Wimmelbild mit Kindern im Museum: Malen, basteln, lernen. Foto: Berlinische Galerie/Pascal Rohé

Ferien – Zeit für einen Ausflug ins Museum mit dem Nachwuchs. Wie Museen den Umgang mit den jüngsten Besuchern sehen und welche Angebote es gibt.

In der Regel ist der erste Besuch entscheidend. Wenn Eltern einen weiteren Besuch im Museum vorschlagen und die Kinder freudig „au ja!“ rufen, dann hat ein Museum bei einem früheren Besuch alles richtig gemacht. Die Kinder, die in den vergangenen Monaten in der Mitmachausstellung ZOFF! im Jungen Schloss in Stuttgart waren, werden sicher begeistert herausgekommen sein und Museum als einen spannenden Ort in Erinnerung behalten.

 

Allerdings sind Ausstellungen, die eigens für Kinder konzipiert werden, eher rar. Die Kunsthalle Karlsruhe und das Junge Schloss in Stuttgart machen eigene Angebote für den Nachwuchs, dann gibt es noch die sogenannten Science-Museen wie etwa die Experimenta in Heilbronn, die ihre Ausstellungen ausdrücklich für ein junges Publikum einrichten. Der große Rest versucht eher nebenher, die Kinder mitzunehmen – mit Veranstaltungen oder einem Kinderrundgang inmitten der Ausstellung für Erwachsene.

„Die Kinder sollen gern kommen“

Aber was ist es überhaupt, was Kinder vom Museumsbesuch mitnehmen sollen? Bei Erwachsenen scheint das klar zu sein: Sie sollen Fakten lernen, historische Zusammenhänge begreifen und sich mit dem befassen, was die Museumsleute erforscht haben oder für interessant halten.

Bei Kindern ist das anders. „Wir möchten vor allem Impulse geben, die zum genauen Hinschauen, Nachdenken und Austausch anregen“, sagt etwa Stefan Stegmaier, der im Kunstmuseum Stuttgart die Kunstvermittlung leitet. Ganz wichtig ist dabei aber immer: Spaß. Die Kinder sollen gern kommen.

Mike Schattschneider, der im Linden-Museum für die Bildung und Vermittlung verantwortlich ist, sieht die wichtigste Aufgabe darin, Gemeinschaft zu stiften und Spaß zu vermitteln. „Die Vermittlung von Zahlen, Daten und Fakten passt meiner Ansicht nach nicht mehr zum heutigen Rezeptionsverhalten“, sagt er, „es bleibt hier einfach nichts nachhaltig hängen.“ Aus seiner Sicht hat sich das klassische Format, bei dem jemand im Monolog durch die Ausstellung führt, ohnehin überlebt, vor allem bei jüngeren Leuten. Deshalb versucht man im Linden-Museum seit einigen Jahren, Workshop-Formate zu entwickeln, bei denen die Besucher selbst aktiv werden können.

Anders als die Erwachsenen: Kinder sollen aktiv werden

Das ist der große Unterschied zu Erwachsenen: Während sie in der Regel nur passive Zuhörer sein dürfen, die der Gedankenwelt der Künstler und Kuratoren folgen sollen, dürfen Kinder sich selbst einbringen – nicht nur bastelnd in Werkstätten, sondern auch inhaltlich.

Im Kunstmuseum Stuttgart will man ihnen Möglichkeiten anbieten, mit Kunst in einen Dialog zu treten. Im Lindenmuseum ist das Ziel in der Vermittlung sogar, „eine emotionale Bindung zu unseren Themen herzustellen“, wie es Mike Schattschneider nennt. „Konkret geht es immer um die Frage: Was hat das mit mir 2025 in Stuttgart zu tun?“

Eine verbindliche Leitlinie haben die wenigsten Museen festgelegt, aber fragt man nach, hört man heraus, dass die Ziele durchaus ambitioniert sind. Die einen wollen „Selbstwirksamkeitserfahrung“ und setzen auf „intrinsische Motivation“, für die anderen ist „Empowerment“ das Wichtigste.

