Melda Köse, Can-Luca Schäfer, Tabea Frank, Adam Schwarzbacher ziehen zum Schuljahresende Bilanz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das Schuljahr geht zu Ende – welche Höhepunkte hatte es zu bieten? Welche Themen fehlen im Unterricht? Vier Neunt- und Zehntklässler am Zeppelin-Gymnasium in Stuttgart blicken zurück.

Stuttgart - Das Schuljahr geht an diesem Freitag zu Ende. Schon in der gesamten vergangenen Woche vor den Sommerferien findet traditionell kein Unterricht mehr statt, sie gleicht dem langsamen Auslaufen nach einem Marathon. So auch am Zeppelin-Gymnasium in der Neckarstraße. Am Donnerstagmorgen versammeln sich die Klassen im Schatten der großen Bäume am Straßenrand, um zu einem letzten gemeinsamen Wandertag nach Degerloch aufzubrechen.

Mit dem Blick auf die langen Ferien gerichtet fällt es den Schülerinnen und Schülern gar nicht so leicht, das abgelaufene Jahr zu rekapitulieren. Ein Ereignis sticht dann aber doch heraus: Vor einigen Wochen ging es für die Zehntklässler nach Berlin. „Für uns in der Zehnten war es eine gute Erfahrung, die Hauptstadt kennen zu lernen und auch etwas zusammen mit den Klassenkameraden und den Parallelklassen zu unternehmen“, sagt der 16-jährige Adam Schwarzbacher.

Mit dem Fahrrad, dem Bus, mit dem Boot auf der Spree oder zu Fuß erkundeten die Schüler die Hauptstadt. „Man erfährt dort viel über die Vergangenheit. Egal, wo man hinschaut, alles hat einen geschichtlichen Hintergrund“, ergänzt die 16-jährige Melda Köse.

Mehr Abwechslung und Innovation im Unterricht

Für die Neuntklässlerin Tabea Frank steht der Trip erst im nächsten Jahr an. Sie hatte im abgelaufenen Jahr vor allem mit der Mathematik zu kämpfen – eine Erfahrung, die sie mit ganzen Generationen von Neuntklässlern teilt. „Jetzt baut langsam alles aufeinander auf. Wenn man am Anfang nicht aufpasst, ist man später komplett weg“, sagt die 15-jährige. Dabei sei Mathe eigentlich ein „cooles“ Fach, aber im Dickicht von Parabeln, Mitternachtsformeln und dem Rechnen mit Sinus, Kosinus und Tangens geriet sie etwas ins Straucheln.

Bei ihrem Klassenkameraden Can-Luca Schäfer lief es dagegen erstaunlich glatt. „Besser als im Jahr zuvor“, sagt der 16-jährige. Besonders Biologie und Sport haben es ihm angetan, was nicht zuletzt an der Art des Unterrichts liege. „Unser Sportlehrer lebt seinen Beruf richtig. Man spürt, dass er gern etwas mit den Schülern macht, sie verstehen möchte. Bei anderen fehlt manchmal etwas das Herz bei der Sache“, so Schäfer.

Grundsätzlich sei der Unterricht schon gut, sagen die vier Schüler, und schieben dann ein großes Aber hinterher: „Er müsste abwechslungsreicher sein. Man müsste mehr digital arbeiten, ab und zu auch mal raus an die frische Luft gehen“, findet Melda Köse. Und Adam Schwarzbacher wünscht sich mehr Innovation im Unterricht. Außerdem teile sich so mancher Lehrer die Zeit nicht richtig ein, so dass es knapp wird vor der Klausur. Schön sei dagegen die zunehmende Arbeit in Gruppen oder am Tablet, findet Tabea Frank.

Ohnehin sind die vier Schüler mit ihrer Schule, dem altehrwürdigen Zeppelin-Gymnasium, im Großen und Ganzen sehr zufrieden: „Die Schule ist eigentlich perfekt. Das Klima unter den Schülern ist gut. Es gibt kaum Mobbing-Fälle, und wenn mal etwas vorkommt, greifen die Lehrer sofort durch und reden mit den Schülern“, sagte Can-Luca Schäfer.

Folgen des Klimawandels als Unterrichtsstoff

Melda Köse gefällt die Tatsache, dass das Zeppelin-Gymnasium den Schülern mehr Freiraum gibt: Schließlich ist es eins von nur drei Einrichtungen in Stuttgart mit G9-Abitur. So gebe es zum Beispiel mehr Projekt- und Wandertage als an anderen Schulen, sagt Köse. Auch der bilinguale Zug sei ein gutes Angebot: Einzelne Fächer werden am Zeppelin-Gymnasium auf Englisch unterrichtet. Und Adam Schwarzbacher, der selbst slowakische Vorfahren hat, findet Gefallen daran, dass auch viele Mitschüler einen multikulturellen Hintergrund haben.

An den viel diskutierten Freitagsdemonstrationen haben sich die vier hingegen kaum beteiligt. „Vereinzelt sind Leute aus unserer Klasse hingegangen, aber die meisten waren nicht da“, so Schwarzbacher. Ein Grund dafür könnte die klare Ansage seitens der Lehrer gewesen sein, sagt er: „Wenn eine Klassenarbeit anstand, war klar, dass das als unentschuldigtes Fehlen gewertet wird und man ohne Diskussion eine sechs bekommt“, sagt er.

Tabea Frank hat die Kundgebungen auf dem Marktplatz zwei oder drei Mal besucht. Ihre Lehrer hätten sie vor dem unentschuldigten Fehlen gewarnt, ihr aber auch zu verstehen gegeben, dass sie grundsätzlich nichts gegen die Demonstrationen einzuwenden hätten. Dafür habe man sich im Unterricht mit den Folgen des Klimawandels befasst, sagt Melda Köse. Sie plant, im kommenden Schuljahr öfter an den Demonstrationen teilzunehmen als bislang und geht fest davon aus, dass sie auch weiterhin regelmäßig stattfinden.

In der Ferienplanung der Jugendlichen spielt das Thema Klima auch eine Rolle. Inlandsflüge zum Beispiel hält Tabea Frank für „absolut sinnlos“. Und Melda Köse fliegt in zwei Wochen zwar in die Türkei, versucht dafür aber, das Klima anderweitig zu schützen, zum Beispiel, indem sie weniger Plastik benutzt.

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