Kinder von klein auf an den Schießsport heranführen: Rainer Hanisch und seine Mitstreiter bei der Schützengesellschaft Böblingen haben das Lichtschießen zur Nachwuchsgewinnung etabliert. Foto: Jenny Schwartz

Die Schützengesellschaft Böblingen stellt ein neues Angebot für Kinder vor: Lichtschießen. Der Sport erfordert Konzentration, Ausdauer und Koordination – und ist völlig ungefährlich.

Die Schützengesellschaft Böblingen ist einer der ältesten Vereine im hiesigen Landkreis Böblingen. Gegründet wurde sie im Jahr 1480. Ein beeindruckendes Alter. Aktuell machen sich die Mitglieder allerdings viele Gedanken um ihre Zukunft. Es gibt nämlich ein großes Problem: Der Nachwuchs fehlt.

 

Vor allem im Kinder- und Jugendbereich wird es immer schwieriger, Familien für das Schießen zu begeistern. „Das Schießen hat bei vielen Leuten keinen guten Ruf“, weiß der Vorstandsvorsitzende Rainer Hanisch. „Das liegt daran, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, worum es bei uns geht.“

Mit Gewalt hat das Sportschießen im Schützenverein nichts zu tun

Mit Gewalt hat das Schießen in einem Schützenverein nicht das Geringste zu tun. Stattdessen geht es hier um die Herausforderung. Schießen ist nämlich ein Sport. Und zwar einer, der allerhöchste Präzision, Ruhe und Konzentration erfordert. „Man darf beim Schießen nichts überstürzen“, sagt Rainer Hanisch. „Zielen, abdrücken und zack – so funktioniert das nicht.“

Schon die kleinste Bewegung sorgt dafür, dass man auf der Zielscheibe daneben trifft. Und ob man es glaubt oder nicht: So ruhig zu bleiben, strengt mächtig an. Vor allem das Auge, aber auch den Rest des Körpers. „Das muss man trainieren“, sagt Rainer Hanisch. „Diese Konzentration und Spannung kann man nur mit der richtigen Atemtechnik aufrechterhalten.“

Die Fähigkeiten, die einem der Schießsport beibringen kann, sind vor allem für Kinder und Jugendliche unheimlich hilfreich. Das Sportschießen fördert die Feinmotorik und trägt zur Stressreduktion bei. „Man hat ein Ziel vor Augen und konzentriert sich nur darauf“, erklärt Rainer Hanischs Bruder Peter Hanisch, der ebenfalls im Verein aktiv ist. „Dadurch gerät alles andere in den Hintergrund.“

Das Sportschießen ist eine Möglichkeit, Ruhe in einen hektischen und Smartphone-geprägten Alltag zu bringen. Deshalb möchten die Böblinger Schützen Kinder gerne schon von klein auf an den Schießsport heranführen. Ein Luftgewehr dürfen Kinder erst ab zwölf Jahren in der Hand halten. Doch auch für jüngere Jungs und Mädels gibt es mittlerweile ein Angebot: das sogenannte Lichtschießen.

Abgefeuert wird beim Lichtschießen nur ein Lichtstrahl, der dann elektronisch von einem Sensor auf der Zielscheibe gemessen wird. Foto: Jenny Schwartz

Vom Ablauf her funktioniert diese Disziplin im Grunde genau wie das Schießen mit dem Luftgewehr. Man bekommt ein Sportgerät, visiert die Zielscheibe an und versucht, die Mitte zu treffen. Allerdings läuft der ganze Prozess komplett elektronisch ab.

Blickt man durch das Guckloch, fachsprachlich auch Diopter genannt, sieht man einen roten Leuchtpunkt. Dieser zeigt an, wo der Schuss theoretisch hingeht. Hat man die Mitte anvisiert, heißt es höchste Konzentration. „Meist trifft man bei den ersten Malen daneben und steigert sich dann von Schuss zu Schuss“, weiß Rainer Hanisch.

„Zielen, abdrücken und zack – so funktioniert das nicht.“

Rainer Hanisch von der Schützengesellschaft Böblingen

Das Schießen mit dem Lichtgewehr ist vollkommen ungefährlich. Abgefeuert wird nur ein Lichtstrahl, der von einem Sensor auf der Zielscheibe gemessen wird. Dabei ist nicht mal ein Knall zu hören. Das einzige Geräusch, das durch das Lichtgewehr entsteht, ist ein leises „Klick“ beim Abdrücken. Das Ergebnis wird mittels einer Software auf ein Tablet übertragen. Laut Rainer Hanisch können schon Kinder im Alter von sechs Jahren mit einem Lichtgewehr umgehen. Das Sportgerät wiegt nämlich maximal drei Kilogramm.

Seit zwei Jahren werden im Lichtschießen auch Meisterschaften ausgetragen. Hier unterscheidet man zwischen den Kategorien Faszinationslichtschießen und normales Lichtschießen. Beim Faszinationslichtschießen wird das Sportgerät auf einen Ständer aufgelegt. Auch die Kleidung ist frei wählbar. Beim normalen Lichtschießen hält man das Lichtgewehr in der Hand und trägt eine spezielle Schießkleidung.

Eine Mannschaft fürs Lichtschießen hat die SG Böblingen noch nicht

Diese ist so steif, dass die Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt werden, was zusätzliche Stabilität bedeutet. Dort, wo der Puls zu spüren ist, ist die Schießkleidung auch mit Lederbesätzen verstärkt. Denn sogar die kaum spürbaren Pulsbewegungen können dafür sorgen, dass das Schussbild am Ende nicht stimmt.

Eine eigene Wettkampfmannschaft fürs Lichtschießen kann die Schützengesellschaft Böblingen aktuell noch nicht stellen. Ein Probeschießstand beim Flugfeldfest zeigte jedoch: Die Begeisterung ist durchaus da.

Lichtschießen

Probeschießen:
Wer das Lichtschießen ausprobieren möchte, kann bei der Schützengesellschaft Böblingen ein Probeschießen vereinbaren.

Altersbegrenzung:
Lichtschießen ist bei der Schützengesellschaft Böblingen ab 6 Jahren möglich.

Sicherheit:
Bei der Schützengesellschaft Böblingen wird das Thema Sicherheit sehr ernst genommen. Sobald mehr als zwei Schützen am Schießstand stehen, ist eine Aufsichtsperson Pflicht.