„Was hat das mit mir zu tun?“

Es sind vor allem die Kunstmuseen, die auch die individuelle Entwicklung der Kinder einbeziehen. Die Angebote in der Berlinischen Galerie gehen zum Beispiel immer von der Frage aus: „Was hat das mit mir zu tun?“ Damit will man allerdings eher eine Tür öffnen, um dann Wissen über die Kunst zu vermitteln.

Anders ist das in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt, die ihren Bildungsauftrag als öffentliche Institution weniger darin sieht, Kindern Stile, Epochen und Techniken beizubringen, sondern an die erste Stelle deren Persönlichkeitsentwicklung stellt. Dazu will man ihre Kreativität herauskitzeln und ihnen ein Stück Lebenshilfe anbieten. Denn wenn die Kinder in der Schirn selbst tätig werden, sollen sie kein „perfektes Kunstwerk“ schaffen, sondern lernen, „auch mit Rückschlägen oder Unerwartetem im Rahmen des kreativen Prozesses umzugehen“, wie es die Vermittler beschreiben.

Ganz anders die Kunsthalle Mannheim: Wenn hier Schulklassen kommen, werden die Inhalte der Lehrpläne durchgenommen. Das ist allerdings kein reiner Selbstzweck. Denn es geht nicht allein um Epochen, Kunststile und -strömungen, sondern auch darum, andere Fertigkeiten zu fördern, etwa sprachliche Fähigkeiten oder soziale Kompetenzen.

Die Ansätze unterscheiden sich also sehr – und hängen von der Art des Museums ab. Im Landesmuseum Württemberg gibt es in der Dauerausstellung interaktive Stationen für Kinder. Hier kann man Felle anfassen, dort bei einem Computerspiel griechische Götter kennenlernen – mit dem Ziel, Geschichte mit allen Sinnen zu erleben.

Das Rosensteinmuseum in Stuttgart will dagegen als Naturkundemuseum handfestes Wissen weitergeben. Aktionstage, Ferienprogramme und Kindergeburtstage sollen zwar „ein spannendes Museumserlebnis“ bieten – aber mit Hintersinn. Die Kinder sollen die biologische Vielfalt kennenlernen, die verschiedenen Arten und die Evolution. „Denn nur wer die Natur kennt, wird sie auch schützen“, sagt Simona Gleridis, die den Vermittlungsbereich leitet.

Erlebnis mit Hintersinn – Wal im Stuttgarter Rosenseteinmuseum Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Programme für Schulklassen orientieren sich sogar konkret an den Bildungsplänen Baden-Württembergs und beziehen sich direkt auf die Originale und Objekte vor Ort. „Gerade in einer Zeit, in der das Verständnis für diese Themen immer wichtiger wird, vermitteln wir Kindern und Jugendlichen fundiertes Wissen“, sagt Gleridis.

Auch im Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat man das große Ganze im Blick, wenn es um Jugendliche geht: Sie sollen ermuntert werden, selbst etwas gegen Hass und Menschenfeindlichkeit zu tun und dazu „die historischen Wurzeln von Rassismus und Antisemitismus verstehen“, sagt Caroline Gritschke, die Leiterin der Geschichtsvermittlung. Als historisch-politischer Bildungsort will man den jungen Menschen ein besseres Verständnis für Demokratie und Menschenrechte vermitteln.

Das geht übrigens auch mit Kunst. Deshalb hat die Staatsgalerie Stuttgart bei ihrem Angebot für Jugendliche die Themen Dialog und Demokratiebildung aufgegriffen und beschäftigt sich in der Reihe „Jugend braucht Kunst“ mit Meinungsfreiheit, Migration, Rassismus oder Klima oder in Workshops mit Kunst im Nationalsozialismus. „Selbstverständlich evaluieren wir regelmäßig, wie gut unsere Formate angenommen und von der Zielgruppe genutzt werden“, sagt Diana Maier, die Sprecherin der Staatsgalerie.

Messen lässt es sich zwar nicht, aber je besser die Angebote für Kinder und Jugendliche wahrgenommen werden, um so eher wird das Museum sein eigentliches Ziel erreichen: das kritische Denken zu fördern.