Stefan Kochs Lieblingsschlucht führt von Kaltental hoch nach Sonnenberg. Er wünscht sich mehr Informationen über das Naturdenkmal Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

„Schön wandern“: Mit der Aktion wollen der Schwäbische Albverein, die Brauerei Dinkelacker und die Stuttgarter Nachrichten Wandern schöner machen. Alle Tipps für Verbesserungen stammen von unseren Lesern. Eine Jury sucht die besten raus. Sie werden mit 10 000 Euro umgesetzt. Heute: die Schwälblesklinge.

Stuttgart - Der Wanderweg führt von Kaltental steil bergauf nach Sonnenberg. „Im Sommer ist es hier schön schattig. Und im Winter meint man, durch einen Eistobel zu gehen. Überall hängen dann Eiszapfen an den Felsen“, sagt Stefan Koch. Der 73-jährige Autor von Wanderführern hält die Schwälblesklinge für die schönste der rund hundert Klingen in der Region Stuttgart. Sechs davon, darunter auch die Schwälblesklinge, sind Naturdenkmale. „Doch was genau eine Klinge ist, das wissen die wenigsten“, hat der 73-Jährige festgestellt. Deshalb wünscht er sich eine Infotafel, die erklärt, was Klingen sind: nämlich V-förmige Täler, die durch einen Bach entstanden sind.

Woher der Name Schwälblesklinge kommt, ist ungewiss

Die Schwälblesklinge hat sich in der Eiszeit gebildet und schneidet besonders tief in den Hang. „Im Gegensatz zu Tobeln oder Klammen sind Klingen an den Hängen meist bewaldet“, stellt Koch fest. Für die schönste Klinge hält er die Schwälblesklinge, weil sie extrem steil ist, interessante Felsformationen bietet und das Bachbett nicht ganz ausgetrocknet ist, sondern noch Wasser munter Richtung Tal plätschert und es sogar kleine Wasserfälle gibt. „Leider hat der Bach keinen Namen“, sagt Koch, und woher die Bezeichnung Schwälblesklinge komme, sei auch nicht gesichert: „Entweder daher, dass es hier mal viele Schwalben gegeben hat, oder weil bei Starkregen Wasserschwalle von oben runter ins Tal stürzen“, vermutet er.

Die Klinge ist in den sogenannten Stubensandstein eingeschnitten. Seinen Namen hat der Stein, weil er zerbröselt zum Fegen der Dielenböden in den Stuben verwendet worden ist: Sein Tonanteil bindet den Schmutz. Oben an der Klinge angekommen, blickt man auf eine der größten Streuobstwiesen Stuttgarts: den Kressart. Die Streuobstwiesen gehörten früher zu einem Obstgut, das in den 1920er Jahren städtische Einrichtungen wie Krankenhäuser und Kinderheime mit Obst versorgt hat. Seit 1998 ist der Kressart Teil des Landschaftsschutzgebiets Dornhalde – Haldenwald. Weil die Obstbäume auf rutschigem Knollenmergel wachsen, sind die Stämme zum Teil sehr krumm. Unter anderem wird das auf einer der 14 Infotafeln entlang des 1,2 Kilometer langen Rundwegs um die Wiese erklärt.

Weg auch für junge Familien geeignet

Trotz starker Steigung hält Koch den ebenfalls nur gut einen Kilometer langen Weg durch die Schwälblesklinge auch für junge Familien für begehbar. „Der Wanderweg ist befestigt und so breit, dass sich auch ein Kinderwagen problemlos runter- oder raufschieben lässt“, sagt Koch und weist darauf hin, dass sich dort viele Wanderwege kreuzen, wie zum Beispiel der Hexenweg (17 Kilometer), der Rössleweg (54 Kilometer) oder der Blaustrümpflerweg (7,5 Kilometer).

Infotafeln über die Schwälblesklinge gibt es auf dem Weg durch die Schlucht zwar. „Die wichtigste fehlt allerdings. Eine Tafel mit der Information darüber, was eine Klinge ist, am besten oben am Einstieg“, sagt Koch und hofft, dass sein Vorschlag zu den Vorschlägen gehört, die verwirklicht werden sollen.

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