Der 332. Leonberger Pferdemarkt ist Geschichte. Trotz Regen war das Fest des Jahres ein schönes. Und vor allem eines ohne wirklich nennenswerte Zwischenfälle, auch wenn die Stimmung phasenweise seltsam war.
Das war’s also: Der 332. Leonberger Pferdemarkt ist vorbei, und zumindest der Montag und der Dienstag waren eine ziemlich nasse Angelegenheit. Und auch wenn sich viele Menschen die Lust am Feiern vom Regen nicht verderben ließen, blieb vor allem am Dienstag der ganz große Ansturm aus. 8000 Menschen bevölkerten laut Polizei und Stadtverwaltung während des großen Festumzugs die Innenstadt – was nicht mal im Ansatz an die Zahlen vom Vorjahr heranreicht, als bei blendendem Wetter rund 30 000 Gäste die Strecke säumten. Allerdings war stellenweise beim Krämermarkt und auf dem Rummel in der Steinstraße einiges los, auch wenn sich viele nasse Füße geholt haben.
Ein Thema beschäftigte viele Besucherinnen und Besucher
Was bleibt hängen vom diesjährigen Pferdemarkt? Neben dem durchwachsenen Wetter mit Dauerregen am Dienstag war vor allem die kurzfristige Absetzung von Harald Lutz als Umzugs-Moderator eines der großen Themen dieser Tage. Ersetzt wurde er von Antenne-1-Mann Patrick Seidel, was die Stadt im Vorfeld nicht angekündigt hatte. Lokale Spitzen zu Umzugsteilnehmenden und -themen konnte er im Gegensatz zu seinem Vorgänger jedoch kaum liefern, was nicht unbemerkt blieb.
Zu den Gründen von Lutz’ Demission schreibt die Stadtverwaltung in Person von Pressesprecherin Leila Fendrich lediglich: „Die Stadtverwaltung hat sich entschieden, stellenweise etwas Neues beim Pferdemarkt auszuprobieren, so auch bei der Moderation des Festumzugs. In diesem Zusammenhang bestehen zwischen Herrn Lutz und der Stadtverwaltung weder eine vertragliche Bindung noch sonstige Absprachen.“
Rund 80 Gruppen waren beim Umzug dabei, viele legten mit ihren Beiträgen ihre Finger in kommunalpolitische Wunden: Die Rathaus-Fehde zwischen Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und seiner Stellvertreterin Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden zum Beispiel stand vor allem bei den Gemeinderatsfraktionen im Fokus. Bei SALZ verkleideten sich einige gar selbst als Prinzessinnen. Seitenhiebe in Richtung Schiff-Festwagen aus dem vergangenen Jahr (CDU) blieben ebenso wenig aus wie ganz ernst gemeinte Hinweise auf Probleme in der Notfallversorgung (SPD) und ökologische Themen (Grüne).
Die Stadtverwaltung selbst pries mit ihrem neuen Festwagen indes den Brückenschlag zwischen Innen- und Altstadt an. Vorrangig auf den Spaß abgesehen hatten es die vielen Narrengruppen, die das ausschweifende Ende des Umzugtrosses bildeten.
Von Freitag an hatten in der Altstadt die Keller geöffnet, was vor allem am Wochenende die Partygängerinnen und -gänger anzog – bei noch trockenen äußeren Bedingungen, ging es auf den Partys feuchtfröhlich zu. In der Steinturnhalle ließ die Handballabteilung des SV Leonberg/Eltingen gleich an zwei Abenden – Freitag und Samstag – die Kuh fliegen. Und auch andere Locations waren fast durchweg gut gefüllt.
Zwischenfall am Dienstagabend in der Feuerwehr-Bar
Wie auch die große Bar im Hof des Leonberger Feuerwehrmagazins in der Römerstraße, die erstmals bereits am Samstag ihre Pforten öffnete. Und obwohl es laut Polizei und Stadtverwaltung ein friedlicher Pferdemarkt gewesen sei, kam es in ebenjener Bar am Dienstagabend zu einem Zwischenfall. Zwischen 17 und 18 Uhr habe laut Feuerwehrkommandant Wolfgang Zimmermann ein aggressiver Besucher begonnen, „Ausländer raus“ zu skandieren – Gigi D’Agostinos Song „L’Amour Toujours“, der häufig für rassistische Schmähgesänge missbraucht wird, sei jedoch nicht gelaufen. „Die Security ist schnell eingeschritten“, so Zimmermann. Die Person sei hinausbefördert und inklusive Anzeige der Polizei übergeben worden.
Gerüchte darüber, dass das Mischpult des DJs nach Flaschenwürfen demoliert worden sei, bewahrheiteten sich nicht. „Es wurde absichtlich Bier in diese Richtung verspritzt, aber es ist nichts kaputtgegangen“, sagt Zimmermann. Der Kommandant spricht von einer „insgesamt ziemlich komischen Stimmung, vor allem am Dienstag“. Woran er es festmachen soll, weiß er allerdings nicht genau. „Vielleicht lag es am Wetter“, mutmaßt er. Trotz der laut Zimmermann „irgendwie aggressiven“ Atmosphäre habe es aber keine Schlägereien gegeben. Darüber ist der Kommandant froh, denn: „Das hatten wir auch schon anders.“
Drei Stadtmeisterinnen vom Reiterzentrum Benzenbühl
Was nicht unerwähnt bleiben soll, ist der eigentliche Grund für den Pferdemarkt: die Pferde. Die wurden im Reiterstadion an der Steinstraße prämiert, einzelne Tiere sowie Gespanne. Später durfte man die schönsten Exemplare beim Umzug bewundern. Am Tilgshäusle beim RFV Leonberg stiegen die Stadtmeisterschaften der Springreiter. Sarah Widmayer holte sich den Titel in der 105-cm-Prüfung, auch Emily Widmayer (90 cm) und Michelle Schmidt (80 cm) triumphierten. Alle drei Reiterinnen kommen vom Leonberger Reiterzentrum Benzenbühl. Beim Reitseminar gab’s außerdem wertvolle Tipps von Nachwuchs-Bundestrainer Peter Teeuwen.
Kurzum: Schön war’s, aber nächstes Mal gerne wieder ohne Regen. Dafür dann aber wieder viel mehr Leute.