Kärcher will sich auch in der Flüchtlingshilfe engagieren. Foto: dpa

Die Gemeinde Leutenbach und die Firma Kärcher wollen in Sachen Flüchtlings-Unterbringung zusammenarbeiten: Die Firma soll Grundstück und Systembauten für bis zu 240 Asylsuchende bereitstellen.

Leutenbach - Vor rund zehn Jahren hatte der damalige französische Innenminister Nicolas Sarkozy mit der Aussage für Wirbel gesorgt, er wolle die Migrantenviertel der Pariser Vorstädte „mit dem Kärcher“ säubern. Der Satz zog den Protest wütender Bewohner nach sich – und den der Winnender Firma, die ihren Namen missbraucht sah. Nun schafft es der Reinigungsgerätehersteller in gänzlich gegenteiliger Sache in die Schlagzeilen: Kärcher will der Gemeinde Leutenbach helfen, Asylbewerbern ein Dach über dem Kopf zu schaffen.

Geht es nach dem Vorschlag der Verwaltung, vermietet Kärcher ein Grundstück an die Gemeinde, das an der Kreisstraße 1898, unterhalb des B-14-Kreisels, liegt. Die Kärcher-Tochter Futuretech soll dort Unterkünfte in modularer Systembauweise aufstellen. „Technisch gesehen handelt es sich um Container, sie haben allerdings ein Schrägdach“, erklärt ein Kärcher-Sprecher. Neben den Wohnräumen sind auch Küchen, Aufenthaltsräume und Sanitäranlagen Teil der Unterkunft. Sie soll insgesamt 240 Plätze bieten. Kärcher liefert ähnliche Unterkünfte auch an Hilfsorganisationen – „und überall sonst, wo ein schnelles Aufstellen gefragt ist“, erklärt der Unternehmenssprecher. Die in Leutenbach geplanten Container seien über mehrere Jahre nutzbar. Das Gelände ist ein Teil des ehemaligen Pfleiderer-Areals, das Kärcher sukzessive gekauft hatte. Es wird bis auf Weiteres nicht von der Firma gebraucht: „Unser jetziges Gelände ist halb so groß wie das Pfleiderer-Areal, das hat uns seit 1939 ausgereicht“, so der Kärcher-Sprecher

„Auf keinen Fall alleinstehende Männer“

Der Leutenbacher Bürgermeister Jürgen Kiesl sagt, die Zusammenarbeit mit Kärcher sei das „Licht am Ende des Tunnels“. Die Gemeinde hatte 2012 zu den ersten gehört, die dem Landkreis ein Gebäude für 59 Flüchtlinge zur Verfügung stellte. Die Baracke an der Ziegeleistraße ist allerdings inzwischen in die Jahre gekommen. Vergangene Woche geriet sie durch eine Großrazzia der Polizei in die Schlagzeilen. Kiesl betont allerdings, zwischen den Leutenbacher Bürgern und den Bewohnern der Unterkunft habe es nur wenige Probleme gegeben. Die meisten Straftaten hätten sich innerhalb der Unterkunft sowie in anderen Orten abgespielt. „Dennoch muss es in der neuen, größeren Unterkunft eine noch intensivere Betreuung durch das Landratsamt und durch Ehrenamtliche geben“, sagt er. „Auf keinen Fall sollen dort 250 alleinstehende Männer einziehen, ein beträchtlicher Anteil der Bewohner sollen Familien sein“, sagt Kiesl.

Die Containerlösung ist laut der Gemeinde um die Hälfte günstiger als ein festes Gebäude, auch die Nutzung von Hallen – und damit Nachteile im Schul- und Trainingsbetrieb – entfielen damit. „Alle Alternativen wären deutlich schlechter für den Landkreis, die Gemeinde und für die Flüchtlinge“, meint Jürgen Kiesl. So gebe es in Leutenbach keinen freien Platz im Gewerbegebiet wie in anderer Kommunen, außerdem lasse sich die Unterkunft schnell wieder abbauen, zusammenklappen und dann wiederverwenden.

Die Gemeinde, der Landkreis und die Firma prüfen derzeit, ob der Containerlösung noch etwas entgegenstehen könnte. Kiesl wünscht sich binnen weniger Wochen einen Bebauungsplan. Am 10. März will er das Vorhaben dem Leutenbacher Gemeinderat präsentieren. Anschließend sollen die Pläne auf einer Bürgerversammlung diskutiert werden. Der Bürgermeister rechnet dort mit einer kritischen Diskussion – „aber nicht mit Tumult. Die Leutenbacher wissen, dass hier die Rechtspflicht besteht und die Menschen menschenwürdig untergebracht werden müssen.“

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