Der Galerieverein Leonberg feiert 20. Geburtstag. Mit dabei sind auch die Vereinsvorsitzende Eva Ott (links) und die ehemalige Kulturamtsleiterin Christina Ossowski. Foto: /Simon Granville

Paritätisches Miteinander von ehrenamtlichen Mitgliedern und dem Leonberger Kulturamt.

Vor 20 Jahren entstanden aus der verfallenen Hirsauer Pfleghofscheune die Galerie-Räume in der Leonberger Zwerchstraße. Gestemmt wurde der Kraftakt in einem Gemeinschaftsprojekt des 1996 gegründeten Galerievereins auf der Basis von ehrenamtlichem Engagement der Bürger in Kooperation mit der Stadt Leonberg. Einer der Gründerväter, Wieland Storek, erinnert sich noch an das erste Treffen kunstinteressierter Bürger. Er selbst übernahm das Amt des zweiten Vorsitzenden, das er 17 Jahre lang inne hatte. Er erinnert sich noch gut an die alte Scheuer mit ihrem Lehmboden, „das Gebäude sah schlimm aus“. Während der Umbauzeit zog die Galerie in Ersatzräume und lud hier zu ersten Ausstellungen ein. „Denn das Thema wollten wir lebendig halten, auch um Spendengelder für den Umbau zu sammeln. Geld war immer ein Problem“, sagt Storek, der später die Idee zur Verhüllung des umgebauten Gebäudes hatte. Die von Hans Mendler und seinen Künstlerkollegen bemalten Stoffbahnen wurden am Ende zerschnitten und die so entstandenen Kunstwerke verkauft. Am 19. September 2004 konnte die Galerie eröffnet werden. Über 130 Ausstellungen wurden seither organisiert und haben die Galerie über den Raum Leonberg hinaus bekannt gemacht. Die eine Hälfte der Ausstellungen wird vom Galerieverein kuratiert, die andere Hälfte vom Kulturamt der Stadt Leonberg.

 

Über 130 Ausstellungen wurden seit 2004 organisiert

„Ich staune manchmal, wie sich der Galerieverein entwickelt hat“, sagt Christina Ossowski, die in ihrer damaligen Funktion als Amtsleiterin für Kultur, Erwachsenenbildung, Sport und Stadtmarketing das Projekt maßgeblich mitgestaltet hat. „Denn anders als in Leonberg haben ehrenamtlich betreute Kulturprojekte oft nur eine begrenzte Lebenszeit“. Christina Ossowski bringt sich bis heute in die Arbeit des Galerievereins ein, indem sie durch Ausstellungen führt oder auch die Jour fixe des Vereins mit Vorträgen bereichert, wie jetzt anlässlich des Festaktes zum Jubiläum mit einer Studie zur Malerin Roberta Gonzáles. Dazu hat sie die in der Sammlung Domnick in Nürtingen vorhandenen Briefe der Künstlerin ausgewertet.

Doch die zurückliegenden 20 Jahre sind nicht spurlos an dem Gebäude vorbeigegangen. Vor kurzem musste die gläserne Eingangstür erneuert werden und dass im Obergeschoss des Hauses im Moment sechs Wassereimer stehen, sei keineswegs eine Künstlerinstallation, scherzt Eva Ott, die Vorsitzende des Galerievereins. Aber ihr ist keineswegs zum Lachen zumute, denn das Dach der Galerie ist undicht, es regnet hinein. „Allein der Aufbau eines Gerüstes und das Auffinden der undichten Stellen kostet fast 9000 Euro. Die Kosten für die eigentliche Dachsanierung können erst nach der Begutachtung kalkuliert werden“. Seit 1998 ist Eva Ott im Verein aktiv, seit 2011 kuratiert sie die vereinseigenen Ausstellungen. „Anfangs wurden wir mit dem großen Mitbewerber Stuttgart als Ausstellungsort nicht wirklich ernst genommen“, erinnert sie sich. „Aber wir haben uns einen guten Ruf erarbeitet.“ Für sie ist die Entwicklung der Galerie eine Erfolgsgeschichte, „und das liegt an den Menschen, die gemeinsam zum Gelingen beitragen – die Stadt und die Mitglieder des Galerievereins.“ Im achtköpfigen Vorstand herrsche ein ausgesprochen positives Klima.

Begrenzte Ressourcen der Stadt an Geld und Personal

Ossowskis Nachfolger Florian Streib kennt die Galerie erst seit kurzem, ist aber bereits von dem großen Mut der ehrenamtlichen Begründer des Galerievereins und ihrer Kreativität begeistert. Das Konzept sei ein einzigartiges Beispiel für ein paritätisches Miteinander von ehrenamtlichem Engagement und dem Kulturamt der Stadt Leonberg. „Denn auch die Ressourcen der Stadt an Geld und Personal sind begrenzt“, so Streib. „Das Renommee des Galerievereins strahlt über Leonberg hinaus, es ist geprägt von Qualität und professioneller Arbeit und ist ein Fixpunkt im kulturellen Leben der Stadt“.

Frisch aus der Druckerpresse bringt Vorstandsmitglied Tobias Kegler die Andrucke des neuen Ausstellungsprogramms zum Festakt mit. Die fertigen Flyer liegen in einer Woche in der Galerie aus, Mitglieder bekommen ein Exemplar zugeschickt. Sieben Ausstellungen sind geplant, beginnend am 19. Januar mit einer städtischen Ausstellung von Timur D’Vatz und am 9. März mit der Ausstellung des Galerievereins mit Susanne Ackermann und Brigitte Stahl.