Wie in größeren Kommunen ist auch an der Grundschule Lichtenwald Sozialarbeit ein wichtiges Angebot für Schüler und Eltern. Der Bedarf an Begleitung und Beratung steigt.
Auch in einer kleinen ländlichen Gemeinde ist die Welt nicht immer in Ordnung, haben Kinder auch im Grundschulalter zuweilen Sorgen und Probleme. Die Gemeinde Lichtenwald bildet da keine Ausnahme. Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde daher an der Grundschule des Orts eine Stelle für Schulsozialarbeit fest installiert. Seit einem knappen Jahr kümmert sich die Sozialpädagogin Lea Gattner um die Probleme und Sorgen einzelner Kinder, ist Ansprechpartnerin für Lehrkräfte und Eltern und knüpft Kontakte in das soziale Leben in der Gemeinde.
„Der Bedarf an Einzelbegleitung und Beratung für Kinder steigt, aber die Lehrkräfte können das allein nicht auffangen. Sie haben einfach die Kapazitäten nicht. Da kommt die Schulsozialarbeit ins Spiel. Die Aufgabe ist, für die Kinder da zu sein. Den Lehrkräften fehlt dafür die Zeit, ich habe sie“, beschreibt Lea Gattner ihre Tätigkeit. Die Sozialpädagogin, angestellt beim Kreisjugendring (KJR) Esslingen, ist auf einer 50-Prozent-Stelle an der Grundschule Lichtenwald tätig. Mit weiteren 50 Prozent Stellenumfang arbeitet sie an der Realschule Wernau.
Vereine in Lichtenwald sind wichtige Ansprechpartner
Die Gespräche mit einzelnen Kindern umfassen ein großes Spektrum an Problemen, erzählt Gattner. Kinder haben Redebedarf bei Ärger in der Klasse, benötigen ein offenes Ohr, wenn sich die Eltern streiten, suchen Antworten auf offene Fragen oder benötigen eine helfende Hand bei Ängsten aller Art. „Freiwilligkeit und absolute Vertraulichkeit sind dabei grundlegende Prinzipien“, betont Gattner. Dies gelte auch für ihre Kontakte zu Eltern und Lehrkräften. Auch ihnen bietet sie Hilfen und Beratung an.
Neben den Einzelgesprächen und Beratungen betreut Gattner regelmäßig Klassenräte und bietet spielerische Übungen zur Gemeinschaftsförderung in den Klassen an. Hinzu kommen offene Spielangebote an Nachmittagen und die Kontakte zu den Vereinen, die Vernetzung im Gemeinwesen. „Die Vereine spielen natürlich eine wichtige Rolle, weil sie einen großen Teil der Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche abdecken“, sagt Gattner. So ist sie dabei, Kontakte zu Vereinen wie dem TSV und dem Tennisclub, zur Freiwilligen Feuerwehr und zu den Naturfreunden zu vertiefen, die Angebote zur Freizeitgestaltung für Kinder bereit halten.
Überdies hat die Sozialpädagogin Angebote initiiert, die man nicht an jeder Schule findet. So hat Gattner „Pausenengel“ ausgebildet, freiwillige Kinder aus der Klasse 4, die sich in der großen Pause um die Kleineren kümmern. Als besondere Aktivität für die Pausen hat Gattner „Ringen, Rangeln und Raufen“ entwickelt, ein Angebot, bei dem die Kinder „in geschütztem Rahmen ihre Kräfte messen und sich austoben dürfen“, beschreibt sie.
Lichtenwald – „Lebenswelt der Kinder verändert sich auch hier“.
In der 4. Klasse wird für die Kinder der Übergang in die weiterführende Schule Thema. „Wenn die Schüler dann nach Schorndorf, Reichenbach oder Plochingen fahren und den Ort verlassen müssen, steht Freundschaftspflege auf dem Programm. Besonders wichtig wird dann für viele auch im außerschulischen Alltag die Stärkung des Selbstbewusstseins“, berichtet Gattner.
Als spannend beschreibt sie den Unterschied im Arbeitsalltag zwischen Lichtenwald und der Realschule Wernau, ihrem zweiten Einsatzort. Zwar sei die Herangehensweise, auch bedingt durch das Alter der Schülerinnen und Schüler, unterschiedlich. Doch sei festzustellen: „Auch im Dorf braucht es Sozialarbeit, gibt es Bedarf an Begleitung. Leben im kleinen Ort heißt nicht, dass Kinder oder auch ihre Familien nicht Probleme und Konflikte hätten. Auch hier haben Kinder und ihre Eltern Nöte“, betont Lea Gattner. Zwar sei alles sehr viel übersichtlicher als in größeren Kommunen, doch „die Lebenswelt der Kinder verändert sich auch hier“.