Zwei Tage Vorbereitung für zwölf Minuten Show: der Lichterzauber im Blühenden Barock. Foto: factum/Bach

Der Lichterzauber im Blühenden Barock lockt am Samstagabend tausende Zuschauer an. Hinter der Pyrotechnik steckt ein enormer Aufwand – der vor allem für die Sicherheit der Besucher wichtig ist.

Ludwigsburg - Bevor Gerrit Hohlbaum das Inferno entfacht, muss er erst einmal auf die Knie. Dutzende Meter Kabel verlegt der Pyrotechniker rund im die Emichsburg, damit beim Lichterzauber am Samstagabend im Ludwigsburger Blühenden Barock alles nach dem stimmungsvollen Plan läuft: Zwei Fontänen zum Auftakt, später die Römerlichter vom Turm, dann die Vulkane von der Brüstung aus in Richtung Publikum und zuletzt die großen 75-Millimeter-Bomben, die von einer Wiese hinter der Burg abgefeuert werden.

Zwei Tage Vorbereitung für zwölf Minuten Show

Insgesamt 296-Mal lösen die schwarzen Boxen aus, die über eine Funkverbindung von einem Computer angesteuert werden. Dort, am Computer im Technikzelt, sitzt auch Gerrit Hohlbaum, als er um Punkt 21.30 den Startknopf drückt. Passend zu den Takten der Musik geht die Emichsburg in Flammen auf. Zwölf Minuten dauert die Show – für deren Vorbereitung Gerrit Hohlbaum zusammen mit drei Kollegen zwei Tage gearbeitet hat.

Das Komplizierte seien gar nicht die Effekte selbst, erklärt der Pyrotechniker. Viele der Lichter kaufen die Firmen fertig ein, das meiste in China. „In Deutschland baut kaum noch jemand selbst“, erklärt Hohlbaum. Entscheidend für die Show ist vielmehr der Aufbau: Wo wird welche Abschussanlage platziert, wie wird welche Rakete ausgerichtet. Eine ganze Woche hat es gedauert, die Show an der Emichsburg zu programmieren, teilt die Bielefelder Firma Flash-Art mit, für die Gerrit Hohlbaum arbeitet.

Er und seine Kollegen sind nicht nur dafür zuständig, dass die Show läuft und noch dazu schön aussieht – auch die Sicherheit der vielen Zuschauer müssen sie gewährleisten. Beim Aufbau der Abschussrampen kommt es auf jeden Millimeter an: Wird das Holzgestell, in dem die Plastikröhrchen mit dem Schwarzpulver stecken, nur ein bisschen verschoben, kann es übel enden – so wie im vergangenen Jahr.

Brandlöcher und Glutregen

Damals prallte eines der Geschosse an einen Sims der Burg und von dort in die Zuschauer. Eine Frau erlitt Brandverletzungen, weil sie von dem Querschläger getroffen wurde. „Das hätte natürlich nicht passieren dürfen“, beteuerte der Blüba-Chef Volker Kugel damals. Zudem meldeten sich im vergangenen Jahr mehrere Besucher, die über leichte Verletzungen und Brandlöcher in Hemden sowie über einen Asche- und Glutregen klagten. Um vor allem den zu vermeiden, habe man die großen Effekte dieses Jahr hinter der Burg gezündet, also in einem größeren Abstand zum Publikum, erklärt Gerrit Hohlbaum.

Auch die Feuerwehr ist beim Lichterzauber vor Ort, in kurzer Entfernung zur Burg steht sogar ein Löschwagen. Um im Notfall schnell eingreifen zu können, sitzen Kollegen von Gerrit Hohlbaum im Turm der Emichsburg, ausgestattet mit Wassereimern. „Wir haften, wenn etwas passiert.“

Viel Aufwand für ein bisschen Nebel

Seit etwa zwölf Jahren brennt Hohlbaum professionell Feuerwerke ab. Ein Ausbildungsberuf ist es nicht, vielmehr müssen Pyrotechniker aufwendige Lehrgänge besuchen. Gelernt hat Hohlbaum Veranstaltungstechniker, wie die meisten seiner Kollegen kam er als Quereinsteiger in die Branche. Auf der ganzen Welt, vor allem auf der arabischen Halbinsel und in Asien sind Pyroshows aus Deutschland gefragt. Dabei zündet Hohlbaum nicht nur Raketen: neulich flog er für eine Autopräsentation in die USA – für ganze 30 Sekunden Kunstnebel.

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