„Knowunity“ gehört zu den meist genutzten Lern-Apps für Schüler. Gegründet vor etwa drei Jahren in Sindelfingen, investieren Prominente wie Fußballweltmeister Mario Götze in das Unternehmen, das weiter auf Wachstumskurs ist.
Bilder von Freunden auf Instagram checken, sich mit skurrilen Videos auf Tiktok belustigen und die Lieblingsserie auf Netflix schauen. Jugendliche heutzutage sind die unendlichen Möglichkeiten der digitalen Welt gewöhnt. Aber was machen Schüler im Jahr 2022, wenn sie für die nächste Klassenarbeit lernen müssen und mit der in Deutschland noch immer überwiegend praktizierten Lernform des Frontalunterrichts in der Schule nicht zufrieden sind? Gibt es keine App, mit der die Vorbereitung auf die nächste Klausur nicht auch digital gelingen könnte?
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Eine Gruppe von fünf jungen Männern würde diese Frage zweifellos mit einem lautstarken „Ja“ beantworten. Die Sindelfinger Benedict Kurz sowie Yannick und Julian Prigl und ihre Freunde Gregor Weber und Lukas Hild (beide aus Stuttgart) haben im Jahr 2020 ein Start-up gegründet, das genau dieses Lernen revolutioniert und Schüler, die anderen in Mathe oder Englisch helfen, zu Bildungsinfluencern machen.
Schüler suchen auf „Knowunity“ nach Inhalten, die sie für Klassenarbeiten oder Referate vorbereiten müssen. Zusammenfassungen, Mindmaps, Lernzettel oder Präsentationen – auf der Plattform gibt es so gut wie alles. Das besondere im Vergleich zu anderen bereits bestehenden Lernapps: Die Inhalte stammen zum größten Teil von anderen Schülern. Wer Fragen hat, Nachhilfe braucht oder sich einfach mit anderen austauschen möchte, kann das mithilfe der App ebenfalls tun. Das Abrufen des Stoffs ist kostenlos.
Auf Knowunity lässt sich auch direkt kommunizieren
Benedict Kurz ist einer der Gründer. Einst hat der heute 20-Jährige im Sindelfinger Stiftsgymnasium die Schulbank gedrückt. Sein Abitur legte das damalige Tennistalent an einem Sportgymnasium in Mannheim ab. Heute leitet Kurz gemeinsam mit seinen Gründerkollegen von der (Start-up-)Hauptstadt Berlin aus die Geschicke des Unternehmens, das in wenigen Jahren in die erste Liga der Bildungsapps emporgestiegen ist.
Den großen Vorteil seines Angebots sieht der Sindelfinger im direkten Austausch zwischen Schülern – ohne die Instanz des Lehrers: „Wenn Schülern anderen Schülern beim Lernen helfen oder ihre Aufschriebe teilen und erklären, geschieht dies auf Augenhöhe. Jüngere schauen durch dieselbe Brille, kennen die Probleme und die inhaltlichen Hürden in den bekannten Fächern.“
2,3 Millionen Schüler nutzen die App bereits
Auch er und seine „Knowunity“-Kollegen hätten, als sie noch zur Schule gingen, die Erfahrung gemacht, dass die Hilfe aus der eigenen Generation hilfreich ist. Aus dieser Erkenntnis entstand vor rund dreieinhalb Jahren die Idee. „Wir hatten damals festgestellt: Es gibt für alles Apps und Plattformen, vor allem im Freizeitbereich. Warum gibt es nichts für so etwas Wichtiges wie Bildung?“, erzählt Kurz von den Anfängen.
„Jugendliche verbringen viel Zeit im Digitalen und sind fit, was den Umgang mit mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets angeht. Wer täglich am Handy oder Tablet hängt, kann und möchte auch an jenem Gerät lernen“, so der 20-Jährige. Die Coronapandemie hat die Notwendigkeit und das Bedürfnis nach digitaler Bildung zwar erheblich gesteigert, den Aufstieg des Sindelfinger Start-ups habe die Pandemie allerdings nicht so entscheidend gepusht, wie man annehmen könnte, erklärt Kurz: „Wir hatten „Knowunity“ bereits Anfang 2020 gegründet, also kurz vor Corona.“ Die Verlagerung von Lernen und Lehren in den digitalen Raum spielt dem Unternehmen allerdings durchaus in die Karten. Die Zahlen scheinen dem Gründerteam recht zu geben: 2,3 Millionen Schülerinnen und Schüler nutzen die App, alleine in der vergangenen Woche seien mehr als 50 000 neue User verzeichnet worden. Auch geografisch soll die Expansion weitergehen. „Nach Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und Polen, wo wir derzeit schon aktiv sind, sollen dieses Jahr Großbritannien, Spanien und Italien folgen. 2023 möchten wir unser Angebot auch in die USA ausweiten“, kündigt Kurz an.
Bildung im digitalen Raum stärker nutzen
Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, braucht das Start-up nicht nur die Mund-zu-Mund-Propaganda aus der Schülerschaft, sondern auch finanzielle Mittel von außen. Einige Investoren scheinen das Konzept für so zukunftsträchtig zu halten, dass „Knowunity“ in den vergangenen Jahren rund drei Millionen Euro eingesammelt hat. Einer der namhaftesten Geldgeber bisher war der Fußballweltmeister und Finaltorschütze von Rio, Mario Götze, der „einen fünfstelligen Betrag“ überwiesen hat, verrät Kurz.
Sollte die Entwicklung der Lernplattform weiter steil nach oben gehen, wird das Öffnen der „Knowunity“-App vielleicht bald genauso an der Tagesordnung stehen wie heutzutage bei Instagram oder Tiktok.
Eine Lern-App auf Erfolgskurs
Wortherkunft
Der Name der Plattform „Knowunity“ speist sich aus den englischen Worten „to know“ (wissen) und „community“ (Gemeinschaft).
Gründung
Gegründet wurde das Start-up Anfang 2020 durch fünf junge Männer, drei von ihnen stammen aus Sindelfingen. Die anderen beiden aus Stuttgart.
Funktionen
Schüler können in der App auf rund 300 000 Inhalte in allen gängigen Schulfächern zugreifen, Fragen stellen, Zusammenfassungen herunterladen oder gar nach Nachhilfe suchen.
Nutzer
Aktuell nutzen mehr als 2,3 Millionen Schüler die App. Die App ist auf den bekannten App-Stores erhältlich.
Angebot
Das Angebot richtet sich an Schüler verschiedener Schulformen von Klasse 5 bis Klasse 12 beziehungsweise 13.