Kamala Harris wurde bei den US-Wahlen von Donald Trump deutlich geschlagen. Trump wird damit zum zweiten Mal Präsident der Vereinigten Staaten. Foto: imago/ZUMA Press Wire

Der in Connecticut geborene Kurt Kindermann und der Südstaaten-Reisende Werner Metz analysieren die US-Wahl.

Seine Stimmen für die Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris und den möglichen Vizepräsidenten Tim Walz haben nicht gereicht. Im US-Staat Connecticut haben die Demokraten zwar die Mehrheit, nicht aber im gesamten Land. Entsprechend macht Kurt Kindermann aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Der Leonberger FDP-Chef wurde in Connecticut geboren und ist dort aufgewachsen. Deshalb hat er neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft und hat natürlich von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht.

 

Er nennt mehrere Faktoren, die zum Wahlsieg Donald Trumps beigetragen haben: „Es kam zu einer teilweise 20-prozentigen Inflation“, sagt Kindermann. „Trump wurde von vielen als die stabilere Wahloption gesehen, auch was die Streitthemen Einwanderung und innere Sicherheit angeht.“ Trumps Partei, die Republikaner, hätten geschlossen hinter ihm gestanden, die Wählerbasis nennt der ehemalige hochrangige Kripobeamte, der als Profiler unter anderem beim FBI aktiv war, „fast schon fanatisch“.

Kurt Kindermann, der regelmäßig in den Vereinigten Staaten unterwegs ist, attestiert Trump „ein talentiertes Gespür für Medien und soziale Netzwerke“. Damit habe er neue Wählergruppen erschlossen und auch Menschen aus Randgruppen gewinnen können, die ihn früher nicht gewählt hatten.

Kamala Harris wiederum habe einen „ausgezeichneten Wahlkampf“ geführt und damit Trump durchaus in Bedrängnis gebracht. Dass es nicht gereicht hat, liegt in den Augen des Deutsch-Amerikaners nicht unwesentlich an der allgemeinen Unzufriedenheit mit der Regierung des Präsidenten Joe Biden, dessen Vizepräsidentin Harris ist.

Da die Republikaner zudem im Repräsentantenhaus und im Senat künftig die Mehrheit haben, könnten sie nun „durchregieren“. Kurt Kindermann ist überzeugt, dass er für Waren aus Europa Zölle einführt und „uns wirtschaftlich in erhebliche Schwierigkeiten bringt“. Deshalb müssten Deutschland und Europa autarker werden.

„Demokraten gelten quasi als Kommunisten“

Große wirtschaftliche Probleme befürchtet auch Werner Metz. „Wir müssen uns warm anziehen“, sagt der Kardiologe aus Leonberg, der seit einem Vierteljahrhundert alljährlich die Bundesstaaten North und South Carolina bereist und dort über etliche persönliche Kontakte verfügt.

„Auf den Märkten dort hissen sie Trump-Flaggen und gehen für ihn auf die Straße. Er wird fast wie ein Erlöser gefeiert“, schildert der langjährige Kreisrat der Freien Wähler die Eindrücke seiner jüngsten Reise im Sommer. „In ländlichen Regionen ticken die Menschen völlig anders als in den großen Städten an den Küsten. Auf dem Land gelten die Demokraten quasi als Kommunisten.“

Ähnlich wie Kurt Kindermann sieht auch Werner Metz die galoppierende Inflation als einen wesentlichen Grund für Trumps Wahlerfolg: „Die Lebensmittel sind derart teuer geworden, dass die Leute mittlerweile bei den dortigen Aldi-Filialen einkaufen und nicht mehr bei amerikanischen Geschäften. Das war früher fast undenkbar, und das lasten die Menschen den Demokraten an.“

Letztlich hätte die Einwanderungsproblematik maßgeblich auf Trumps Haben-Konto eingezahlt. „Es gibt im Südosten viele Mexikaner. Die werden zwar als billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft oder in der Gastronomie gebraucht“, berichtet der Mediziner von seinen Beobachtungen im Swing State North Carolina. „Aber die meisten Arbeiter holen ihre Familien nach, und das schafft Probleme. Probleme, deren Lösung fast ausschließlich Trump zugetraut werden. Ihm wird regelrecht gottähnlich gehuldigt. Das ist schon erschreckend.“