In der Lernfabrik Industrie 4.0 an der Kirchheimer Max-Eyth-Schule werden angehende Fachkräfte in Kooperation mit zwei weiteren Berufsschulen aus dem Kreis Esslingen auf die zunehmende Digitalisierung in den Betrieben vorbereitet.
Die Arbeitswelt ist im Wandel – um der zunehmenden Digitalisierung Rechnung zu tragen, müssen die Hebel schon in der Ausbildung angesetzt werden. Um Schüler und Schülerinnen an den beruflichen Schulen praxisnah auf dem neuesten Stand der Technik zu hoch qualifizierten Fachkräften auszubilden, ist an der Max-Eyth-Schule in Kirchheim die Lernfabrik Industrie 4.0 eingeweiht worden. Kooperiert wird mit der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen und der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen.
„Damit haben wir die Chance genutzt, in Sachen Digitalisierung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung einen weiteren Schritt nach vorne zu machen“, sagte der Landrat Heinz Eininger bei der Eröffnung. Investiert wurden 836 000 Euro – getragen vom Landkreis, dem Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und diversen Sponsoren aus der Wirtschaft.
Grundlagen für anwendungsnahe Technologien
Die standortübergreifende Lernfabrik besteht aus einem Anlagenkern in Kirchheim sowie den beiden Grundlagenlaboren in Esslingen und in Nürtingen. Auszubildende und später auch Teilnehmer von Weiterbildungslehrgängen sollen so für die digitale Produktion der Zukunft fit gemacht werden. „Auch wenn immer weniger Menschen direkt in der Produktion beschäftigt sein werden – ohne kompetente Fachkräfte, die die Maschinen steuern können, wird die Fabrik der Zukunft nicht funktionieren“, sagte der Ministerialdirektor Michael Kleiner vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium.
In der Lernfabrik können Grundlagen für anwendungsnahe Technologien und Prozesse erlernt werden. Die Berufsfelder Maschinenbau, Metall-, Elektro- und Informationstechnik werden dabei miteinander verknüpft. Gemeinsam mit den kaufmännischen Schulen kann auch der Bereich der Betriebswirtschaft und damit der gesamte Warenkreislauf abgebildet werden.
Die Digitalisierung ist längst im Alltag der Betriebe angekommen
In der Praxis funktioniert das so, dass Esslinger Schüler eine Platine etwa für einen Patch-Kabeltester entwickeln und fertigen. Die Daten werden in die gemeinsame Cloud, über die die Schulen verbunden sind, transferiert und in Nürtingen werden im 3-D-Drucker die passenden Gehäuse produziert. Die Teile aus Esslingen und Nürtingen werden in Kirchheim zusammengeführt und das fertige Endprodukt läuft dort vom Band.
„Unsere Wirtschaft steht vor enormen Umstrukturierungs- und Transformationsprozessen. Damit wir zukunftsfähig bleiben, müssen wir unsere Schüler praxisnah vorbereiten“, erklärte Heinz Eininger. Die Realisierung des Projekts habe viel Geld, Zeit und Koordination erfordert, doch die Digitalisierung sei längst im Alltag der Betriebe angekommen. Dem habe sich der Landkreis Esslingen als Schulträger zu stellen und mit der Lernfabrik Industrie 4.0 sei ein wichtiger Schritt gemacht worden.
Die Lernfabrik in Kirchheim ist im Rahmen des zweiten Förderaufrufs des baden-württembergischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus konzipiert worden. In die Einrichtung zur Ausbildung von künftigen Fachkräften wurden insgesamt 836 000 Euro investiert: 770 000 Euro in die Anschaffung von Maschinen und Geräten, 66 000 Euro flossen in Sachkosten – etwa für Schulungen und die Entwicklung der Homepage. Der Landkreis finanzierte die Lernfabrik mit 411 000 Euro, vom Wirtschaftsministerium kamen 350 000 Euro und Partner aus der Wirtschaft bezuschussten die Lernfabrik 4.0 mit 75 000 Euro.
Die duale Ausbildung stehe zunehmend unter Druck
Jeder Euro sei hier sinnvoll investiert, sagte Ministerialdirektor Kleiner. Das Land habe aktuell fast zwölf Millionen Euro für Projekte dieser Art aufgebracht. Mittlerweile gibt es insgesamt 37 Lernfabriken an beruflichen Schulen im Land. „Und jede Lernfabrik ist anders, aber alle verfolgen dasselbe Ziel: Die Vernetzung in der Produktion sichtbar machen“, so Kleiner weiter. Geschäftsführer Christoph Nold von der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen betonte, wie wichtig Leuchtturmprojekte wie die Kirchheimer Lernfabrik Industrie 4.0 sind, um die duale Ausbildung zukunftsfähig zu machen und zu stärken – auch angesichts der zurückgehenden Zahl von Ausbildungsverträgen vor allem seit der Coronapandemie. Die duale Ausbildung sei zunehmend unter Druck und stehe im ständigen Wettbewerb mit den weiterführenden Schulen und den Hochschulen. Die Lernfabrik 4.0 sei hier ein willkommenes Signal für die Fachkräfte von morgen: „Die Lernfabrik 4.0 ist auf Augenhöhe mit dem, was die Industrie heute benötigt. Dazu müssen aber alle an einem Strang ziehen und auch Geld in die Hand nehmen.“
Ein landesweites Netz mit 37 Lernorten
Förderung
Das Förderprogramm des Landes für „Lernfabriken 4.0“ hat an beruflichen Schulen in kommunaler Trägerschaft ein landesweit einzigartiges Netz von 37 Lernorten geschaffen, an denen die Digitalisierung der Wirtschaft in Aus- und Weiterbildung praktisch erlebbar wird.
Kooperation
Auszubildende bekommen die Möglichkeit, an der gesamten Produktion mitzuwirken – die komplette Prozesskette von Beauftragung über Fertigung und Materialfluss bis hin zur Auftragsabwicklung wird realitätsnah abgebildet. Die kooperierenden Schulen stehen via Cloud miteinander in Verbindung.