Was im Sabbatjahr 2023 als Herzensprojekt begann, ist nun Wirklichkeit geworden. Melanie Wolf hat einen Fairteiler eröffnet, um überschüssige Nahrungsmittel zu retten.
Melanie Wolf hatte für die kleine Feier an alles gedacht. An Getränke und Snacks für die mehr als 20 spontanen sowie eingeladenen Gäste. Und auch an das berühmte rote Band, das bei solchen Aktionen traditionell mit der Schere durchschnitten wird. „Ich freue mich, dass unser Fairteiler endlich eröffnet ist“, sagte die 48-jährige Leonbergerin. Sie ist glücklich darüber, dass ab sofort in der neuen „Kost-Bar“, einem Holzhäuschen am Rande des Festplatzes in der Leonberger Steinstraße, Lebensmittel von allen Menschen abgegeben und kostenlos mitgenommen werden können. Die Boxen in den Regalen sind zum Teil schon mit salzigen und süßen Backwaren gefüllt. Käse oder Milch gibt es im Kühlschrank.
Die Initiatorin des Foodsharings, also des Lebensmittelteilens, bedankte sich bei allen, die sie im Hintergrund tatkräftig unterstützt haben – und es weiterhin tun. „Ohne sie wäre das gar nicht möglich.“
So hatte Melanie Wolf fleißige Handwerker, die ihr beim Aufbau des Holzhäuschens geholfen haben. Manche steuerten einen finanziellen Betrag bei. Ein Elektriker legte ehrenamtlich den Stromanschluss, die Stadt unterstützte das Projekt nicht nur während der Entstehungsphase, sondern übernimmt auch die Stromkosten für den Kühlschrank. Für Leonbergs Oberbürgermeister Tobias Degode eine Selbstverständlichkeit. „Unsere Gesellschaft lebt im Überfluss, wir verschwenden so viele Lebensmittel, daher ist es unsere Aufgabe, deren Wertschätzung wieder zu stärken.“
Melanie Wolf: Im Sabbatjahr reift der Entschluss, Lebensmittel zu retten
Melanie Wolf hatte ihr Sabbatjahr 2023, eine berufliche Auszeit, nicht nur für persönliche Projekte und Reisen, sondern auch für soziales Engagement genutzt. Schon lange beschäftigte sie das Thema Lebensmittelverschwendung. Deshalb schloss sie sich der Organisation Foodsharing an. Diese ehrenamtliche Initiative mit Sitz in Köln wurde 2012 gegründet. Mittlerweile kooperiert sie mit etwa 1000 Betrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wolf absolvierte eine Hygieneschulung und ließ sich in die Abläufe der Lebensmittelrettung einweisen.
Ein Ausweis berechtigt sie seitdem, bei den jeweiligen Partnern – die in der Regel anonym bleiben wollen – übrige Lebensmittel abholen zu dürfen. Damit ist sie Teil eines Netzwerks, in dem zahlreiche Ehrenamtliche tätig sind. Bislang brachte die Leonbergerin ihre geretteten Lebensmittel nach Renningen oder Gebersheim, wo es bereits Verteilstandorte gibt. Doch schnell entstand in ihr der Wunsch, auch in Leonberg einen öffentlich zugänglichen Lebensmittel-Verteilpunkt zu schaffen. „Denn auch hier ist der Bedarf groß“, sagt Melanie Wolf.
Eine Starthilfe bekam sie von ihrem Arbeitgeber Bosch: Über das Spendenprogramm „Cents für Help“ finanzierte er die Anschaffung einer Holzhütte und eines Kühlschranks. Auch der Leonberger Gemeinderat befürwortete das Projekt. Gemeinsam mit der Citymanagerin Nadja Reichert Wolf wurde am Rand des Festplatzes in der Steinstraße ein Standort gefunden – gut erreichbar, mit Parkplätzen und Beleuchtung. Nur in der Nacht ist das Häuschen geschlossen.
„Orangen nicht wegwerfen, wenn sich eine schimmlige im Netz befindet“
Ab sofort können Supermärkte, Bäckereien, Marktbeschicker oder auch Privatpersonen dort überschüssige, aber noch einwandfreie Lebensmittel abgeben. Solche mit kleinen Schönheitsfehlern oder welche, die kurz vor oder nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen. „Auch Orangen braucht man nicht wegzuwerfen, wenn sich eine einzige schimmlige im Netz befindet“, sagt Melanie Wolf.
Vom Landkreis Böblingen gab es zur Eröffnung ein Starterpaket, bestehend aus 20 Boxen, in denen Lebensmittel gelagert und transportiert werden können. „Damit wollen wir die nachhaltige, ehrenamtliche Arbeit unterstützen“, sagte Wolfgang Hörmann, der Werkleiter des Abfallwirtschaftsamtes. Leonberg sei der siebte Fairteiler-Standort im Kreis Böblingen. „Seit 2016 hat Foodsharing etwa 1,3 Millionen Kilogramm Lebensmittel gerettet“, sagt Hörmann. Als sogenannte Foodsaver, also Lebensmittelretter, seien im Kreis Böblingen derzeit 1066 Personen angemeldet.
Eine von ihnen ist Melanie Wolf, die in der Zwischenzeit zwölf Helferinnen und Helfer gefunden hat, die abwechselnd täglich das Holzhäuschen reinigen werden. „Die Hygienevorschriften sind streng“, sagte Melanie Wolf, die sich um jede weitere tatkräftige Unterstützung freut.
Die Leonberger Kost-Bar
Kontakt
Wer Interesse hat, mitzuhelfen, kann sich unter der E-Mail-Adresse info@Kost-Bar-Leonberg.de melden. Telefonisch ist Melanie Wolf unter der Rufnummer 0176 / 42 55 10 79 zu erreichen. Um Spenden ordnungsgemäß empfangen zu können, hat der BUND Bezirksgruppe Leonberg für Melanie Wolfs Fairteiler-Projekt ein Konto bei der Kreissparkasse Böblingen eingerichtet.
Bankverbindung
Die IBAN-Nummer des Kontos lautet DE26 6035 0130 0005 7082 28. Als Empfänger müssen die Spender „BUND Bezirksgruppe Leonberg“ eingeben, bei Verwendungszweck „Spende Foodsharing“. Bei Spenden ab 100 Euro gibt es auf Wunsch eine Spendenquittung.