Am Donnerstagmittag lag der überdimensionale Smiley noch lang gestreckt auf einem Feld in Bernhausen. Benjamin Maus (links) und Richard Wilhelmer überprüfen die Kabel und Leuchtröhren. Von Samstag an soll das Kunstwerk auf dem Tower leuchten. Foto: Natalie Kanter

Bis zum 9. Oktober heißt es: posten, was das Zeug hält. Denn ein riesiges Leucht-Smiley spiegelt auf dem Flughafentower in Bernhausen Stimmungen aus dem Internet.

Bernhausen - Sein Körper ist aus Stahl, das Gesicht von Neonröhren umrahmt. Der Motor wird digital angesteuert: Die Rede ist von dem Smiley, der am Donnerstagnachmittag noch lang gestreckt auf einem Feld bei Bernhausen lag und mittlerweile von einem Kran in Nachtschicht auf den Tower des Flughafens gehievt worden ist.

Das Künstlertrio Julius von Bismarck, Benjamin Maus und Richard Wilhelmer aus Berlin hat sich die Lichtinstallation ausgedacht. Neu ist die Idee nicht – vielmehr sechs Jahre alt. Das öffentliche Gesicht hat bereits in Lindau am Bodensee geleuchtet, in Berlin, in Wien und wird jetzt drei Wochen lang in Filderstadt den nächtlichen Himmel erhellen.

Posts sind Nahrung für das Lichtgesicht

Das Kunstwerk trägt den Namen „Public Face II“ und ist Teil des Lichtkunstfestivals „Aufstiege“, das die Kulturregion Stuttgart gemeinsam mit 25 Städten und Gemeinden ausrichtet. Auf den Fildern sitzen Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen im Boot. Das Festival wird am Samstagabend, 17. September, eröffnet.

Bis zum 9. Oktober heißt es für die Nutzer der Sozialen Medien: posten, was das Zeug hält. Damit das Leuchtgesicht auf dem Tower in Bernhausen Nahrung erhält. Denn die Künstler werten in Echtzeit die Stimmung der Emoticons – ebenfalls Strichpunkt-Gesichter – aus, die in der Region Stuttgart auf öffentlichen Seiten wie Facebook, Twitter & Co. gestellt werden. Glücklich, traurig, verärgert, mies gelaunt: Der Riesen-Smiley spiegelt die im Netz aufgefangene Stimmung wieder. Ein Server liefert im Sekundentakt neue Daten.

Dabei handelt es sich um „den Plan B“, wie Richard Wilhelmer sagt. Eigentlich wollte die Künstlergruppe die Stimmung am Airport auffangen und wiedergegeben. Das wäre „Plan A“ gewesen. Dazu hätten die Künstler aber Kameras in den Terminals aufhängen oder Daten von einer bestehenden Überwachungstechnik bekommen müssen. „Weil die Überwachung ein heikles Thema ist“, wie Wilhelmer sagt, hat sich das Trio vor Ort dann entschlossen, das Projekt anders aufzuzäumen.

Danach reist das Smiley nach Schweden

Der Mann, der eigentlich aus Österreich stammt und nun in Berlin lebt, ist darüber ganz froh. Denn so erhalte die Botschaft ihrer Kunst eine ganz neue Farbe. „Die Quelle ist nun die digitale Welt“. Das Trio übt Kritik an der zunehmenden Überwachung in der Gesellschaft: Der Mensch wird zum gläsernen Menschen.

Nach dem Lichtkunst-Festival reist „Public Face II“ weiter nach Schweden. Dort wird das Leuchtgesicht einen Rathausturm schmücken. „Wir haben ständig Anfragen aus der ganzen Welt“, sagt Wilhelmer. Sogar bis nach Australien hat sich die besondere Lichtkunst der kreativen Gruppe bereits herumgesprochen.

Eröffnung des Lichtkunstfestivals:

Am Samstag, 17. September, wird das Lichtkunstfestival „Aufstiege“ unter anderem in Bernhausen am Tower des Flughafens, Plieninger Straße 70, eröffnet. Beginn ist um 20 Uhr. Auch in der Nachbarstadt Leinfelden-Echterdingen hält an diesem Abend die Lichtkunst Einzug. „ Der Läufer 10,“ und damit animierte Lichtstreifen der Schweizer Künstler Christine Camenisch und Johannes Vetsch, werden ebenfalls vom heutigen Samstagabend an in der Leinfeldener S-Bahn-Station zu sehen sein. Und das ein ganzes Jahr lang. Auch dort gibt es von 20 Uhr an Programm.

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