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Demonstranten haben Lichterkette gebildet - Hoffen auf Dübbers Urheberrechtsklage.

Stuttgart - Rund 18.000 Menschen protestierten am Abend mit einer Menschenkette gegen das Milliarden-Vorhaben, das gegenwärtig eines der größten deutschen Bauprojekte ist.

Mit Lichtern, Transparenten und dem Slogan „Oben bleiben“ machten sie ihrem Unmut gegen die Umwandlung des denkmalgeschützten Kopfbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation Luft. Die Kritik richtet sich unter anderem gegen die steigenden Kosten - mittlerweile 4,1 Milliarden Euro - sowie negative Effekte für die Umwelt und den Nahverkehr.

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Am Freitagabend haben sich rund um den Hauptbahnhof und bis in den Schlossgarten hinein nach Polizeiangaben 18.000 Demonstranten gegen das Bahn-Projekt Stuttgart 21 versammelt. Die Parkschützer als Veranstalter sprachen von 21.000. Die Demonstranten zogen bis 23 Uhr auf den Marktplatz. Gegen das leere Rathaus schallten "Schuster weg!"-Rufe.

Die Menschen, die um 20.30 Uhr eine Lichterkette um den teils zum Abriss freigegebenen Bahnhof bildeten, blieben auf professionelle Beobachter nicht ohne Wirkung. "Das ist beeindruckend", sagt Dorothea Koller, Leiterin des städtischen Ordnungsamtes. Koller präsentierte im Urlaub auswärtigem Besuch den zettelbehängten Abbruchzaun vor dem Nordflügel. "Der Abriss bewegt die Leute unglaublich", sagt sie, "und das seit bald einem Jahr".

Wer keine Kerzen oder gebastelte Lampions mitgebracht hatte, wurde von den Gegnern des von der Bahn auf 4,1 Milliarden Euro taxierten Tief- und Flugafenbahnhofs und Gleisen bis Wendlingen mit Kerzen versorgt. Viele, die sich am Stand vor dem Bahnhofsturm bedienten, rollten Geldscheine und drückten sie in die Spendenbox.

Der Abriss erschüttert nicht - sondern macht wütend

Dass die Bahn am Freitagmorgen am Nordflügel ein Vordach wegreißen ließ, erschütterte wohl die wenigsten der Gegner. "Wenn der Flügel fällt wird eher die Wut als die Resignation zunehmen", sieht ein etwa 60-Jähriger die Auseinandersetzung mit Bahn-Chef Rüdiger Grube als noch nicht entschieden an. "Es ist ja heute kein Problem mehr, so was wieder aufzubauen", zeigt er auf den Flügelbau - und verspricht einen langen Atem.

Personifizierte Hoffnung vieler Tiefbahnhofgegner ist Peter Dübbers, der Enkel des Bahnhofs-Architekten Paul Bonatz. Am Mittwoch musste Dübbers nach verlorener Klage zum Urheberrecht die zweite Niederlage einstecken. Das Oberlandesgericht wies seinen Eilantrag gegen den Abbruch zurück. Im Oktober wird erneut verhandelt. Der Nordflügel wird dann Geschichte sein, denn Rüdiger Grube will nicht mehr warten.

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"Die Bevölkerung kann in der Menge mehr ausrichten als ich mit meiner kleinen Klage", gibt sich Dübbers am Freitagabend bescheiden. Auf die an den Fenstern vernagelte Bahnhofsfassade gegenüber der LBBW blickt er mit Wehmut. Wenn die Baggerzange zubeißt, das weiß der Architekt Dübbers, wird vieles kaputt gehen. "Die Steine müsste man nummerieren, vielleicht braucht man sie wieder", hofft Dübbers auf ein gutes Ende. Den Tiefbahnhof lehnt Dübbers nicht grundsätzlich ab.

Als bekennender Stuttagrt-21-Fan hat Johannes Bräuchle mit einem Pappschild "ProS21T" einen schweren Stand. Er sei schon unterwegs, komme gleich nach Hause, spricht der Pfarrer, der mal für die CDU im Gemeinderat saß, gegen 21 Uhr ins Mobiltelefon. Er wolle nur noch ein paar Worte mit seinem Lieblingsorganisten wechseln. Doch selbst den kann Bräuchle nicht bekehren. "Mein Junge ist eben mit dem Studium fertig geworden. Eisenbahningenieur", sagt der Mann im blauen Hemd. Dessen Professoren hätten an Stuttgart 21 kein gutes Haar gelassen: "Die sagen, was wir hier bauen wollen sei Schwachsinn."

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