Marie Mouroum in der Tanzshow „Let’s Dance“ Foto: RTL/Stefan Gregorowius

Sie hat in „Black Panther“ Superschurken verprügelt. Doch in der TV- Show „Let’s Dance“ lauern größere Herausforderungen, sagt Deutschlands beste Stuntfrau Marie Mouroum.

Marie Mouroum ist Stuntfrau und hat schon in einigen Marvel-Superhelden-Filmen mitgespielt. Im Interview verrät die Berlinerin, was sie davon hält, dass es ab 2028 einen Stunt-Oscar gibt, was sie bei „Let’s Dance“ gelernt hat, und ob eine Kampfsport-Ausbildung einen vor rassistischen Angriffen schützt.

 

Frau Mouroum, fühlen Sie sich in Stöckelschuhen genauso wohl wie in Turnschuhen?

Ne, gar nicht! Die hohen Schuhe sind immer noch der absolute Endgegner. Das ist das Allerschlimmste.

Marie Mouroum mit ihrem Tanzpartner Alexandru Ionel Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Das merkt man bei Ihren Tanzszenen in „Let’s Dance“ aber gar nicht.

Das freut mich, dass Sie das so sehen. Aber dafür musste ich sehr lange üben. Und am Anfang sah das total unbeholfen aus. Zum Glück wissen nur mein Tanzpartner Alexandru und ich die ganze Wahrheit.

Hilft Ihnen die Stunt-Erfahrung dabei, zu lernen in hohen Schuhen zu tanzen?

Ja, das ist wie auch sonst beim Training: Wenn du Stuntfrau bist, lernst du durchzuhalten und dranzubleiben.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Stuntarbeit und dem Tanzen?

Tatsächlich sind die Choreografien sehr ähnlich. Es geht stets darum, Abläufe auswendig zu lernen. An typische Bewegungsmuster erinnert sich dann der Körper, und es geht wie von selbst. Bei Stunts kann ich so ein Körpergedächtnis abrufen, beim Tanzen nicht. Ich dachte da immer: Ich bin doch eigentlich Sportlerin, warum fühle ich mich hier wie der unsportlichste Mensch der Welt?

Aber Sie haben offenbar dazugelernt.

Ja, es wird von Mal zu Mal einfacher. Ich kapier jetzt schneller, was die von mir wollen. Etwa wenn es heißt: „Mach mal schöne Hände!“ Ich wusste zunächst gar nicht, was das sein soll: Schöne Hände? Das ist, wenn man die Finger so abspreizt. Ich habe bei „Let’s Dance“ viel gelernt.

Es hat sich also gelohnt, mitzumachen?

Auf jeden Fall. Das ist schon eine enorme Bereicherung für mich. Auch was die Arbeit vor der Kamera angeht. Das fühlt sich ein bisschen an wie ein Schauspielkurs.

Vor allem sind Sie aber immer noch Stuntfrau. Was bedeutet es für Sie, dass es ab 2028 erstmals auch einen Oscar für den besten Stunt geben wird?

Dafür haben wir sehr lange gekämpft. Das war überfällig. Für fast alle Film-Abteilungen gibt es inzwischen ja eine Oscar-Kategorie. Nur für Stunts eben nicht. Sehr viele Menschen haben Herz, Schweiß, Blut und Tränen investiert in ihre Arbeit. Dass wir bisher übersehen wurden, ist sehr ungerecht. Auch weil bei Blockbustern Actionszenen oft 80 Prozent des Films ausmachen. Dass wir jetzt gesehen werden, ist wichtig.

Seit fast 100 Jahren werden schon Oscars verliehen. Wer hätte in all den Jahren unbedingt mal einen Stunt-Oscar erhalten müssen?

Ganz klar: Jackie Chan! Es ist unglaublich, was für Actionszenen und Stunts er sich ausgedacht und umgesetzt hat: so kreativ und so witzig. Das hat vor ihm keiner gemacht. Er hat den Actionfilm revolutioniert.

Marie Mouroum mit Jackie Chan Foto: privat

Jackie Chan hat sich bei seinen Stunts aber auch immer wieder verletzt. Geht es Ihnen genauso?

