten. Jetzt will Lidl offenbar nicht mehr – oder zumindest noch nicht, obwohl der Bebauungsplan genehmigt wurde. Woran liegt das?
Ziemlich überrascht zeigte sich Bürgermeister Sebastian Mannl vom großen Interesse an der Sitzung des Stadtteilausschusses der Oststadt am Dienstagabend: „Das ist sonst eher eine familiäre Runde.“ Dieses Mal sind gut 25 Einwohnerinnen und Einwohner des größten Ludwigsburger Stadtteils gekommen. Der Grund dafür wurde schnell klar: Es ging um die Frage, ob und wann Lidl auf dem Gelände an der Hindenburgstraße neu baut.
Jahrelanger Streit und Diskussionen
Im Jahr 2015 waren erstmals die Pläne des Unternehmens bekannt geworden, das bisherige Gebäude abzureißen und durch einen 15 Meter hohen Neubau zu ersetzen, auf dessen Dach Wohnungen entstehen sollen. Seit 2017 ist der Gemeinderat involviert. Und damit begannen lange und zähe Diskussionen. Mehrere Vorschläge wurden präsentiert und wieder abgelehnt, eine Interessengemeinschaft aus Anwohnern formierte sich zum Protest, schließlich wurde im Juli 2022 der Bebauungsplan verabschiedet. Doch seither herrscht Stillstand.
Anders ist das bei den Rahmenbedingungen. Diese haben sich in der langen Zeit der Diskussionen und Streitereien deutlich verändert. Vor allem, was die Baupreise betrifft. Das scheint auch der Grund, warum der Discounter mit Sitz in Neckarsulm immer noch alles unverändert belässt. „Lidl schiebt noch mal wegen der aktuellen Marktlage, mehr weiß die Stadt auch nicht“, sagte Mannl auf entsprechende Nachfragen aus dem Kreis der Anwesenden. Wiederholte Kontaktaufnahmen mit der Unternehmensleitung hätten auch nichts gebracht.
Baugenehmigung kann mehrfach verlängert werden
Fest stehe lediglich: Die Baugenehmigung liege vor und sei rechtskräftig, nun sei es Sache von Lidl, „den Bauzeitpunkt mit dem eigenen Geldbeutel abzustimmen“, so Sebastian Mannl. „Die sind vielleicht beleidigt, weil es so verzögert wurde und jetzt deutlich teurer ist“, mutmaßt Jürgen Rommel von den Freien Wählern.
Während einige Anwohner über den Nicht-Bau froh zu sein scheinen, wollen andere Klarheit darüber haben, wo man künftig einkaufen kann. Dass dies auch in der nächsten Zeit wie gewohnt möglich ist, dafür spricht einiges. Denn, das machte Iven Messer vom Referat Stadtentwicklung deutlich: „So eine Baugenehmigung kann häufig verlängert werden, das kann Jahre dauern.“