Schüler und Lehrer im Videochat (von oben links): Matea Glavasevic, Lisa Tommasi, Laura Di Maggio, Furkan Altun und Alessandro Totaro. Foto: privat

Das Corona-Kontaktverbot hat die Schule nach Hause verlegt. Wie geht es Jugendlichen damit? Schüler aus Stuttgart-Möhringen berichten in einer Videokonferenz von ihren gemischten Erfahrungen.

Möhringen - Eine zehnte Klasse der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule hat seit dem Kontaktverbot den Unterricht über Videokonferenzen mit ihrem Lehrer Alessandro Totaro abgehalten. Der Pädagoge hat für seine Zöglinge, die sich auf die Abschlussprüfungen vorbereiten, zur Vertiefung Lehrvideos auf Youtube gestellt. In der kommenden Woche werden die 16-Jährigen unter Sicherheitsvorkehrungen wieder in der Schule sein. In einer Videokonferenz war es vorab möglich, mit den Schülern und Totaro zu sprechen.

„Ich finde, dass der Unterricht zu Hause auch Vorteile hatte. Wir stehen vor der Prüfung und konnten uns jetzt auf Mathe, Deutsch und Englisch konzentrieren und die Nebenfächer vernachlässigen“, sagt Laura di Maggio. Der Online-Unterricht, befindet ihre Mitschülerin Matea Glavasevic, sei gut, weil man die Klassenkameraden sehe: „Das motiviert.“

Kritischer äußert sich dagegen Furkan Altun: „Es ist schon ein Nachteil, wenn man nicht zusammen im Klassenzimmer sitzt und konkret nachfragen kann. Im echten Unterricht sieht man besser, wo es hakt.“ Lisa Tommasi dagegen fand den Video-Unterricht „fast wie im Klassenzimmer“. Jeder Schüler habe die Power-Point-Präsentationen des Lehrers auf seinem Bildschirm gesehen: „Das war wie an der Tafel.“

Der Lehrer kann über die Eltern Druck zum Lernen aufbauen

„In dieser Zeit hat man auch die unterschiedliche Haltung der Lehrer erkannt“, sagt Alessandro Totaro. Es gebe Lehrer, die lediglich per E-Mail Aufgaben verschickten und die Erledigung der Aufgaben allein dem Verantwortungsgefühl der Schüler überließen. Wenn der Schüler kein Gespräch wünsche, dann rufe dieser Lehrer auch nicht an. Die andere Haltung, sagt der Pädagoge, sei, Kontakt mit den Schülern zu suchen und ihnen zu versichern, dass ihnen geholfen werde, selbst wenn sie nicht von sich aus anriefen.

„Man kann als Lehrer Druck machen, indem man mit den Eltern spricht. Man soll die Verantwortung fürs Lernen nicht auf die Jugendlichen übertragen“, sagt Alessandro Totaro. Einer seiner Schüler habe weder mitgeschrieben noch Hausaufgaben gemacht. „Ich habe dann mit den Eltern vereinbart, dass die Hausaufgaben bin zum nächsten Tag um 15 Uhr gemacht sein müssen, anderenfalls wird die Playstation des Schülers abgebaut.“ Bereits um 14 Uhr seien die Aufgaben perfekt erledigt gewesen: „Dieses Beispiel zeigt, dass man die Schüler nicht alleine lassen darf.“

Auch die kommende Zeit in der Schule wird für die Zehntklässler mit Einschränkungen verbunden sein. Worauf freuen sie sich, und was werden sie vermissen? „Wir alle freuen uns auf Mathe mit Herrn Totaro. Er ist seit sechs Jahren unser Klassenlehrer. Wir haben eine starke Bindung zu ihm. Er mag uns, und wir mögen ihn“, sagt Matea Glavasevic.

„Mir werden die gemeinsamen Ausflüge fehlen, die wir uns vorgenommen haben, bevor wir nach den Prüfungen auseinandergehen“, sagt Furkan Altun. „Auch unser Abschlussball fällt aus, das ist sehr schade“, ergänzt Laura di Maggio.

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