Schon jetzt haben viele Eltern in der Region keinen festen Kinderarzt. Doch wo kann man hin, wenn das Kind Fieber hat, eine Impfung oder U-Untersuchung braucht?
Die erste Erkältungswelle des Herbstes ist schon wieder durch, der Winter steht vor der Tür. Doch unter Eltern in der Region Leonberg macht sich langsam Panik breit. Zum Jahresende schließt eine von zwei Kinderarztpraxen in Leonberg. Zwei von drei Kinderärzten der Stadt hören auf – in einer Zeit, in der schon jetzt nicht alle Familien einen festen Arzt für ihren Nachwuchs finden.
„Ich habe heute bei über zehn Kinderärzten im Umkreis von bis zu 25 Minuten Fahrtweg angerufen, und keiner, wirklich keiner hat mehr Kapazitäten“, schreibt uns eine verzweifelte Mutter, nur eine von vielen, die derzeit vergeblich sucht. Doch was können Eltern ohne festen Kinderarzt tun, wenn das Kind krank ist, eine Impfung ansteht oder eine der wichtigen U-Untersuchungen?
Kein fester Kinderarzt: Was tun, wenn das Kind akut krank ist?
Hohes Fieber, Durchfall, Ausschlag oder eine Verletzung – akute Krankheitsbilder, die nicht in jedem Fall einer Behandlung in der Notaufnahme, etwa in der Böblinger Kinderklinik, bedürfen, gibt es bei Kindern recht häufig. Grundsätzlich dürfen Ärzte die Behandlung von medizinischen Notfällen nicht ablehnen, darauf verweist auch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW).
Doch was ist ein medizinischer Notfall und was nicht? „Eine fieberhafte Erkrankung zählt nicht unbedingt dazu“, erklärt Thomas Schwab, Kinderarzt aus Weil der Stadt. Tatsächlich komme es immer auf den Einzelfall an. Ein Magen-Darm-Virus mit akuter Dehydrierung kann sehr schnell zum Notfall werden.
Die KVBW empfiehlt, bei akuten Erkrankungen die Kinderarztpraxen in der Umgebung anzurufen und die Situation zu schildern. Sollten die Praxen allerdings keine Kapazitäten haben und es handelt sich nicht um einen Notfall, dürfen sie die Behandlung ablehnen. „Wir empfehlen, den Radius zu erweitern“, teilt die Kassenärztliche Vereinigung auf Nachfrage mit. Auf der Website der KVBW gibt es dazu eine Suche nach Postleitzahlen.
Daneben besteht immer die Möglichkeit, sich an die Kinder-Notfallambulanzen zu wenden, etwa am Krankenhaus Böblingen. Dort behandeln niedergelassene Kinderärzte abends sowie am Wochenende und an Feiertagen. Zu denen gehört auch Thomas Schwab aus Weil der Stadt. „Wir sehen dort immer mehr Kinder, die keinen festen Arzt haben“, berichtet der Mediziner.
Doch nicht allen Eltern ist es möglich, dieses Angebot zu nutzen, etwa weil mehrere Kinder versorgt werden müssen oder die Mobilität wie ein eigenes Auto fehlt. Die KVBW bietet für solche Fälle eine Video-Sprechstunde an. Auch manche Krankenkassen bieten eine Online-Sprechstunde an.
Mein Kind benötigt eine Impfung vom Kinderarzt – wo kann ich hin?
Impfungen sind keine Notfälle, werden also auch nicht in der Notaufnahme oder der Kinder-Notfallambulanz durchgeführt. Die Kassenärztliche Vereinigung verweist auf ihren Terminservice unter der Telefonnummer 116 117 oder im Internet auf www.kvbawue.de .
Doch oft sind die vorgeschlagenen Termine mit sehr weiten Anfahrtswegen verbunden. In solchen Fällen rät Kinderarzt Schwab, sich an den Hausarzt der Eltern zu wenden. „Allgemeinmediziner dürfen Kinder genauso behandeln wie ausgebildete Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin“, sagt er. Allerdings sind auch Hausarzt-Praxen vielerorts am Limit und haben oft nicht die passenden Impfstoffe beziehungsweise Dosierungsgrößen vorrätig, könnten diese aber bestellen.
Eine U-Untersuchung beim Kinderarzt steht an – wo kann ich hin?
Die U1 findet direkt nach der Geburt statt, die U2 in der Regel auch noch im Krankenhaus. Eltern sind verpflichtet, die Untersuchungen bis zur U9 an ihrem Kind durchführen zu lassen. Da die U10 und U11 nicht verpflichtend sind, führen viele Kinderärzte sie aus Kapazitätsgründen nicht durch, auch keine Jugenduntersuchungen. „Dabei ist die J12 für 12- bis 14-jährige Kinder auch Pflicht“, sagt Thomas Schwab. Die würden aber viele Allgemeinmediziner stattdessen übernehmen.
Ebenso wie bei Impfungen kann der Terminservice der KVBW genutzt werden, der hier oft frühere und nähere Termine liefert als bei Impfungen. Auch manche Krankenkassen haben einen eigenen Terminservice.
Medizinische Anlaufstellen
Notfälle
Bei ganz akuten Notfällen die 112 anrufen, damit ein Krankenwagen kommt. Bei anderen, aber weniger dringenden Notfällen, gibt es spezielle Notfallaufnahmen an den Kinderklinik in Böblingen, Stuttgart, Esslingen oder Pforzheim (Helios).
Notfallambulanz
Niedergelassene Ärzte behandeln hier abends sowie an Wochenenden und Feiertagen hier akute, aber nicht lebensbedrohliche Fälle. Keine Impfungen oder U-Untersuchungen. An den Kinderkliniken in Böblingen, Stuttgart, Ludwigsburg (RKH), Pforzheim (Helios) oder Esslingen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, ein Anruf vorher hilft aber oft.
Kassenärztliche Vereinigung
Die KV bietet viele Services an. Über die zentrale Telefonnummer 116 117 kann montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr genutzt werden für Arztsuchen, Terminservice oder die Online-Sprechstunde. Auch im Internet auf www.kvbawue.de.
Giftnotruf:
Vergiftungs-Informations-Zentrale der Uniklinik Freiburg, Telefon 07 61 / 1 92 40.