Hier soll zusammenwachsen, was zusammen gehört: die Leonhardsvorstadt Foto: /Kraufmann/Thomas Hörner

Das Stadtplanungsamt hat die ersten Vorstellungen zur Umsetzung der Leonhardsvorstadt vorgestellt. Stadt und Bezirksbeirat wollen bei dem Projekt der IBA 2027 keine Bodenspekulanten und keine Alleingänge von Breuninger.

Stuttgart - Das Projekt Leonhardsvorstadt – die Fusion von Bohnen- und Leonhardsviertel – ist für die Stadt von übergeordneter Bedeutung. Denn dort sollen in die Zukunft weisende Ziele erreicht werden, die in ihren Inhalten weit über die Stadt hinausragen. Das Stadtplanungsamt hat sich daher viel Mühe und Zeit gegeben, um ein entsprechendes Konzept zu Papier zu bringen und es dem Bezirksbeirat Mitte zu präsentieren. „Wir wollen viel für das Quartier und die Leonhardsvorstadt tun“, sagt Carolin zur Brügge von der Abteilung Städtebauliche Planung Mitte: „Denn Projekte der IBA, der Internationalen Bauausstellung 2027, müssen mutig, experimentierfreudig und zukunftsweisend sein.“

So sollen in der Leonhardsvorstadt – also in einem stark verdichteten Raum der City an der Stadtautobahn – neue Wohnformen mit einer extrem hohen Wohnqualität in nachhaltiger und innovativer Bauweise entstehen. Mehr noch: Das Areal soll einen großen Beitrag zur ökologisch nachhaltigen Stadtentwicklung leisten. Geplant ist auch, auf dem Gelände des abgängigen Züblin-Parkhauses eine ökologische Energieversorgungsanlage fürs Viertel zu bauen. „Zudem sollen die Objekte langfristig Bodenspekulationen entzogen werden“, sagt zur Brügge. Umsetzen will man das mit Genossenschaftsmodellen und Mietshäusersyndikaten.

Bürgerbeteiligung ist Trumpf

Für Veronika Kienzle ist das jedoch nur ein Aspekt von vielen. Das Ganze hat für die Bezirksvorsteherin Mitte auf verschiedenen Ebenen einen Modellcharakter. „Es gibt nicht nur dort so viele kreative und inspirierende Gruppen, Vereine und Menschen, die etwas Besonderes schaffen können“, sagt sie und ergänzt: „Ich kann mir vorstellen, dass dieses Projekt Modellcharakter für die ganze Republik haben könnte. Und zwar in Bezug auf eine neue Mobilität, auf Kultur und den sozialen Bereich der ganzen Stadt.“

Zudem glaubt Kienzle, dass ein Erfolg in der Umsetzung dieses innovativen Quartiers letztlich auch dazu dienen könne, den Ruf der Stadt aufzupolieren: „Diese Stadt ist viel schöner und attraktiver als ihr Ruf“, sagt sie und nimmt es als Auftrag, Stuttgarts Qualitäten immer wieder herauszuarbeiten. Es sei ein Versuch, den Menschen dieser Stadt Gehör und Geltung zu verschaffen. „Ich glaube an den Reichtum des bürgerschaftlichen Engagements. Diese Stadt hat so viele tolle Leute, die etwas tun wollen in und für die Stadt.“ Dies, so Kienzle, sei ein „unglaubliches Geschenk“. Auch für das Stadtplanungsamt ist die Bürgerbeteiligung ein entscheidender Faktor. Bürger sollen in einem dreimonatigen Planspiel an einer Machbarkeitsstudie beteiligt werden und schließlich in die städtebauliche Entwicklung des Großprojekts „Neue Mitte Leonhardsvorstadt“ bis zur Fertigstellung 2027 eingebunden werden. „Auch eine Anlaufstelle im Quartier ist geplant“, sagt Carolin zur Brügge.

Ende 2023 kommt das Züblin-Parkhaus weg

Umsetzbar sind die Ideen, die Mischnutzung von Wohnen, Arbeiten, Kultur und Nachbarschaftsräumen vorsehen, im Prinzip nur durch den Abriss des Züblin-Parkhauses (Ende 2023) sowie der Neuplanung des Breuninger-Parkhauses, wo das geplante Film- und Medienhaus unterkommen soll. Bei Letzterem mahnte Veronika Kienzle vor der Zustimmung des Bezirksbeirats zur Vorsicht: „Breuninger beherrscht die hohe Kunst des Separierens.“ Sie habe Zweifel, ob sich Breuninger bei seinen Planungen in die Karten schauen lasse: „Es ist mir ein Anliegen, dass wir keinen Investor haben, der ausschert. In diesem Sinne stimmte der Bezirksbeirat nur zu, „wenn es kein Sonderprojekt von Breuninger wird und wir über deren Planungen informiert werden“, sagt Kienzle.

Doch diese kleine Einschränkung konnte die Freude von Heinrich-Hermann Huth (SPD und Vorstand im Verein Leonhardvorstadt) nicht trüben: „Das Stadtplanungsamt hat in der Vorbereitung mehr als seine Hausaufgaben gemacht. Ich bin total begeistert.“

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