Bald gibt es keine Beratungsstelle von Pro Familia in Leonberg mehr (Symbolbild). Foto: LICHTGUT

Die Außenstelle von Pro Familia in Leonberg schließt zum Jahresende. Was die Gründe dafür sind und wie die Versorgungslage im Landkreis Böblingen aussieht.

Es ist eine rein praktische Entscheidung, das Büro von Pro Familia in Leonberg zum Jahresende zu schließen. Beate Scharfenstein, Leiterin der Beratungsstelle in Böblingen, sagt: „Die Nachfrage vor Ort hat seit Corona nachgelassen und ist nun auch telefonisch oder per Video möglich. Wir haben nur in Leonberg noch ein Mal pro Monat geöffnet.“

 

Hinzu kommen organisatorische Gründe: Alle Anträge müssen inzwischen digital eingereicht werden. Das Hochladen der erforderlichen Unterlagen sei in Leonberg technisch nicht möglich und müsse im Böblinger Büro nachgeholt werden – ein zusätzlicher Aufwand für die Mitarbeiterinnen.

Versorgungssituation ist gesichert, aber angespannt

Die Versorgung in Leonberg und Umgebung sieht Scharfenstein trotz der Schließung nicht gefährdet. Viele Anliegen ließen sich telefonisch klären, und die Anbindung nach Böblingen sei gut. Zudem verweist Scharfenstein auf Diakonie, Caritas und Gesundheitsamt, die Beratung rund um die Themen Familie, Schwangerschaft und Sexualität geben.

Ganz unproblematisch ist die Lage jedoch nicht. Laut der ELSA-Studie, die die Versorgungssituation beim Schwangerschaftsabbruch untersucht, gehört Baden-Württemberg bundesweit zu den schlechter versorgten Regionen.

Gelder für Beratungsstelle sollen gekürzt werden

Das spürt auch Scharfenstein im Alltag: „Wir merken das, wenn Frauen sogar aus dem Schwarzwald zu uns kommen.“ Die hohe Nachfrage führe zu längeren Wartezeiten. „Unser Kalender ist immer voll, aber es geht noch. Jeder kommt bei uns unter – Notfälle sowieso.“

Sorgen machen ihr allerdings die angekündigten finanziellen Kürzungen des Landkreises, der voraussichtlich die Hälfte der bisherigen Gelder streichen will. Wie genau dies umgesetzt wird, ist noch unklar; Details sollen erst mit dem Haushaltsbeschluss des Kreistags feststehen.

Pro Familia: Freiwilligkeitsleistungen werden reduziert

Zwar ist die Schwangerschaftskonfliktberatung gesetzlich garantiert und kann daher nicht gestrichen werden. Doch präventive und ergänzende Angebote wie Paarberatung, Rechtsinformationen oder sexuelle Aufklärung an Schulen stehen auf dem Spiel.

Dabei würden auch sie häufig in Anspruch genommen, die Nachfrage laut Scharfenstein nicht weniger. Gerade die Jugendarbeit sei eine Investition in die Zukunft: „Da würde definitiv an der falschen Stelle gespart.“