Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen dreht Lichtenwald nicht an der Gebührenschraube. Die Abwassergebühr wird sogar deutlich gesenkt. Das sind die Gründe.
Wenn kommunale Gremien über künftig zu entrichtende Gebühren befinden, wird im Regelfall der Weg nach oben vorgezeichnet. Nicht so bei den Gebühren für das Trinkwasser und die Entsorgung des Abwassers in der Gemeinde Lichtenwald, zumindest für die kommenden beiden Jahre.
Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, die Wassergebühren unverändert bei 2,65 Euro pro Kubikmeter zu lassen, die Kosten für die Abwasserentsorgung sinken sogar deutlich.
Wie kann Lichtenwald sich das leisten?
Die Infrastruktur für die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung in Lichtenwald ist in einem sehr guten Zustand. Auch um die Finanzen des Eigenbetriebs Wasserversorgung ist es gut bestellt: Gemeindekämmerer Steffen Mayer hatte beim Rechnungsabschluss 2024 mit einem Plus von etwa 4500 Euro eine Punktlandung absolviert. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung für die Festsetzung der Gebühren für den Trinkwasserbezug und die Entsorgung des Abwassers ging daher bei der Kalkulation von ähnlichen Voraussetzungen aus. Trotz vermutlich höherer Kosten könne die Gemeinde somit darauf verzichten, an der Gebührenschraube zu drehen, erklärte Mayer.
Im langjährigen Durchschnitt fließen in der Gemeinde pro Jahr 110 000 Kubikmeter Trinkwasser aus den Leitungen. Da im kommenden Jahr die Senioreneinrichtung in Thomashardt mit 30 Pflegeplätzen und 15 weiteren Wohnungen eröffnet wird, könne die Gemeinde mit höheren Verbrauchszahlen rechnen. „Wir unterstellen, dass wir im Kalkulationszeitraum 2026 und 2027 etwa 113 000 Kubikmeter Wasser verkaufen“, sagte Mayer.
Grundgebühr für Trinkwasser-Bereitstellung steigt
Der Gemeinderat beschloss auf dieser Basis bei einer Enthaltung eine unveränderte Gebührenhöhe von 2,65 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser. Unabhängig vom Verbrauch wird zudem eine Grundgebühr für die Bereitstellung der Wasserversorgung erhoben. Sie steigt von 2,70 Euro auf 3,50 Euro im Monat. „Im Vergleich mit den Nachbarkommunen liegen wir bei den Wassergebühren gut im Mittelfeld“, kommentierte Bürgermeister Ferdinand Rentschler.
Bei der Abwasserversorgung hingegen sah dies in der Vergangenheit anders aus. „Wir hatten viele Jahre lang zusammen mit einer weiteren Gemeinde die rote Laterne im Landkreis Esslingen“, berichtete Rentschler. Mittlerweile sehe es wesentlich besser aus. Wie Mayer erläuterte, werde zwar wegen des Seniorenheims von einer höheren Abwassermenge und damit höheren Kosten ausgegangen. Da jedoch durch Investitionen bedingte Verluste aus den vergangenen Jahren mittlerweile ausgeglichen seien und zudem die Umlage an das Gemeinschaftsklärwerk Wendlingen für die beiden Kläranlagen der Gemeinde zu hoch bemessen war, sei nun ein nennenswertes Plus in der Kasse zu verzeichnen. „Das können wir den Bürgern zugute kommen lassen“, sagte Mayer.
Wie beschlossen müssen nun in den kommenden beiden Jahren nur noch 3,82 Euro statt bisher 4,59 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser bezahlt werden. Die Gebühr für das Niederschlagswasser bleibt unverändert bei 69 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche. Die Gemeinde sei „bestrebt, die Gebühren für die Bürger einigermaßen konstant zu halten und große Sprünge zu vermeiden“, sagte Mayer mit Blick auf die Stadt Plochingen, wo unlängst eine Erhöhung der Wassergebühr von bis zu 56 Prozent beschlossen worden war. Daher seien künftig notwendige Investitionen in die Infrastruktur in der Finanzplanung bereits einkalkuliert.