Die Gemeinde Lichtenwald (Kreis Esslingen) lehnt die Schließung der Post im Ort ab. Verwaltung und Gemeinderat halten eine mit Menschen besetzte Filiale für unverzichtbar.
Die Deutsche Post betreibt eine Filiale im Lichtenwalder Ortsteil Thomashardt und eine Automatenstation auf dem Supermarktparkplatz. Nun plant das Unternehmen, von der Bundesnetzagentur die Zulassung des Automaten als sogenannte automatisierte Station zu erhalten und die Filiale zu schließen. In einer Stellungnahme lehnt die Gemeinde mit dem einstimmigen Votum des Gemeinderats die Pläne ab.
Bürgermeister Ferdinand Rentschler löste mit der Vorstellung der Pläne der Deutschen Post AG in der jüngsten Gemeinderatssitzung einhelliges Kopfschütteln aus. Demnach beantragte das Unternehmen bei der Bundesnetzagentur, die automatisierte Poststation auf dem Parkplatz des Supermarkts am Ortsrand als sogenannte Universaldienstfiliale zugelassen zu bekommen und anschließend die Postfiliale in der Hegenloher Straße in Thomashardt zu schließen. Wie Rentschler erläuterte, muss laut Postgesetz in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern eine Universaldienstfiliale betrieben werden. Der Anspruch könnte erfüllt werden, wenn die Poststation als Filiale anerkannt würde.
Postautomaten sind ein guter Ersatz – aber nicht für jeden
Die Bundesnetzagentur hatte die Gemeinde vor einer Entscheidung über den Antrag der Deutschen Post um eine Stellungnahme gebeten, die von den Ratsmitgliedern einstimmig unterstützt wurde. Ein Automat sei eine sehr praktische Angelegenheit, Dienstleistungen seien auch online gut zu erledigen, sagte Rentschler. „Aber nicht jeder Mitbürger kann damit gut umgehen. Deshalb muss die Filiale bleiben“, fasste er die Stellungnahme der Gemeinde zusammen.
Die Filiale in der Hegenloher Straße habe nur sehr eingeschränkte Öffnungszeiten. Für viele Berufstätige sei „die Poststation, an der man die gängigen Dienstleistungen für Brief und Paket in Anspruch nehmen kann“, ein gutes Angebot. Eine mit einer Person besetzten Filiale im Ort sei allerdings für Menschen, die mit Automaten wie der Poststation nicht zurecht kommen, die bessere Alternative. Dies gelte „insbesondere für ältere Menschen, die sich an Automaten mit Touchbildschirm und Kartenzahlung nicht herantrauen“, referierte Rentschler die Argumente der Gemeinde. „Etliche Ältere kommen mit dem Automaten nicht klar, aber auch Jüngere fremdeln damit“, sagte er.
Ältere Menschen in Lichtenwald brauchen die Postfiliale
Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung der Gemeinde sei der Weiterbetrieb der Filiale am jetzigen Standort in der Hegenloher Straße 21 „aus Sicht der Gemeinde unabdingbar“. Zudem werde schräg gegenüber im kommenden Jahr das Seniorenheim in Betrieb gehen. Die Poststation sei „eine gute Ergänzung der Postfiliale mit eingeschränkten Öffnungszeiten in einer kleinen Gemeinde wie Lichtenwald, aber eben kein Ersatz für alle Bevölkerungsteile. Eine Schließung der Filiale Hegenloher Straße 21 lehnen wir daher ab“, stellte die Gemeinde klar. Jetzt bleibt abzuwarten, wie die Bundesnetzagentur auf die Stellungnahme reagiert.