Der Jugendausschuss hat nicht nur einen Film erstellt, der jungen Leonbergerinnen und Leonbergern das Thema Wahlen näherbringen soll. Für mehr als 550 Schülerinnen und Schülern gab es im Imax auch Politik zum mitmachen.
Was macht eigentlich so ein Gemeinderat? Und was ist überhaupt der Kreistag? Und diese Wahlzettel, sehen die nicht auch fürchterlich kompliziert aus? Mit Fragen wie diesen – und noch vielen mehr, hat sich der Jugendausschuss der Stadt Leonberg im Vorfeld der Kommunal- und Europawahlen beschäftigt. In einem Film, der in Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma 5ter Stock entstanden ist, arbeiteten die Jugendlichen das Wahlthema verständlich auf. Doch nicht nur das.
Sechsmal lief der Film auf der größten Leinwand der Welt
Im Imax-Kino im Leonberger Traumpalast, wo der Film zwei Tage vor den Wahlen in einer schulinternen Veranstaltung mehr als 500 Schülerinnen und Schülern auf der größten Leinwand der Welt gezeigt wurde, hatte der Ausschuss auch noch eine interaktive Ausstellung organisiert. Dabei konnten die jungen Menschen unter anderem selbst Stadträtin oder Stadtrat spielen – dabei das vorhandene Geld verteilen und sehen, was am Ende dabei herauskommt. Viele lernten dabei die Aufgaben und Tätigkeitsfelder des Stadtparlaments erst so richtig kennen. „Für viele waren die Themen überraschend“, sagt Jugendausschuss-Mitglied Felicitas Schwarzhaupt. Julian Pohl, Ex-Mitglied des Gremiums und ehrenamtlich weiterhin bei Organisation und Umsetzung dabei, ergänzt: „Viele wussten zum Beispiel nicht, dass ‚Familie und Schule’ der Topf ist, in den man am meisten Geld reinwerfen muss und dafür die wenigste Aktion bekommt.“ Am Ende sei die Frage gestanden: Gibt es überhaupt eine richtige Verteilung?
Die Intention des Ausschusses war und ist eindeutig. „Unser Hauptziel war, dass sich Jugendliche mehr mit Politik befassen“, sagt Felicitas Schwarzhaupt. Die erste Idee gab’s im vergangenen September, die Planungen begannen im Oktober. Es folgte reger Austausch, unter anderem mit der Wahlleitung sowie der Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg. Es musste schließlich auch formal alles seine Richtigkeit haben. „Dabei gab es aber trotzdem einige Herausforderungen“, berichtet Stadtjugendreferent Lars Schoppe – allein die Frage, ob es mit dem Kino klappe oder ob das ganze Projekt pünktlich zur Wahl fertig werde. Und dann mussten ja die Stationen für die Ausstellung noch gebaut werden.
Der Filmdreh an sich war nicht der größte Aufwand für den Jugendausschuss
Gedreht wurde Anfang Mai – was laut Jugendausschuss-Mitglied Luzian Häbe nicht der allergrößte Aufwand gewesen sei. „Als wir die Rohfassung zum ersten Mal gesehen haben, war aber klar, es müssen noch ein paar Änderungen rein“, sagt der 19-Jährige. Aber spätestens, als der Film in seiner endgültigen Version bei der ersten von insgesamt sechs Aufführungen über die Riesenleinwand flimmerte, war den engagierten Jugendlichen klar: Das passt. Das zeigen im Übrigen nicht nur die direkten Rückmeldungen von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften. Auch die Kommentare, die es im Vorfeld und auch im Nachgang in den Sozialen Medien gab, sind fast durchweg positiv.
Dann kam der Tag der Wahl. Den beschreibt Felicitas Schwarzhaupt so: „Als ich am Wahllokal in der Schlange gestanden bin und gesehen habe, wie all die Menschen ihre Stimmzettel in die Urnen werfen, habe ich mir gedacht: Ja, das ist Demokratie.“ Am Ende stand ein Ergebnis, das die Jugendlichen differenziert betrachten. „Mich schockiert vor allem das Abschneiden der AfD auf europäischer Ebene vor allem bei jungen Wählerinnen und Wählern“, sagt Luzian Häbe. Ex-Ausschussmitglied Jacob Haug – er half ebenfalls tatkräftig bei Film und Ständen mit – kommentiert: „Der große Unterschied zwischen Ost und West, da muss man sich ja auch die Frage stellen: Was bewegt die Menschen, so zu wählen?“
Luzian Häbe engagierte sich sogar als Wahlhelfer
Gewählt haben die Ausschussmitglieder natürlich alle. „Es wäre ja auch komisch, wenn wir so dafür werben würden und es dann selber nicht machen würden“, sagt Jacob Haug und lacht. Luzian Häbe engagierte sich sogar als Wahlhelfer. „Da mittendrin zu sein, wenn man sich vorher jahrelang mit der Sache befasst, war eine coole Sache“, sagt er. Gespannt ist man im Jugendausschuss, ob es wohl noch eine Aufschlüsselung der Leonberger Wahlstatistik nach Alter gebe. „Die Servicestelle hat aber schon signalisiert, dass unsere Aktion darauf sicher einen Einfluss gehabt hat“, sagt Julian Pohl.
Der Film ist künftig sowohl über die Internetseite der Stadt Leonberg (www.leonberg.de) als auch auf Youtube direkt abrufbar. Und vielleicht können auch erwachsene Leonbergerinnen und Leonberger beim Anschauen wichtige Infos in Sachen Wahl für sich gewinnen – für das nächste Mal dann.