Bei seiner letzten Neujahrsansprache stimmt Sindelfingens scheidender OB Bernd Vöhringer zuversichtliche und nachdenkliche Tönen an. Vor großem Publikum verkündet er zudem freudige Nachrichten.
Mit einer Stunde Verspätung startet der Neujahrsempfang der Stadt Sindelfingen. Grund dafür ist kein Stau auf den Straßen, sondern der große Andrang, der am Sonntag in der Stadthalle herrscht. Einer nach dem anderen will Bernd Vöhringer (CDU), dem Oberbürgermeister, der im Mai nach 24 Jahren das Zepter im Rathaus abgeben wird, noch einmal die Hand schütteln. Als Vöhringer schließlich am Rednerpult das Wort ergreift, wird dem 56-Jährigen trotz langjähriger Routine wohl endgültig klar geworden sein, dass dieser Neujahrsauftritt sein letzter als Sindelfinger Stadtoberhaupt sein wird. Entsprechend weit holt der scheidende OB aus in einer Rede, die Sindelfingens drängende Themen genauso anspricht wie das große Ganze in Deutschland im Jahr 2025.
Sindelfingen ist durch „Multikulti“ groß geworden
„Sindelfingen ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort, in starken Schulen und Kitas fördern wir unsere Jüngsten, und wir haben tolle Angebote in Sport, Kultur, im sozialen Bereich und der Freizeit“, sagte Vöhringer. Immer wieder betont der 56-Jährige, welche Bedeutung die Vielfalt für den Aufstieg Sindelfingens zu einer Stadt mit wirtschaftlicher Strahlkraft gehabt habe. „Das ist das Besondere. Wir stellen das Verbindende über das Trennende. Wir haben erkannt, dass Vielfalt ein Synonym für Stärke ist.“
Vöhringer erinnert an eine starke Zivilgesellschaft
Weil die Stadtgesellschaft während Corona oder nach Beginn des Ukrainekrieges Zusammenhalt und Lösungsbereitschaft gezeigt habe, schöpfe er Hoffnung, dass das Miteinander „auch in bevorstehenden schwierigeren Zeiten“ gepflegt werde: „Eine resiliente Stadtgesellschaft verzagt nicht, sondern bleibt zuversichtlich und findet gemeinsam die Stärke, schwierige Situationen bestmöglich zu meistern und weiterzumachen.“ Resilient, so wünscht sich der OB, der im Dezember vergangenen Jahres einer erneuten Kandidatur für die Wahl im Mai überraschend eine Absage erteilt hatte, seine Heimatstadt. Das fange bei den Jüngsten an. Dass die Stadt ein Sondervermögen von 50 Millionen Euro im „Masterplan Schulen“ bereitgestellt habe, zeige, dass Bildung groß geschrieben werde. Unter anderem den Grund- und Gemeinschaftsschulen in Maichingen, im Hinterweil, auf dem Goldberg oder in Darmsheim kämen diese Investitionen zu Gute.
Schulen und Kitas finanziell fördern
Ob für die Revitalisierung der Innenstadt oder den Ausbau der Verkehrswege rund um die A 81 – auch die städtische Infrastruktur solle in Zukunft mit Millionenbeträgen modernisiert werden. Die Frage, ob auch ein großflächig umgebautes Badezentrum irgendwann im Haushalt auftauchen werde, dürfte der Rathauschef wohl seinem Nachfolger und dem aktuell gewählten Gemeinderat überlassen. Mit 100 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen mehr als veranschlagt werde das Stadtsäckel dieses Jahr praller sein. Aktuell rechnet die Stadt mit 203 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen.
Gleich zwei Neueröffnungen stehen an
Seine letzte Neujahrsansprache nutzte der 56-jährige Langzeit-OB auch für Ankündigungen. Die geplante Eröffnung der Traditionsgaststätte Hirsch in der Altstadt pünktlich vor der Biergartensaison sorgte in der Stadthalle genauso für Freude wie die für das Frühjahr geplante Eröffnung eines Aussichtspunkts auf der höchsten Stelle Sindelfingens, der Dachsklinge. „Dort können Besucher eine Aussicht genießen, die bei gutem Wetter bis zur Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald reicht“, frohlockte Vöhringer, während der Saal applaudierte.
Der Abschied vom Chefsessel im Sindelfinger Rathaus, betonte der über Jahrzehnte populäre Oberbürgermeister, erfülle ihn zwar mit Wehmut, er schaue aber auch freudig auf die Zeit danach. „Im Städtle werden wir uns auch dann wieder begegnen – von Bürger zu Bürger“, kündigte der OB an.
Besondere Gäste beim Empfang
Bühnenprogramm
Für Stimmung sorgte die Musikkapelle Maichingen unter der Leitung von Dirigent Daniel Crespo. Außerdem betraten der Musicalchor des Goldberg-Gymnasiums, die Sportakrobaten des VfL Sindelfingen und die Sternsinger der Katholischen Gemeinden die Bühne.
Gäste aus der Politik
Neben Landrat Roland Bernhard und Böblingens OB Stefan Belz waren auch die Böblinger Abgeordneten aus Bund und Land zu Vöhringers letztem Neujahrsempfang gekommen.