Wer liest, lernt neue Welten kennen – reale und fiktionale. Doch es geht noch um mehr. Lesen ist die Grundvoraussetzung, um sich Wissen selbst zu erschließen. Foto: picture alliance/dpa/Arne Dedert

Acht Autorinnen und Autoren präsentieren ihre Bücher in 52 Lesungen an zwölf Schulen in Vaihingen und Umgebung. Es sei eine Veranstaltung, wie es sie sonst in keinem anderen Stuttgarter Bezirk gebe, sagt der Hauptorganisator Frank Otto Huber. Dahinter steckt eine Mission.

Vaihingen - Für manche Kinder gibt es nichts Schöneres, als sich ein Buch zu nehmen und in eine andere Welt einzutauchen. In ihrer Fantasie sind sie dann selbst so stark wie Pippi Langstrumpf, so frech wie das Sams oder so mutig wie Harry Potter. Doch nicht wenigen Mädchen und Jungen bleibt diese Welt verborgen, sie finden nie den Zugang zum geschriebenen Wort. Hier setzt das Vaihinger Lesefest an. Alle zwei Jahre kommen Autorinnen und Autoren in den Stadtbezirk, um Schülerinnen und Schülern ihre Geschichten zu präsentieren.

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Vor Corona taten sie dasim Büchertempel im Kinderhaus Büsnau. Der langjährige Einrichtungsleiter Frank Otto Huber, der bis heute auch der Vorsitzende des Bürgervereins Vaihingen-Rohr-Büsnau ist, und sein Team hatten dort stets eine beeindruckende Kulisse aus einer Unmenge an Büchern, ein paar Lampen und einem bequemen Sessel aufgebaut, die zum Zuhören und Schmökern einlud. In Kooperation mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG fuhren Busse die Kinder dorthin. Es gab begleitende Veranstaltungen, Workshops und Gewinnspiele, unter anderem in der Stadtteilbibliothek und den Vaihinger Buchläden.

Was in der Pandemie anders ist

Doch dann kam die Pandemie. „Im vergangenen Jahr wäre ein Lesefest undenkbar gewesen“, sagt Huber. Darum musste die neunte Auflage zunächst ausfallen. Derzeit wird sie nachgeholt, allerdings finden die Lesungen ausschließlich an den Schulen statt. Beteiligt sind alle Vaihinger Schulen, zudem die Grundschule Kaltental, die Möhringer Bodelschwinghschule und die Schule für Kranke am Olgahospital. „Die Rektorinnen und Rektoren haben uns deutlich signalisiert, dass sie sich wieder ein Lesefest wünschen“, sagt Huber. Dem kann Silka Plaas, die Leiterin der Pestalozzischule, nur zustimmen. Sie betont: „Es geht um die Kinder. Sie sind so dankbar, dass mal wieder was stattfindet. Denn in der Pandemie sind viele Veranstaltungen und gemeinsame Erlebnisse weggefallen. Mich hat es sehr berührt, wie aufmerksam die Kinder waren und wie sehr sie es geschätzt haben.“

Viele unterschiedliche Akteure haben zum Erfolg des diesjährigen Lesefests beigetragen. Veranstalter sind der Bürgerverein und der Förderverein Kinder Jugend Bildung. Sabine Fecke mit ihrer Lese-Agentur kümmerte sich wieder um das Programm und organisierte die Autorinnen und Autoren. „Wir hatten schon große Namen da“, sagt Sabine Fecke. Ihr sei es wichtig, Autoren zu gewinnen, die nicht nur gut schreiben, sondern die Kinder auch packen und mitreißen können. Zudem lege sie Wert darauf, dass beim Lesefest nicht nur Bücher vorgestellt werden, welche die Kinder unterhalten, sondern auch solche, welche eine Botschaft vermitteln, zum Nachdenken anregen, ein Thema ansprechen, an dass Lehrer anknüpfen können, wenn sie es wollen. „Man erreicht nie alle Kinder. Aber mit jedem Lesefest sind es wieder ein paar mehr, die den Zugang zu Büchern finden. Das ist unsere Mission: Wir wollen Kinder zum Lesen bringen“, sagt Sabine Fecke.

Viele Akteure tragen zum Gelingen bei

Hauptsponsor der Veranstaltung ist das Energieunternehmen Scharr. Dieses unterstützt jährlich mit 4000 Euro. In diesem Jahr waren es sogar 5000 Euro. Dafür ist Huber dankbar. Denn die Kosten für das Lesefest seien verglichen mit den Vorjahren konstant. Die Einnahmen hingegen seien geringer. Denn im Büchertempel konnten mehrere Klassen gleichzeitig an einer Lesung teilnehmen. In Pandemiezeiten braucht aber jede Klasse ihre eigene kleine Lesung. Auch der Bezirksbeirat unterstützt das Lesefest mit einem Zuschuss von 2500 Euro aus seinem Kulturetat – wie schon in den Jahren zuvor. Die Veranstaltung habe ein gutes Standing. Besonders geschätzt werde, dass viele profitieren, sagt der Bezirksvorsteher Kai Jehle-Mungenast.

Pläne für das nächste Lesefest – es wäre dann die zehnte Auflage – gibt es bereits. Dieses soll dann auch wieder an einem zentralen Ort stattfinden. Das sei wichtig, sagt Silke Plaas. Das Lesefest in Pandemiezeiten an die Schulen zu holen, sei die richtige Entscheidung gewesen, „aber so ein Büchertempel bietet noch einmal eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt die Rektorin.