Nervös vor dem Auftritt in der eigenen Heimatstadt: Die Autorin Christine Traber aus dem Westen. Foto: Benjamin Schieler

Die Autorin und Kunsthistorikerin Christine Traber stellt im Literaturhaus Stuttgart mit Ingo Schulze fantastische Geschichten vor. Den moralischen Zeigefinger sucht man in ihren Märchen für Erwachsene vergebens. Er ist dem Duo zuwider.

S-West Eugène Delacroix hat die Stuttgarter Kunsthistorikern Christine Traber und den Berliner Schriftsteller Ingo Schulze 2009 zusammengeführt. Für einen Sammelband ersann Schulze eine Erzählung zum Gemälde „Tasso im Irrenhaus“ des französischen Romantikers, die Traber lektorierte. Da der Kunsthistorikerin Schulzes Blick auf die Dinge gefiel, entstand eine Freundschaft voll kreativer Kraft. Schulzes neuestes Werk „Henkerlos“ mit Märchen für Erwachsene stellt das Duo am Dienstag im Literaturhaus vor.

Für die gebürtige Cannstatterin Traber, die nach dem Studium in Berlin seit 13 Jahren im Westen lebt, hat das Heimspiel einen speziellen Charakter. „Ich bin aufgeregter als sonst“, gesteht sie – und das will etwas heißen, hat sie doch Lesungen an besonderen Stätten hinter sich: Im Berliner Literaturhaus zum Beispiel, wo die aus dem Literarischen Quartett des ZDF bekannte Sigrid Löffler moderierte. Oder in der durch die Lampedusa-Flüchtlinge in die Schlagzeilen geratene Hamburger St.-Pauli-Kirche. Auf Einladung des Goethe-Instituts lasen Schulze und Traber auch in Mailand.

Das Goethe-Institut gab den Anlass für den Märchenband

Just das Goethe-Institut brachte den Stein für den Märchenband ins Rollen, als es zum 200-Jahr-Jubiläum der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen sieben deutsche und sieben italienische Schriftsteller dazu aufrief, Werke der Gebrüder Grimm neu zu interpretieren. Die Anfrage ging an Ingo Schulze, dem jedoch die zündende Idee fehlte und der deswegen einen Hilferuf gen Stuttgart sendete. „Wir haben das zusammen gemacht und so viel Spaß gehabt, dass wir mehr schreiben wollten“, sagt Christine Traber.

So entstand „Henkerslos“, ein Band mit acht Geschichten, zu denen der Künstler und Kinderbuchautor Sebastian Meschenmoser Illustrationen beisteuerte. Doch kindlich sind Schulzes und Trabers Märchen nicht. Zielgruppe sind Erwachsene, dem Duo war der erhobene moralische Zeigefinger zuwider. „Kein Mensch ist nur gut oder böse“, sagt Traber. Und so wimmelt es in den Märchen zwar von mythischen Gestalten. Die jedoch sind reichlich undurchschaubar. Ein glückliches Leben bis an ihrer Tage Ende ist den Protagonisten nicht garantiert. Jeder kriegt was er verdient? Nicht in „Henkerslos“. Die Märchen macht das unvorhersehbar.

Traber gibt sich geheimnisvoll

Während sich Schulze und Traber zurzeit auf ihre Lesung am Dienstag, 17. Dezember, 20 Uhr, im Literaturhaus vorbereiten, arbeiten sie parallel bereits am nächsten kreativen Projekt. Christine Traber gibt sich dazu noch geheimnisvoll. Nur so viel sei verraten: Es hat wieder mit Kunst zu tun.

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