Der Erwerb von Fachkenntnissen entscheidet darüber, ob eine Ausbildung erfolgreich verläuft. Aber nicht nur, wie auf der Ausbildungsmesse in Esslingen zu erfahren war.
Disziplin war lange Zeit kein Wort, das Sympathien hervorrief. Keines, um wichtige Soft Skills zu benennen, die Auszubildende mit sich bringen sollten. Auf der Esslinger Ausbildungsmesse Let’s work aber fiel das Wort oft. Auch Zuverlässigkeit wurde genannt bei einer Umfrage. Bei dieser Umfrage interviewte die Berufsberaterin Gabriele Richardson von der Arbeitsagentur Esslingen Aussteller auf der Messe, um einen Workshop zum Thema Knigge vorzubereiten. Eine Schule in Plochingen hatte sie darum gebeten.
Knigge, also Umgangsformen, scheinen ein großes Thema in Schulen zu sein – aber auch bei den befragten Unternehmen und Einrichtungen. Die Befragten gaben bereitwillig Antwort. Es war offenkundig, dass ihnen das Thema auf der Seele brannte.
Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind bei Berufsanfängern nicht immer selbstverständlich
Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind für Wolfgang Basso die ersten Begriffe, die ihm auf die Frage einfallen, welche Eigenschaften ein Auszubildender mitbringen sollte. Basso ist Produktionsleiter in der Bäckerei Schultheiss, einem Familienbetrieb im Kreis Esslingen. Kritikfähigkeit und Ehrgeiz sind weitere Eigenschaften, die Nicole Schultheiß – verantwortlich für PR und Werbung – einwirft.
Befragt nach Auffälligkeiten in Gesprächen etwa mit Bewerbern oder jungen Arbeitnehmern, fällt Schultheiß eine Beobachtung ein, die stutzig macht: „Einige haben Probleme, Augenkontakt zu halten.“ Das wirft die Frage nach dem Selbstbewusstsein und der Selbstständigkeit auf. Bei Arbeitgebern auf der Ausbildungsmesse ist das ein großes und wiederkehrendes Thema. Konkretes Beispiel: Es gibt Fälle, bei denen ein Bewerber zum Vorstellungsgespräch seine Eltern mitbringt. Das wirkt nicht gerade selbstständig.
„Ein Lächeln kostet nichts, eine griesgrämige Miene im Zweifelsfall den Kunden“
Umgekehrt ist aber auch zu hören, dass viele Bewerber großspurig, ja sogar arrogant auftreten. Auch das, so die einhellige Meinung der Befragten, macht keinen guten Eindruck. Eine positive Rolle spielt dagegen Freundlichkeit und Offenheit. Basso bringt es so auf den Punkt: „Ein Lächeln kostet nichts, eine griesgrämige Miene im Zweifelsfall den Kunden.“
Auch Kleider machen Leute: „Die Jogginghose am ersten Arbeitstag, das kommt nicht so gut an“, weiß Yilmaz Busra, die beim Stahlbau- und Schlossereiunternehmen Roleff eine Ausbildung zur Kauffrau Büromanagement macht. Ibis Tulay von der Personalabteilung unterstreicht dies: „Besser zu fein kommen am ersten Tag als umgekehrt.“ Ist man dann im Unternehmen, kann man sich umschauen, wie sich die Leute kleiden.
Knigge-Expertin: „Der erste Eindruck zählt“
Oder einfach nachfragen, rät die Knigge-Expertin Gudrun Weichselgartner-Nopper, die auf der Karrieremesse einen Vortrag hält. „Wie ist der Dress-Code in Ihrer Firma?“, sei eine legitime Frage, bevor es zu einem ersten Treffen kommt. Im Zentrum ihres Vortrags stand der wichtige erste Eindruck, der zählt, etwa bei einem Bewerbungsgespräch.
„Wie lange dauert es wohl, bis sich jemand von einem Gegenüber ein Bild gemacht hat?“, frage sie in die Runde der Zuhörerschaft. Gleich in der ersten Reihe meldete sich jemand: „Zehn Minuten“ Nein, so lange dauert es nicht, im Gegenteil: „Wenige Sekunden“, klärte Weichselgartner-Nopper auf. So lange hat also beispielsweise ein Bewerber Zeit, um im Bewerbungsgespräch auf Anhieb einen guten Eindruck zu machen. „Die erste Chance ist oft die einzige Chance“, sagt auch Richardson, die viel in Schulen unterwegs ist, um die Schülerinnen und Schüler auf das Arbeitsleben vorzubereiten.
„Zuverlässigkeit, Begeisterung, Neugierde“ – das sind die zentralen Eigenschaften, die Norbert und Sybille Kütter vom Maler- und Lackiererunternehmen „Kütter & Scharpf“ anführen. Immer wieder zu hören ist auf der Messe außerdem: „Eine gute Vorbereitung“. Wer zu einem Bewerbungsgespräch geht, ohne genau zu wissen, was das Unternehmen macht, bei dem man sich bewirbt, hat keine guten Karten. Dabei fängt diese Vorbereitung auch schon lange vor dem ersten Treffen am Arbeitsort statt. „Wer sich im Alltag gut benimmt, hat es auch einfacher auf der Arbeit“, rät Richardson. „Das sind oft einfache Dinge, wie zum Beispiel das Aufstehen für ältere Menschen im Bus.“
„Let’s Work“ soll es auch im nächsten Jahr wieder geben
Auch die Karrieremesse kann der Vorbereitung dienen – und zugleich ein erster Anknüpfungspunkt sein, der in den Beruf führt. „Let’s Work“ wird es auch im künftigen Jahr wieder geben, und auch wieder an dem von Messeteilnehmern und Besuchern gleichermaßen gut angenommenen Veranstaltungsort, dem Esslinger Dick-Center. Das verspricht Nico Bosch, der als Head of Messe & Events bei der Südwest Media Network die Veranstaltung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, der IHK und dem Landkreis organisiert. „Es war eine richtige Entscheidung, ins Dick zu gehen. Und wir werden auf jeden Fall wiederkommen.“