Die Gefahr ist immer da. Gerade bei eher kleinen Szenen, bei denen man mal nicht so aufpasst und unkonzentriert ist. Ich habe mir schon das Fußgelenk gebrochen, die Bänder gerissen, und so was. Aber alles Sachen, die wieder verheilt sind. Ich kenne aber Leute, die sich so schwer verletzt haben, dass sie nicht mehr arbeiten konnten. Einige sind sogar gestorben. Es ist ein riskanter, aber auch sehr schöner und spannender Job.

Muss man als Stuntfrau eigentlich alles können?

Meistens hat man eine Spezialität. Bei mir ist das der Kampfsport. Ich bin inzwischen aber auch sehr gut, wenn es ums Auto- oder Motorradfahren geht.

Und was können Sie nicht so gut?

Reiten. Einige interessante Jobs musste ich deswegen schon absagen. Auch bei Unterwasser-Stunts bin ich etwas zaghaft. Und wenn Feuer zum Einsatz kommt, überlasse ich das ganz gerne den Experten.

Marie Mouroum: Showreel

Haben es Frauen in dem Job schwerer?

Als ich angefangen habe, war es noch schwieriger. Da gab es nicht so viele Stuntszenen für Frauen. Inzwischen ist das aber besser geworden. Ich glaube, das ist jetzt eigentlich ziemlich ausgeglichen.

Marie Mouroum (dritte von links) in „Black Panther“ Foto: Disney

Als Stuntfrau darf man aber nicht zu eitel sein, oder?

Wenn man als Stuntdouble arbeitet, ja. Wenn du für jemand anders einspringst, soll man dich ja nicht erkennen. Viele die das machen, wollen aber auch gar nicht berühmt sein, mögen ihre Privatsphäre. Nicht jeder will den Ruhm.

Sie arbeiten dagegen nicht nur als Stuntdouble. Sie waren in drei Marvel-Filmen in der Rolle von Dora Milaje zu sehen und haben zuletzt in dem Kinofilm „60 Minuten“ an der Seite von Emilio Sakraya eine Hauptrolle gespielt.

Ja, tatsächlich ist es mir wichtig, immer mehr zu spielen, meinen Körper mehr und mehr in eine sichere Richtung zu bewegen.

Marie Mouroum in dem Film „60 Minuten“ Foto: Netflix/Nocturna Productions

Stimmt es eigentlich, dass Ihre Mutter Sie als Kind zum Kampfsport angemeldet hat, damit Sie sich gegen rassistische Übergriffe wehren können?

Sie wollte vor allem, dass ich lerne, mich zu wehren. Das hatte vielleicht auch mit der Angst vor Rassismus zu tun

Mussten Sie Ihre Fähigkeiten schon einmal zur Selbstverteidigung anwenden?

Nein, zum Glück musste ich mich nie verteidigen. Das könnte aber auch mit dem Selbstbewusstsein zu tun haben, das man ausstrahlt, wenn man Kampfsport macht. So entgeht man vielem.

Marie Mouroum: Stuntfrau und Schauspielerin

Karriere
Marie Mouroum kommt am 6. Juli 1992 in Berlin zur Welt, beginnt schon als Kind mit Kampfsport. Als 18-Jährige hat sie ihre erste Filmrolle in „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“. Sie hat als Stuntdouble unter anderem in Filmen wie „The Hunger Games – Mockinjay Teil 1“, „Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers“ oder „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“ mitgewirkt und hatte Rollen in Filmen wie „Avengers: Infinity Wars“, „Black Panther“, „Avengers: Endgame“, „Tribes of Europe“ und „60 Minuten“.

Show
Marie Mouroum tanzt seit Februar in der 18. Staffel von „Let’s Dance“ bei RTL. Ihr Partner ist der ehemalige Profitänzer Alexandru Ionel. In der neunten Show begeisterte sie mit ihrer „Magic Moment“-Choreografie, bei der sie ihre Karriere als Stuntfrau tänzerisch interpretierte. Hier kann man die Tanzeinlage als Video sehen. Inzwischen gilt sie als eine der Favoritinnen der Show. Die nächste Episode wird am Freitag, 9. Mai, ausgestrahlt.