Von Rutesheim über Magdeburg nach Hamburg: Daniel Elfadli (re./gegen Boris Tomiak vom 1. FC Kaiserslautern) hat den Aufstieg mit dem HSV im Blick. Foto: IMAGO/Jan Huebner/IMAGO/Steven Mohr

Der Rutesheimer Daniel Elfadli ist vor dieser Saison zum Hamburger SV gewechselt, der den siebten Anlauf zum Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga nimmt.

Der Traum von Daniel Elfadli geht weiter: Der gebürtige Leonberger, der vor acht Jahren noch in der Landesliga bei der SKV Rutesheim gespielt und sich zuletzt beim 1. FC Magdeburg im Profifußball etabliert hat, besitzt nun die große Chance, in die Bundesliga aufzusteigen – eine Geschichte, die im durchorganisierten Profibetrieb mit Scoutingabteilungen und Vereins-Jugendinternaten eigentlich kaum möglich scheint.

 

Seit dieser Saison steht der Deutsch-Libyer beim Hamburger SV unter Vertrag und will seinen Teil dazu beitragen, dass der Traditionsverein die Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs schafft. Wenn es nach dem 27-Jährigen gegangen wäre, hätte er schon ein Jahr früher in Hamburg unterschrieben. Die Verantwortlichen waren in der Saison 2022/23 auf Daniel Elfadli aufmerksam geworden, da der HSV damals beide Spiele gegen den 1. FC Magdeburg verlor und der Rutesheimer seine vielleicht besten Leistungen im Magdeburger Dress zeigte.

Dankbar für die Chance

„Ich hatte großes Interesse und habe mit meinem Berater alles versucht. Aber Magdeburg hat mich nicht gehen lassen“, verrät Elfadli. Es habe ihn aber in seiner Entwicklung vorangebracht, mit dem Nein des Vereins aus Sachsen-Anhalt, bei dem er in der Winterpause den Vertrag verlängert hatte, umgehen zu müssen. „Ich bin dem 1. FC Magdeburg dankbar für die Chance, die sie mir im Profifußball gegeben haben“, sagt der 27-Jährige rückblickend.

Als ehemaliger Regionalligaspieler (VfR Aalen) habe er sich anfangs zwei Klassen höher schwer getan. „Ich war Tempo und Intensität nicht so gewohnt“, erinnert sich Elfadli, der nach Stationen in der Oberliga beim SSV Reutlingen (2018) und FC Nöttingen (2020) beim VfR Aalen (2021) gelandet war. Doch schon in der Vorrunde schaffte er den Sprung zum Stammspieler bei dem Club, der als einziger aus der DDR den Europacup gewann. Sogar als zweifacher Torschütze trat der defensive Mittelfeldakteur in Erscheinung. „Ich habe relativ schnell Fuß gefasst in der Zweiten Liga“, resümiert Daniel Elfadli.

Nun beim einstigen Bundesliga-Dino

Nun also der Hamburger SV. Es hätte bessere Momente für ein Engagement beim ehemaligen Bundesliga-Dino gegeben, der 2018 nach 55 Jahren als letztes Bundesliga-Gründungsmitglied den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste. Sechs Mal hat der HSV den Wiederaufstieg bislang verpasst, darunter zweimal in der Relegation. Mittlerweile ist der Verein in seinem siebten Zweitliga-Jahr der Dino in der zweithöchsten Spielklasse, in der neben Magdeburg und Elversberg 16 Ex-Erstligisten spielen, und in der gleich die Hälfte der Teams bei Experten für den Aufstieg gehandelt wird. Ebenso bitter: Durch den Aufstieg des FC St. Pauli in die Bundesliga hat der HSV seinen Nimbus als Nummer eins in der Hansestadt verloren.

All das ist Daniel Elfadli bewusst, doch erschrecken lässt er sich dadurch nicht. „Ich stelle bei meinen Mitspielern keine Verunsicherung fest. Im Gegenteil, der Hunger überwiegt. Die jüngste Statistik treibt uns eher an“, erzählt er. Hoffnung macht ihm – wie vielen anderen Anhängern des Rautenclubs – dass in Trainer Steffen Baumgart und Sportvorstand Stefan Kuntz zwei Experten am Ruder sind, die wissen, wie man ein Team zum Erfolg führt. „Die gute Arbeit von Stefan Kuntz erkennt man allein schon daran, dass unser Kader in der Breite die wohl beste Qualität in der Liga aufweist“, berichtet Elfadli, der Kuntz als „Fußball-Ikone“ bezeichnet.

Größeres mediales Umfeld

Neben vielen anderen Neuerungen muss sich der Rutesheimer nach seinem Wechsel vor allem auf ein gänzlich anderes mediales Umfeld einstellen. Einen Vorgeschmack erlebte er nach der ersten Saisonniederlage am dritten Spieltag bei Hannover 96. „Da hat medial der Baum gebrannt. Das ist Wahnsinn, was da abgeht. Die Journalisten haben zum Teil eine kurze Zündschnur“, sagt der 27-Jährige. Er selbst liest die Berichte und Kommentare nicht. „Aber in der Mannschaft kriegen wir es natürlich trotzdem mit, weil irgendeiner es immer liest“, erzählt er.

Wie in Magdeburg wird der 27-Jährige auch beim HSV im defensiven Mittelfeld eingesetzt – allerdings in einer anderen Rolle. „In Magdeburg war ich schwimmender Sechser, der sich in die Kette zurückfallen lassen musste. Beim HSV bin ich gegen den Ball eher ein Zehner, weil wir hohe Ballgewinne wollen“, erklärt Elfadli, der wegen einer Rotsperre von Sebastian Schonlau auch schon als Innenverteidiger eingesetzt wurde.

Den Kontakt in die Heimat lässt er trotz der immer größeren Entfernung nicht abreißen. Zuletzt war er während der Länderspielpause Anfang September ein paar Tage in Rutesheim. Dafür verzichtete er in Absprache mit dem Verband auch auf weitere Länderspiele für Libyen gegen Ruanda und in Benin. „Ich hatte einen kleinen Teilriss in der Sohle, den ich ausheilen lassen wollte“, erklärt er. Der ehemaliger Rutesheimer Landesligaspieler tut alles dafür, dass der Traum von der Bundesliga Wirklichkeit wird.