Diese Armprothese für Kriegsversehrte wird auch ausgestellt. Foto: Sebastian Ostendorf

Das Landeskirchliche Museum würdigt 200 Jahre Geschichte der Diakonie in Württemberg.

S-Mitte - Eine Armprothese, die der Versehrte mit Messer, Hand oder Zange ausstatten kann. Eine Schreibmaschine, mit der Blinde Druckbuchstaben schreiben können. Ein hölzerner Rollstuhl aus dem 19. Jahrhundert, der mehr dem ersten Automobil von Daimler ähnelt als modernen Rollstühlen. Diese Exponate sind nur einige der Ausstellung „Mitmenschen. Geschichte der Diakonie in Württemberg“, die seit gestern in der Leonhardskirche zu sehen ist.

Der Besucher kann anhand von Infotafeln und interaktiven Stationen die Geschichte der Diakonie erleben. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Diakonie als christlichen Auftrag der Nächstenliebe. Gezeigt werden die diakonischen Tätigkeitsfelder der Kinder- und Krankenbetreuung. Es kommen Menschen zu Wort, die von der Diakonie unterstütz werden. In den Mittelpunkt rücken auch Frauen, die diakonische Arbeit zu Beginn 19. Jahrhundert erst ermöglichten.„Der Beruf der Diakonisse war für die Frauen durchaus eine Emanzipation. Erstmals war es ihnen möglich, einem qualifizierten Beruf eigenständig nachzugehen“, sagt Christoph Hildebrandt-Ayasse, Pfarrer der Leonhardskirche. Die Kirche bietet sich seiner Meinung nach besonders gut als Veranstaltungsort an: „In der Geschichte des Leonhardsviertels hat es schon immer Mittellose und verarmte Menschen gegeben. Die Kirche war für sie eine Anlaufstelle und hat sie mit dem Nötigsten versorgt.“

„Das Thema Diakonie und ihre Hilfeleistung ist nach wie vor aktuell“ erklärt Inga Bing-von Häfen, die Kuratorin der Ausstellung. Im Zuge der Finanzkrise sei erneut deutlich geworden, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter öffne. „Die Zahl der Hilfsbedürftigen steigt tatsächlich an, aber auch die Zahl der ehrenamtlichen Helfer mehrt sich“, sagt Andrea Kittel, ebenfalls Kuratorin.

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