Unterkühltes Miteinander: Max Verstappen (links) und Lewis Hamilton. Foto: dpa/Hasan Bratic

Lewis Hamilton und Max Verstappen schenken sich gar nichts – und kollidieren immer wieder. Freunde werden die beiden Alphatiere ganz sicher nicht mehr.

Stuttgart - Lewis Hamilton und Max Verstappen würdigen sich auf dem Podest keines Blickes. Dann verlässt Verstappen die Zeremonie extrem früh und will nichts mehr mitbekommen von den Freudentänzen des Siegers. Nie war die Stimmung zwischen den beiden Piloten derart schlecht.

 

Die Formel 1 bekommt in Abu Dhabi zum Saisonabschluss ein an Spannung kaum zu überbietendes Finale – mit zwei Titelaspiranten, die sich immer weniger riechen können. In den Vereinten Arabischen Emiraten könnte der Streit am kommenden Sonntag (14 Uhr) eskalieren. Hamilton und Verstappen gehen nach der abermaligen Feindberührung in einem verrückten Rennen in Dschidda punktgleich ins Finale. Das passiert in der Königsklassen-Geschichte erst zum zweiten Mal: 1974 setzte sich McLaren-Fahrer Emerson Fittipaldi in den USA gegen Clay Regazzoni von Ferrari durch.

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Hamilton oder Verstappen? Der achte Titel oder der erste? Ein Crash, bei dem die Streithähne ausfallen, würde Verstappen zum Weltmeister machen, weil er neun Rennen gewann und Hamilton eines weniger. „Für ihn spielt es keine Rolle, wenn wir nicht ins Ziel kommen – für mich schon“, sagt der siebenmalige Champion und weiß über seinen Nachteil durchaus Bescheid.

Die Teamchefs schließen ein weiteres Crash-Szenario derweil aus – vermutlich möchten sie den Zwist zwischen den beiden Piloten nicht noch weiter befeuern. „Wir wollen den Titel auf der Strecke gewinnen, nicht in der Rennleitung oder im Kiesbett“, sagt der Red-Bull-Teamchef Christian Horner, obwohl ihm eine weitere Kollision den Fahrertitel bescheren würde. Und das zuvor sehr aufgebrachte Gemüt von Mercedes-Sportchef Toto Wolff kühlte sich nach den V orkommnissen in Saudi-Arabien irgendwann auch wieder ab. „Ich glaube, es wird nicht eskalieren“, sagte der Österreicher mit Blick auf das entscheidende Saisonrennen. „Das waren heute so viele Warnschüsse für alle Beteiligten, dass es sauber abgehen wird und sauber abgehen muss.“

Der dritte Knall

Das Duell zwischen König Hamilton und Kronprinz Verstappen wurde nicht zum ersten Mal in dieser Saison mit harten Bandagen geführt. Richtig los ging es im zehnten Rennen in Silverstone. Verstappen gewann am Samstag lässig den ersten Sprint der Formel-1-Geschichte und startete von der Pole-Position – ausgerechnet in Hamiltons Heimrennen. Der Engländer holte dann in der ersten Kurve die Brechstange raus, Verstappens Rennwagen blieb liegen, während Hamiltons Auto weiterfahren konnte und ihn zum Sieger machte. Dass der Brite ausgelassen feierte, während Verstappen noch zur Untersuchung im Krankenhaus lag, löste bei Red Bull und seinem Piloten Empörung aus. „Diese Feierlichkeiten, während ich noch in der Klinik war, sind respektlos und unsportlich“, sagte Verstappen nicht zu Unrecht.

Der zweite heftige Unfall zwischen den Alphatieren ereignete sich im 14. Rennen in Monza. Nach einem verpatzten Boxenstopp fiel Verstappen hinter Hamilton zurück und wollte schnell wieder an ihm vorbei – diesmal war der Niederländer der Mann mit der Brechstange. Beide bretterten ins Kiesbett und schieden aus, wobei der Cockpitschutz Halo Hamilton wohl das Leben rettete. „Ich war etwas überrascht, dass er sich nicht einmal erkundigt hat, wie es mir geht“, wunderte sich der Brite über Verstappen.

Große Spannung

In Dschidda wurde nun die nächste Eskalationsstufe erreicht. Und was passiert in Abu Dhabi? Die Formel 1 und ihre Fans sind gespannt darauf. „Freunde werden die beiden nicht mehr“, sagt jedenfalls der Red-Bull-Berater Helmut Marko – und trifft damit den Nagel auf den Kopf.