Die Waldhexen aus Leonberg: Fester Bestandteil der hiesigen Fasnet Foto: Simon Granville

Die Leonberger Waldhexen gehören seit langem zur Fasnet in hiesigen Gefilden dazu. Doch warum sieht ihr Häs so aus, wie es aussieht? Wir haben nachgeforscht.

Eines vorneweg: Bei der Fasnet geht es natürlich nicht nur ums Saufen. Auch wenn die Marschrichtung, egal ob Hästräger oder nicht, streng und unmissverständlich in Richtung Feierei zeigt. Der „Schlachtruf“ der Leonberger Waldhexen etwa lautet:

 

„Die Hex – im Wald, die Hex – im Wald, die Hex – im Wald, hot Durscht wie’d Sau! Was drinket m’r? Des stärkste Bier, d’r beschte Wei – sott halt immer Fasnet sei!“

Der Ruf erklingt wieder am 6. Januar, dem Tag des traditionellen Maskenabstaubens auf dem Leonberger Marktplatz. Da ist man schon mal eingenordet. Aber: viele Mitglieder der Leonberger Zunft nutzen die auf die Fasnet folgende Fastenzeit eben auch, um auf einige Dinge – zum Beispiel Alkohol – zu verzichten.

Waldhexen sind noch jung: Fasnet ist auch Traditionssache

Generell hat die Fasnet viel mit Traditionen zu tun. Die älteste noch existente Hexenfigur der schwäbisch-alemannischen Fasnet zum Beispiel ist die Offenburger Hexe, die im vergangenen Jahr 2025 ihren 90. Geburtstag gefeiert hat. Dagegen sind die Leonberger Waldhexen ja geradezu junge Hüpfer: Sie feierten in der Kampagne 2024/2025 ihr 30-jähriges Bestehen.

Im legendären Gasthaus Sonne: Hexenmeister Andreas Beißwenger weiß über das Waldhexen-Häs Bescheid. Foto: Simon Granville

Passenderweise stammt auch der Entwurf für das Waldhexen-Häs aus dem Jahr 1995. „Die Leonberger Waldhexe stellt eine alte Kräuterfrau dar, die es versteht, aus Kräutern und Pflanzen Tinkturen und Getränke herzustellen, die über eine hohe Heilkraft verfügen“, sagt Hexenmeister Andreas Beißwenger. Durch die Namenswahl habe man bewusst eine Distanz zu den Hexenverbrennungen im Mittelalter schaffen wollen. „Dem folgend sollte das auch das Häs widerspiegeln – im Kern steht das Thema ,Wald’ mit einer regionalen und lokalen Verbundenheit.“

Die Gestaltung der Maske und des Häs symbolisiere zudem eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, so Beißwenger. Die Farbe des Waldes wird durch den grünen Rock und mit dem grünen Maskentuch umgesetzt. „Zudem befinden sich am Maskentuch kleine Zapfen.“

Besonders markant sind auch die Zapfen und Zweige an der Stirn der aus Lindenholz geschnitzten Maske, die wiederum den Bezug zum Wald unterstreichen. „Die Maske wurde in Zusammenarbeit mit einem Maskenschnitzer aus Horb-Mühringen entworfen“, so Beißwenger weiter. Die Maske hat ein offenes und ein zugekniffenes Auge. „Das symbolisiert, dass an der Fasnet nicht alles so ernst gemeint ist.“

Waldhexen: Socken in Stadtfarben, Schürze aus Kartoffelsack-Stoff

„Die Leonberger Stadtfarben sind mit dem schwarzen Janker, der gelben Stola und den schwarz/gelben Ringelsocken dargestellt“, fügt der Hexenmeister hinzu.

Außerdem gehört eine Schürze dazu, die aus Kartoffelsack-Stoff gefertigt wird – ein weiterer Bezug zum Sammeln von Pflanzen und Kräutern. „Die darauf befindlichen Flicken darf jede Hästrägerin und jeder Hästräger selbst gestalten“, so Beißwenger. Natürlich dürfen die bekannten, Hexen-typischen Strohschuhe und eine weiße Spitzenunterhose, die unter dem Rock hervorschaut, nicht fehlen.

Der Besen ist aus einem Haselnuss-Stecken und Birken-Reisig

Der Hexenbesen ist ebenfalls selbst gemacht. „Vorzugsweise wird ein Haselnuss-Stecken mit Birken-Reisig verwendet“, betont Andreas Beißwenger.

Das Häs ist nicht käuflich, sondern muss von jeder Hästrägerin und jedem Hästräger selbst angefertigt werden. „Wolle und Stoff werden dabei vom Verein bereitgestellt“, so Beißwenger. Den Stoff für die ersten Röcke habe man damals übrigens noch bei der Weil der Städter Wolldeckenfabrik geholt. „Auch hier ein Beleg für die Regionalität“, wie der Hexenmeister anfügt.

Die Waldhexen erwachen in Leonberg traditionell am Dreikönigstag, dem 6. Januar, auf dem Marktplatz. Dort steigt das Maskenabstauben. Im Februar ist die Zunft auch rund um den Leonberger Pferdemarkt aktiv. Bis zum Jahr 2023 bewirteten die Hexen an mehreren Tagen das alte Gasthaus Sonne und machten sie zur großen Party-Location.

Die Altweiberfasnet am Schmotzigen Donnerstag hat ebenfalls einen festen Platz im Terminkalender. Beim Fasnets-Kehraus am Fasnets-Dienstag auf dem Leonberger Marktplatz wird die fünfte Jahreszeit schließlich wieder beerdigt.