Zeigen sich her: Percherons im Vierspänner. Foto: Ulrike Otto

Bei der Pferdeschau im Reiterstadion werden die besten Zuchtstuten, Hengste und Gespanne ausgezeichnet. Für die Züchter ist das Werbung in eigener Sache, aber auch Lohn für harte Arbeit.

Wann er das erste Mal beim Leonberger Pferdemarkt dabei war? Oskar Köngeter aus Alfdorf-Brech überlegt einen Moment? „Bestimmt schon 35 Jahre“, sagt er. Damals, 1989, hatte die Familie in der Nähe von Schwäbisch Gmünd gerade angefangen, die Altwürttemberger zu züchten, von denen sie an diesem Dienstag bei stetigem Nieselregen vier bei der Prämierung im Leonberger Reiterstadion vorführen. Zunächst einzeln und später noch einmal als Gespann.

 

„Unser ältestes Pferd hier ist Clara, sie ist jetzt 20 und trägt bereits ihr elftes Fohlen“, berichtet der Züchter stolz. Sein Vater habe zunächst Württemberger Warmblüter gezüchtet, die habe damals aber keiner mehr haben wollen. „Sie entsprachen nicht mehr dem heutigen Reittyp“, erklärt er. Ein Preisrichter habe ihm dann empfohlen, auf die Altwürttemberger umzusteigen. „Das ist ein ehrliches Reit- und Fahrpferd“, sagt Köngeter, in dessen Familienbetrieb mittlerweile sogar die Enkelkinder mitarbeiten.

Clara und ihre vier Begleiter werden nacheinander durch den sogenannten Ring geführt, wo sie von den Preisrichtern begutachtet und bewertet werden. Diese schützen sich mit durchsichtigem Regenschutz vor der Nässe. „Den Pferden selbst macht das gar nichts“, sagt Angelika Elser vom Organisationsteam der Stadt Leonberg.

Prämierung ist ein Zeichen für erfolgreiche Zuchtarbeit

Zwar bewerten die Preisrichter auch, wie das „Pferd hergestellt“ wird, sprich, wie es zurecht gemacht ist. Dass Fell, Mähne und Schweif nass sind, gibt aber keinen Punktabzug. Stattdessen zählt, wie sie stehen, wie sie im Schritt und Trab laufen, aber auch die Abstammung. Die Richtlinien legt die Deutsche Reiterliche Vereinigung fest, die Kriterien sind überall gleich.

Die Zuchttiere bei den Pferdemärkten wie in Leonberg zu zeigen, ist für die Züchter wichtig, um zu wissen, wie es um die eigene Arbeit bestellt ist. Der Nachwuchs von prämierten Tieren bringt aber auch mehr ein. „Einen Sohn von Clara habe ich nach Marbach verkauft. Der hat so viele Nachkommen gezeugt, dass man ihn mittlerweile kastriert hat. Er dient jetzt bei der Polizei“, erzählt Oskar Köngeter sichtlich stolz. In Marbach befindet sich das baden-württembergische Haupt- und Landgestüt.

Wetter und Krankenwelle vermiesen die Bilanz

Ausgezeichnet werden in Leonberg – neben den Gespannen – Zuchtstuten, Hengste sowie ganze Familien. So wird gerade eine Schwarzwälder Fuchsstute mitsamt zwei ausgewachsenen Töchtern präsentiert. Das rotbraune Fell glänzt, die blonde lange Mähne weht beim Trab im Wind.

Danach wird ein Percheron-Hengst vorgeführt. Das riesige Kaltblut mit schneeweißem Fell und weißer Mähne ist ein wahrlich majestätischer Anblick. „Wir haben in diesem Jahr eine sehr große Rassenvielfalt“, sagt Angelika Elser vom Organisationsteam des Leonberger Pferdemarktes. Es habe zwar mehr Anmeldungen gegeben als in den Vorjahren. Doch das Wetter und auch die aktuelle Krankheitswelle vermiesen den Veranstaltern diesmal die Bilanz.

Es ist ein elegantes Schauspiel, wie der Percheron-Hengst beim Gang durch das Oval des Reiterstadions die Muskeln spielen lässt. Ein Anblick, den am Dienstagvormittag im Dauerregen am Reiterstadion leider nur sehr wenige Zuschauer erleben. Wie gut, dass die Siegerstuten und die besten Gespanne später beim großen Festumzug durch die Stadt mitlaufen dürfen.