Lichtenwald gilt als Künstlerdorf. Jetzt bietet die Gemeinde jungen Künstlerinnen und Künstlern, die an der Freien Kunstakademie Nürtingen studieren, eine Bühne.
Wie macht man eigentlich eine Ausstellung? Diese Frage gehört zum Lehrstoff an der Freien Kunstakademie Nürtingen (FKN). Gelegenheit dafür bietet momentan das Künstlerdorf, wie Lichtenwald häufig genannt wird, denn das kulturelle Leben in der kleinen Gemeinde ist auffallend bunt und vielfältig und weit über den Schurwald hinaus bekannt – und das trotz schwieriger Zeiten für die Kunst allgemein.
Für die Schau im Dorf bietet das 50-jährige Bestehen der Akademie den Anlass, die unter dem Titel „Immer anders – Die FKN auf Tour“ aktuelle Arbeiten von Studierenden zusammengestellt hat. Zu sehen sind Malerei, Zeichnung, Druckgrafik und Fotografie. Die Vernissage findet am Sonntag, 8. Februar von 11 bis 14 Uhr im Bürgerzentrum statt.
Kultur in Zeiten von Sparrunden im Kreis Esslingen
Die Macher der Schau hoffen vor allem auf junge Gäste und auf Interessierte, die mit den bei der Vernissage anwesenden Dozenten über die Studieninhalte und den Zugang zur FKN sprechen wollen, denn die Zahl der Studierenden sei bei der FKN rückläufig. Gerade in einer Zeit, in der Kultur stark unter Sparmaßnahmen leidet, sollen Kultureinrichtungen sichtbar bleiben und junge Menschen für künstlerische Bildungswege begeistern, erklären die Akteure.
Wer mit wachen Augen durchs Bürgerzentrum geht, kann Überraschendes bereits im Treppenhaus entdecken wie beispielsweise die Arbeit „Growth“ von Natasha Neibert. Schmale Streifen Bambuspapier hat die Künstlerin mit feinen Bambusmotiven bemalt, die Stück für Stück übereinander baumeln und an die Segmente erinnern, die typisch für Bambushalme sind.
Freie Kunstakademie Nürtingen feiert runden Geburtstag
Bei der Schau haben wieder die beiden Kulturbeauftragten Gerti und Walter Grupp, die das Kulturprogramm ART Lichtenwald verantworten, die Hände mit im Spiel. Und das kam so: Cristina Vasilie, die an der FKN studiert, seit 12 Jahren in Lichtenwald lebt und sich ebenfalls für ART Lichtenwald engagiert, hatte die Idee, den runden Geburtstag der FKN für eine Ausstellung in Lichtenwald zu nutzen.
Von einer schönen Gelegenheit, die Ausstellungspraxis zum Lehrinhalt zu machen, sprechen die beiden FKN-Dozenten Professor Thomas Heger und Egmont Pflanzer, die die Schau kuratiert haben. Es sei wichtig, den Raum zu erobern trotz der vielen Fenster und Heizkörper. „Man hat als junger Künstler nicht gleich die ideale Galerie zur Verfügung“, auch das gelte es zu lernen, sagt Thomas Heger, der an der FKN Malerei und Grafik unterrichtet. Typisch für die FKN sei, dass dort Studierende jeden Alters in engem Austausch mit Lehrenden und Kommilitonen lernen und arbeiten.
Freizügige Fotografien in Lichtenwalder Ausstellung?
Weil weniger Platz zum Hängen sei als gedacht, müssten einige Arbeiten in der Mappe bleiben genauso wie einige zu freizügige Fotos von Zirkusartistinnen, denn es gelte Rücksicht zu nehmen. Die Räume seien keine Galerie, in der man auf Kunst vorbereitet ist, sondern werden auch während der Ausstellung vielfältig genutzt vom Kinderchor, als Bürgercafé oder für Tanzabende, ergänzt Gerti Grupp, die die Kommune für die Unterstützung der Kultur im Dorf lobt.
Die Gäste der Vernissage erwartet neben der Schau eine Live-Kunstaktion der FKN-Künstlergruppe Tatatata, an der die Gäste teilnehmen können. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Ferdinand Rentschler und Uta Spiegel vom FKN-Vorstand gibt es Musik vom Jugendchor „Maxis“ des Gesangvereins Frohsinn und eine kleine Bewirtung bei freiem Eintritt. Zu sehen ist die Schau an den Sonntagen 1. und 8. März jeweils von 13 bis 15 Uhr sowie bei Veranstaltungen im Bürgerzentrum. Informationen zur FKN unter: www.fkn-kunstakademie.de.